Noch am Morgen nach dem Debakel herrschte im deutschen WM-Quartier in Winston-Salem Katerstimmung. Keine 24 Stunden nach dem blamablen Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay war das deutsche Abenteuer in den USA endgültig beendet. Allerdings nicht mit einem gemeinsamen Rückflug nach Deutschland, nicht mit einem letzten Auftritt als Mannschaft und auch nicht mit Antworten auf die vielen offenen Fragen auf einer Pressekonferenz mit Julian Nagelsmann. Der Bundestrainer und die Spieler verließen das Teamhotel einzeln und traten ihre Reisen in die Heimat oder direkt in den Urlaub an.Der Kontrast zu anderen Fußball-Nationen könnte kaum größer sein. In Südkorea kehrte die Nationalmannschaft nach dem Vorrunden-Aus geschlossen in die Heimat zurück. Am Flughafen in Incheon mussten die Spieler und Verantwortlichen sogar unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen empfangen werden, weil der öffentliche Ärger über das frühe Ausscheiden so groß geworden war. Die Kritik war derart heftig, dass die Polizei wegen konkreter Drohungen gegen den Nationaltrainer zusätzliche Sicherheitskräfte mobilisierte.
In Deutschland blieb ein solches Szenario aus. Die Spieler entzogen sich dem Frust der Öffentlichkeit aber auch, weil sie ihr gar nicht erst begegneten. Statt gemeinsam nach Frankfurt, München oder Berlin zu fliegen, verteilten sie sich in alle Himmelsrichtungen. Für viele ging es direkt in den Urlaub.Natürlich hat jeder Nationalspieler nach einem langen und kräftezehrenden Jahr ein Recht auf Erholung. Doch die Bilder der individuellen Abreisen hinterlassen trotzdem einen schalen Beigeschmack. Denn sie vermitteln nicht den Eindruck einer Mannschaft, die ein gemeinsames Scheitern gemeinsam verarbeitet.










