Anfang April wurde in Haidhausen ein Modegeschäft mit antisemitischen Parolen beschmiert. Die Inhaberin hatte sich zuvor mit Aufklebern gegen Antisemitismus gewandt. Eine Woche danach erschütterte ein Anschlag auf das israelische Restaurant Eclipse in der Maxvorstadt die Stadt – der mutmaßliche Drahtzieher sitzt mittlerweile in den USA in Haft.Antisemitische Vorfälle haben in München zugenommen. Vertreterinnen und Vertreter mehrerer Fraktionen im Stadtrat haben deshalb vor der Vollversammlung des Gremiums am Mittwochmorgen auf dem Marienplatz vor dem Rathaus mit einem Gruppenfoto ein Zeichen gegen Antisemitismus gesetzt. Viele hatten sich Sticker mit der Aufschrift „Antisemitismus? Ohne mich!“ auf der Brust geklebt.„Viele Menschen in München lehnen Antisemitismus ab – aber Schweigen schützt nicht“, erklärten die Kommunalpolitiker in einem Statement. „Wir wollen gemeinsam mit allen Münchnerinnen und Münchnern sichtbar machen: Antisemitismus? Ohne mich. Ohne uns!“ Antisemitismus dürfe niemals zum Problem der jüdischen Gemeinschaft gemacht werden, sagte Bürgermeisterin Mona Fuchs (Grüne). „Insbesondere diejenigen von uns, die nicht selbst betroffen sind, stehen in der Verantwortung, Haltung zu zeigen und laut Widerspruch zu leisten.“Initiiert haben die Aktion Verena Kayser-Eichberg, die die Kampagne 2014 nach München gebracht hatte, und der Hochschulprofessor Guy Katz. Die Kampagne, die inzwischen weltweit aktiv ist und von mehr als 200 Organisationen getragen wird, setzt im Alltag an. Auf der Seite www.dachgegenhass.com können Bürger kostenlos Aufkleber und Anstecker bestellen.Gekommen waren am Mittwoch Politikerinnen und Politiker der Fraktionen Grüne/Rosa Liste, CSU, SPD, FDP/Freie Wähler, ÖDP/BK/ML und Volt. Neben der Zweiten Bürgermeisterin Mona Fuchs, der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG), Charlotte Knobloch, und der Schauspielerin Uschi Glas unterstützten Vertreter mehrerer jüdischer Organisationen und beider jüdischer Gemeinden die Aktion – neben der IKG also auch die liberale Gemeinde Beth Shalom.In der Ankündigung hatte es geheißen, dass sich für die Kampagne „die demokratischen Fraktionen“ im Stadtrat versammeln. Neben der AfD fehlte indes eine weitere Fraktion: die Linke. „Wir sind nicht gefragt worden“, sagte Fraktionschef Stefan Jagel dazu auf Anfrage. Es ärgere ihn, dass die Linke damit offenbar auf dieselbe Ebene gestellt werden solle wie die rechtsextreme AfD. Initiator Katz bestätigte, dass die Linke ebenso wie die AfD nicht gefragt worden sei. „Was die hier veranstalten mit Palästina-Demos“, sagte er, „das kann man nicht machen“.Eigentlich hätte während der Fotoaktion vor dem Rathaus ein Flugzeug mit einer Botschaft auf einem Banner am Himmel kreisen sollen. Wetterbedingt sei das am Mittwoch leider nicht möglich gewesen, sagte Katz. Es soll nun am Freitag gegen 9.30 Uhr nachgeholt werden.