ErklärtWeshalb vielen Menschen im Alter der Rücken schmerzt und was sie dagegen tun könnenEin Fachmann erklärt die unterschiedlichen Ursachen von Rückenschmerzen im Alter und gibt Tipps für Betroffene. Bevor Menschen mit ständigen Beschwerden sportlich aktiv werden, empfiehlt er eine ärztliche Abklärung.Adrian Ritter01.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenIllustration: Simon Tanner / NZZLeserfrage: Ich bin 71 Jahre alt und habe zunehmend Schmerzen in Rücken und Gesäss. Was kann ich dagegen tun?Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Beschwerden in Rücken und Gesäss im höheren Alter sind nicht selten. Gemäss einer Schweizer Befragung leiden rund ein Drittel der Personen ab 65 Jahren mehrmals pro Monat oder gar mehrmals wöchentlich an Rückenschmerzen – bei jüngeren Personen ist der Anteil sogar noch höher. «Die Ursachen solcher Beschwerden können sehr vielfältig sein», sagt Johannes Scherr, Leiter des Zentrums für Prävention und Sportmedizin an der Universitätsklinik Balgrist.Wohl & Sein antwortetIn der Rubrik «Wohl & Sein antwortet» greifen wir Fragen aus der Leserschaft rund um Gesundheit und Ernährung auf. Schreiben Sie uns an [email protected].Altersbedingte Veränderungen spielen dabei eine wichtige Rolle: So baut der Körper mit dem Alter Muskelmasse ab, gleichzeitig verlieren die Bandscheiben als Stossdämpfer zwischen den Wirbeln an Flüssigkeit. Dadurch liegen die Wirbel näher beieinander; die Wirbelgelenke können blockieren oder aufeinander scheuern und Schmerzen verursachen. Mögliche Ursachen sind zudem Abnutzungserscheinungen der Wirbel- oder Hüftgelenke – also Arthrose.Aber auch Osteoporose, Schleimbeutelentzündungen oder ein verengter Nervenkanal können gerade bei älteren Personen Rückenschmerzen auslösen. Bei Verengungen im Wirbelkanal können die Schmerzen auch ins Gesäss ausstrahlen. Eine weitere Möglichkeit: Nicht selten handelt es sich bei Beschwerden in Rücken und Gesäss gemäss Scherr um ein sogenanntes myofasziales Schmerzsyndrom: Durch Bewegungsmangel oder einseitige Belastung verkürzen oder verhärten sich Muskeln und Faszien, es entstehen druckempfindliche Knoten, sogenannte Triggerpunkte.Die Gefahr, falsch zu trainierenOhne ärztliche Abklärung sollte man laut Scherr keine Schmerzmedikamente einnehmen. Klar ist für den Mediziner auch: «Sich nur zu schonen und abzuwarten, ist nicht hilfreich.» Couch-Potatoes sollten es mit mehr Bewegung probieren – mit Spaziergängen und Schwimmen etwa.Hilft dies nicht, oder bewegt man sich viel und hat trotzdem Beschwerden, ist es nicht sinnvoll, aufs Geratewohl mit Fitnesstraining oder anderen Sportarten zu beginnen. Zu gross ist die Gefahr, den Trainingsfokus falsch zu setzen, die Beschwerden damit allenfalls noch zu verstärken oder neue Symptome zu erzeugen. So tendieren gemäss Scherr viele Menschen zum Beispiel dazu, ohne fachkundige Anleitung so zu trainieren, dass es ihnen angenehm ist: «Das heisst oft, dass sie genau diejenigen Muskeln trainieren, die ohnehin schon stark sind. Damit wird eine allfällige Fehlbelastung noch ausgeprägter.»Die richtigen Fragen stellenUm zu wissen, welche körperliche Betätigung sinnvoll ist oder ob allenfalls eine Physiotherapie nötig wäre, brauche es bei Rücken- und Gesässschmerzen eine ärztliche Abklärung. «Diese ist auch sinnvoll, um allfällige schwerere Erkrankungen wie einen Bruch, eine Infektion oder eine Krebserkrankung auszuschliessen», sagt Scherr.Vor allem gewisse zusätzliche Symptome sollten bei Rückenbeschwerden unbedingt ärztlich abgeklärt werden. Dazu zählen ein Gewichtsverlust, nächtliche Schmerzen, Nachtschweiss, Fieber sowie Gefühlsstörungen oder Ausstrahlungen der Schmerzen in die Beine.Der Hausarzt oder die Hausärztin wird sich beim Gespräch auch für die Familiengeschichte interessieren und diverse Fragen klären wollen: Welcherart ist der Schmerz? Wann genau tritt er auf? Verändert er sich mit Bewegung? Je nachdem, wie die Antworten ausfallen, weisen die Symptome beispielsweise eher auf eine Arthrose, Bandscheibenprobleme oder muskuläre Ursachen hin. Falls nötig, wird der Arzt zusätzlich einen Bluttest für gewisse Entzündungsmarker, eine Bildgebung oder eine Knochendichtemessung empfehlen. «Erst dann kann eine sinnvolle Therapie bestimmt werden», sagt Scherr.Und was können wir präventiv gegen Rückenschmerzen im Alter tun? Gemäss Johannes Scherr gelten die gängigen Empfehlungen: gesunde Ernährung, allfälliges Übergewicht reduzieren und Bewegung. Körperliche Aktivität helfe, dem Abbau von Muskulatur und Knochenmasse im Alter entgegenzuwirken. Ausserdem sehr sinnvoll: rauchfrei leben. Denn Rauchen führt ebenfalls dazu, dass Bandscheiben und andere Gewebe Flüssigkeit verlieren und weniger gut durchblutet sind – was wiederum zu Beschwerden führen kann.Sie haben auch eine Frage rund um Ernährung und Gesundheit? Schreiben Sie uns an [email protected].Passend zum Artikel