Die Chureito-Pagode zur Kirschblüte bietet eines der schönsten Panoramen in ganz Japan. In Scharen strömen Reisende jedes Frühjahr zu dem berühmten fünfstöckigen Turm vor der Kulisse des Bergs Fuji mit seiner schneeweißen Spitze. Sie warten bis zu zwei Stunden in der Schlange, um ihn zumindest für einen kurzen Moment umgeben von der rosafarbenen Blütenpracht zu sehen und zu fotografieren.Zu dem einwöchigen Kirschblütenfestival an der Pagode bevölkern bis zu 200.000 Menschen das kleine Örtchen Fujiyoshida. Doch in diesem Jahr hat die Gemeinde dem Treiben einen Riegel vorgeschoben und das Festival kurzfristig abgesagt. Das ruhige Leben der Anwohner könne angesichts der rasant gestiegenen Besucherzahlen nicht mehr gewährleistet werden, sagte der Bürgermeister.Die Absage des beliebten Festivals ist eine der jüngsten Ausgeburten des Übertourismus in Japan. Die rasant steigende Zahl ausländischer Touristen sorgt seit gut zwei Jahren an immer mehr Orten für Verärgerung und ist längst zum Politikum geworden. Im vergangenen Jahr kam die Rekordzahl von 42,7 Millionen Reisenden ins Land, das waren mehr als doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren. Weil die meisten von ihnen die Topziele Tokio, die alte Kaiserstadt Kyoto oder eben den Berg Fuji nicht verpassen wollen, kam es hier zuletzt immer wieder zu Überfüllung und Ärger mit den Einheimischen.Touristen machen in den Augen der Japaner vieles falschAm Mittwoch hat die japanische Regierung nun zum ersten Mal seit 48 Jahren die Visumsgebühren für ausländische Touristen erhöht. Und das deutlich: Die Antragsgebühren für Ausländer, die einmalig in das Land einreisen wollen, haben sich von bislang 3000 Yen auf 15.000 Yen (etwa 80 Euro) verfünffacht. Für längerfristige Visa, die die mehrfache Einreise ins Land erlauben, müssen Antragsteller nun 30.000 Yen (rund 160 Euro) zahlen, statt wie bisher 6000 Yen. Japans Regierung um die nationalkonservative Ministerpräsidentin Sanae Takaichi will mit den höheren Gebühren gegen den Übertourismus vorgehen und greift die zunehmenden Ressentiments gegen Ausländer auf.In den vergangenen Wahlen haben rechte Parteien an Zuspruch gewonnen. Das dürfte weniger an den in Japan lebenden Ausländern liegen, deren Zahl relativ gering ist. Vielmehr stößt Japanern auf, dass sich viele Touristen nicht an die Verhaltensregeln des Landes halten. Im Zug drücken sie sich mit großen Koffern durch die sich schon schließenden Türen, unterhalten sich laut, essen krümelnd ihre Snacks und lassen dann den Müll liegen – alles Tabus in Japan. Wer solche Erfahrungen nicht selbst macht, bekommt sie über Videos in den sozialen Medien mit. Zudem sind an vielen Orten die Preise für Hotels und Restaurants so sehr gestiegen, dass der herkömmliche japanische Geschäftsreisende sie sich kaum noch leisten kann.Die Preiserhöhungen für Visa betreffen Besucher aus mehr als 120 Ländern, darunter auch China und die Philippinen, von wo aus besonders viele Besucher nach Japan reisen. Im Jahr 2025 wurden 7,8 Millionen Visa ausgestellt, fast drei Viertel davon an Chinesen. Deutsche Urlauber können in der Regel ohne Visum einreisen, sodass sie von der Änderung nichts mitbekommen werden. Allerdings hat Japan auch die sogenannte Ausreisesteuer erhöht, die allen Reisenden normalerweise auf ihr Flugticket aufgeschlagen wird. Diese Gebühr wurde von 1000 auf 3000 Yen (etwa 16 Euro) verdreifacht. Die Einnahmen daraus sollen für Maßnahmen gegen den Übertourismus verwendet werden, also etwa den Ausbau der Infrastruktur in besonders beliebten Touristengebieten.Es ist das erste Mal seit 48 Jahren, dass Japan die Visumsgebühren erhöht. Die Regierung begründet den Schritt damit, dass die Kosten für die Erteilung der Visa aufgrund der Zunahme ausländischer Besucher gestiegen seien. Mit der Anpassung erwartet Tokio zusätzliche Einnahmen von etwa 120 Milliarden Yen (rund 650 Millionen Euro).Zugleich hat Japan die Kosten für die Ausstellung eines Reisepasses gesenkt. Japaner müssen dafür nun nur noch 8900 Yen (48 Euro) statt wie bisher 15.900 Yen zahlen. Damit will die Regierung die eingeschlafene Reiselust ihrer Landsleute wieder wecken. Gerade einmal 18 Prozent der Japaner besitzen überhaupt einen gültigen Pass. Zum Vergleich: In Deutschland haben laut Umfragen 41 Prozent einen gültigen Pass, und das, obwohl er für Reisen innerhalb der Europäischen Union gar nicht gebraucht wird.
Japan erhöht Visumgebühren: Kampf gegen Übertourismus
Der Übertourismus verärgert viele Japaner. Die Regierung ergreift nun drastische Mittel.








