PfadnavigationHomeSportFreddy Schott„Golf in Deutschland ist leider noch angestaubt“Von Carli UnderbergStand: 08:38 UhrLesedauer: 6 MinutenFreddy Schott beim Foto-Termin mit WELTQuelle: Stefan von StengelFreddy Schott will mehr als Siege: Er fordert ein neues Bild von Golf in Deutschland – und träumt vom Ryder Cup, Olympia und einem Major-Titel. Ortstermin mit dem deutschen Shootingstar.Freddy Schott hat den Durchbruch als Golfprofi in diesem Jahr geschafft. Der 25-Jährige ist seit 2021 Profi, im Februar 2026 gewann er ein Turnier in Bahrain. Schott wurde in Düsseldorf geboren.WELT: Herr Schott, Sie …Freddy Schott: Moment. Wir haben schon Golf zusammen gespielt. Das Golfer-Du endet nicht im Clubhaus. (lacht)WELT: Okay. Du bist der Shootingstar im deutschen Golf. Und für viele damit auch Hoffnungsträger, den Sport in Deutschland populärer zu machen. Gefällt Dir die Rolle?Schott: Natürlich. Die Rolle nehme ich gerne an und genieße es. Es ist ja letztlich die Bestätigung, dass Träume in Erfüllung gehen und ich Ziele erreichen kann, die ich mir gesteckt habe. Ich habe den „kleinen Freddy“ in mir sehr, sehr glücklich gemacht. Weil ich jetzt da bin, wo ich immer hin wollte. Mein erster Turniersieg in Bahrain im Februar soll aber nur ein erster Etappensieg gewesen sein. Den kann mir aber keiner mehr nehmen!WELT: Was ist das ultimative Ziel? Triumph bei einem der vier Major-Turniere? Goldmedaille bei den Olympischen Spielen? Teilnahme und Sieg beim Ryder Cup?Schott: Ich liebe wirklich alles, alles, alles an den Olympischen Spielen. Aber Golf ist erst seit Rio 2016 überhaupt wieder dabei. Hat dort also nicht die größte Tradition. Ganz im Gegenteil zum Ryder Cup. Das ist das Geilste, was es gibt in unserem Sport. Für die Fans und als Spieler. Um aber eine deutsche Legende zu werden, muss ein Major-Sieg her – das wäre sportlich die persönlichste Erfüllung für mich. Und durch einen Major-Sieg würde ich die Nominierungstür für Olympia und den Ryder Cup auch automatisch aufstoßen.WELT: Gibt die Antwort keinen Ärger zu Hause?Schott: Ich weiß, auf was Du anspielst. Meine Freundin (Hockey-Nationalspielerin Lisa Nolte; d. Red) und ich haben natürlich den gemeinsamen Traum, 2028 in Los Angeles zusammen ins Olympiastadion bei der Eröffnungsfeier einzulaufen. Das haben wir als gemeinsames Ziel definiert. Unglaublich viele Gelegenheiten werden wir ja nicht mehr bekommen.WELT: Hilft es Dir, eine Leistungssportlerin als Partnerin zu haben?Schott: Enorm sogar. Mit Erfolgen und Misserfolgen umzugehen, ist auch als Profisportler sehr schwierig und anstrengend. Das kann nur jemand richtig nachempfinden, der das selbst auch wieder und wieder erlebt. Wir streben beide nach Perfektion. Und es ist gut, jemanden im engsten Umfeld zu haben, der einen daran erinnern kann, dass es Perfektion im Sport niemals wirklich geben kann.WELT: Für Deinen ersten DP-World-Tour-Sieg hast Du knapp 400.000 Euro kassiert. Hast Du Dir was Besonderes davon gegönnt?Schott: Ja, ich habe mir eine besondere Uhr bestellt, die ich schon lange im Blick hatte. Ich finde, dass das eine schöne und ästhetische Erinnerung für meinen persönlichen Meilenstein ist. Mein Vater hatte mir zu meinem Profi-Debüt eine Uhr geschenkt. Etwas ganz Besonderes für mich.WELT: Schon für einen 10. Platz gibt es mit rund 50.000 Euro auf der DP World Tour ungefähr so viel Preisgeld für vier Tage Golf, wie ein durchschnittlicher deutscher Arbeitnehmer im Jahr verdient. Schott: Ich habe in meiner Karriere vier Top10 erreicht. Es ist also gar nicht so leicht und passiert leider nicht jede Woche. Und wenn, dann bleibt da gar nicht so viel über. Lesen Sie auchWELT: Wieso?Schott: Ich zahle meinen Caddie, Physios, Trainer, Management und weitere Personen. Golfer sind für das Einkommen eines mehrköpfigen Teams verantwortlich. Und was viele vergessen, wenn ich den Cut (Schnitt nach der 2. Runde. Nur die obere Hälfte des Teilnehmerfeldes spielt das Wochenende und kassiert Preisgeld; d. Red.) verpasse, fahre ich Freitagabend nur mit einem großen Sack Spesen wieder nach Hause. Ich versteuere mein Einkommen in Deutschland. Da ist die Hälfte weg. Aber natürlich sind wir Profisportler sehr privilegiert. Wenn Du Erfolg hast, kannst Du im Profi-Golf sehr viel Geld verdienen.WELT: Immer mehr Stars verdienen Millionen durch Social Media. Eine Entwicklung, die Du gut findest?Schott: Absolut. Aber nicht wegen des Geldes. Sondern weil jede Aufmerksamkeit für den Sport gut ist. Und wenn Golf weiter wachsen will, dann müssen wir Spieler unsere Chancen auf Aufmerksamkeit nutzen. Wenn das über Social-Media-Aktivitäten gelingt, dann finde ich das gut, besonders wenn es auch für einen gewissen Imagewandel sorgen kann. Gerade in Deutschland.WELT: Was meinst Du damit?Schott: Golf in Deutschland ist leider noch angestaubt, wird oft als spießig oder konservativ betrachtet. Ich würde in Düsseldorf zum Beispiel nicht in Golf-Klamotten durch die Stadt gehen. Sogar ich als Profi hätte da das Gefühl, komisch angeschaut zu werden. Dabei ist das doch total bekloppt. In den USA ist Golf ein echter Lifestyle. Da tragen von 100 Leuten im Supermarkt bestimmt 25 ein Golf-Polo. In Deutschland steckt Golf immer noch in einer Schublade, die meiner Meinung nach völlig veraltet ist.WELT: Wie kommt man da heraus?Schott: Indem man viel mehr Schubladen aufmacht. Golf kann auf so viele Arten Spaß bringen. Als Hobby und als Sport. Man muss es nur zulassen, dass jeder Golf so spielen und erleben kann, wie er eben Lust drauf hat. Weniger strenge Etikette, weniger Regeln, und vor allem weniger Barrieren. Alleine das Thema Platzreife ist etwas, das kennt man in Skandinavien und anderen Ländern gar nicht. Da gibt es die Möglichkeit für jeden, auf den Platz zu gehen, wenn man will.WELT: Was sieht Dein absoluter Traum-Flight für eine Runde Golf aus?Schott: Du an meiner Tasche als mein Caddie. (lacht) Und dann Michael Jordan. Auch wenn LeBron James der Basketballer meiner Jugend war, für den ich nachts aufgestanden bin. Aber Jordan ist ein richtig, richtig guter Golfer. Und der zockt gerne auf dem Platz. Das wird lustig. Dann Sebastian Vettel, auch wenn er, glaube ich gar, kein Golf spielt. Aber er ist ein Formel1-Gigant und Held meiner Jugend. Und vielleicht lässt er sich ja vom Golf-Virus anstecken. Und als Dritten nehme ich Novak Djokovic. Eine faszinierende Persönlichkeit auf und neben dem Tennis-Platz.Lesen Sie auchWELT: Ich trage jederzeit gerne Dein Golf-Bag. Aber nur, wenn Du Dich hier jetzt auf eine Wette einlässt …Schott: Okay. Und die wäre?WELT: Deine wehenden Haare unter dem Cap sind mittlerweile Kult. Wenn Du Deinen ersten Sieg auf der US-PGA-Tour gewinnst, dann darf ich Dir Deine Matte abschneiden.Schott: (lacht). Abgemacht. Kauf schon mal einen Rasierer.
Freddy Schott: „Golf in Deutschland ist leider noch angestaubt“ - WELT
Freddy Schott will mehr als Siege: Er fordert ein neues Bild von Golf in Deutschland – und träumt vom Ryder Cup, Olympia und einem Major-Titel. Ortstermin mit dem deutschen Shootingstar.













