Dank Abnehmspritzen: Eli Lilly verspricht alle Massstäbe in der Pharmabranche zu sprengenEine Marktstudie traut dem amerikanischen Medikamentenhersteller 2032 einen Umsatz von fast 140 Milliarden Dollar zu. An der Börse ist Eli Lilly nun fast doppelt so viel wert wie Roche und Novartis zusammen.01.07.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenDas Medikament Mounjaro von Eli Lilly wird zur Behandlung von Diabetes und Fettleibigkeit eingesetzt.Niall Carson / PA via GettyDer amerikanische Pharmakonzern Eli Lilly macht mit Abnehmspritzen das grosse Geschäft. Analysten erwarten für das zweite Quartal eine Umsatzsteigerung von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ähnlich fulminant sollte sich Eli Lilly im Gesamtjahr entwickeln: Marktbeobachter trauen der Firma zu, den Konzernerlös um 20 Milliarden auf über 85 Milliarden Dollar zu erhöhen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Doch das Ende der Fahnenstange dürfte damit, so sind Analysten überzeugt, noch längst nicht erreicht sein. Für Aufsehen erregte vergangene Woche die Bekanntgabe einer Prognose des Marktforschungsunternehmens Evaluate. Die Firma sieht den Umsatz von Eli Lilly bis 2031 auf 137 Milliarden Dollar steigen. Evaluate ist für treffsichere Prognosen in der Pharmabranche bekannt. Allerdings sind Annahmen über derart viele Jahre mit viel Unsicherheit behaftet.Roche erst auf Rang fünfEli Lilly spiele künftig in einer eigenen Liga, konstatierten die Branchenexperten von Evaluate. Die beiden amerikanischen Konkurrenten Abbvie und Johnson & Johnson können laut ihren Erwartungen in sechs Jahren mit Verkäufen von je rund 80 Milliarden Dollar rechnen. Auf den Rängen vier und fünf mit einem Umsatz von je rund 70 Milliarden Dollar sehen die Marktbeobachter den britischen Konzern AstraZeneca und das grösste Schweizer Pharmaunternehmen Roche.Im vergangenen Jahr lag Eli Lilly beim Umsatz noch beinahe gleichauf mit Abbvie und Johnson & Johnson. In den nächsten Jahren sollte das Unternehmen aber vor allem dank seinen Schlankmachern durchstarten.Verkaufsrenner MounjaroNach Einschätzung von Evaluate sollte allein der Wirkstoff Tirzepatid, der in der Schweiz und im übrigen Europa unter dem Markennamen Mounjaro vermarktet wird, 2032 für Einnahmen von über 70 Milliarden Dollar sorgen. Das wäre fast die Hälfte des Gesamterlöses, der für die weltweit zehn umsatzstärksten Medikamente in sechs Jahren erwartet wird.Angesichts derart ambitionierter Erwartungen erstaunt es nicht, dass Eli Lilly der Konkurrenz auch an der Börse enteilt ist. Das Unternehmen hat Ende letzten Jahres als erster Medikamentenhersteller eine Marktkapitalisierung von über 1 Billion Dollar erreicht. Johnson & Johnson wird als zurzeit zweitgrösster Pharmakonzern mit rund 620 Milliarden Dollar bewertet. Die beiden Schweizer Branchenschwergewichte Roche und Novartis bringen es zusammen auf umgerechnet knapp 660 Milliarden Dollar.Obschon sich der Aktienkurs von Eli Lilly mit rund 1200 Dollar auch am Dienstag unweit seines Allzeithochs bewegte, halten die wenigsten Analysten die Titel für ausgereizt. Von den 36 Wertschriftenhäusern, die in der Datenbank von Bloomberg mit Empfehlungen zum Medikamentenhersteller aufgeführt sind, rät nur 1 zum Verkauf. 29 empfehlen Anlegern weiterhin, Aktien von Eli Lilly zu kaufen. 6 führen eine Halteempfehlung.Vorsprung auf Novo Nordisk wächstZu den Finanzinstituten, welche die Valoren des amerikanischen Pharmakonzerns weiterhin für kaufenswert erachten, zählt die Bank of America. Sie begründet ihre optimistische Einschätzung mit dem Vorsprung, den sich Eli Lilly im Geschäft mit den Schlankmachern inzwischen gegenüber dem Hauptkonkurrenten Novo Nordisk gesichert hat.Die Analysten glauben auch, dass im weltgrössten Pharmamarkt, den USA, die Nachfrage noch nicht ausgeschöpft ist. So gäben amerikanische Ärzte an, dass sie zurzeit erst gut die Hälfte ihrer fettleibigen Patienten mit den neuartigen Präparaten aus der Kategorie der GLP-1-Agonisten behandelten. In drei Jahren rechneten sie damit, dies bei fast 80 Prozent zu tun.Auch die Branchenbeobachter der Bank of America halten es für plausibel, dass Eli Lilly bis zur nächsten Dekade den Umsatz mit dem Wirkstoff Tirzepatid auf über 70 Milliarden Dollar steigern kann. Voraussetzung dafür sei, dass der Konzern den Marktanteil in den USA bei rund 60 Prozent halten könne. Die Analysten basieren ihre Annahme zudem darauf, dass die Kosten für die Einnahme des Medikaments pro Jahr nicht auf unter 350 Dollar fallen werden. Im vergangenen Jahr lagen diese in den Vereinigten Staaten durchschnittlich bei 550 Dollar.Steigender Wettbewerbsdruck erwartetDa neben privaten Versicherern bald auch die staatliche amerikanische Krankenversicherung Medicare Verschreibungen von Tirzepatid finanzieren dürfte, ist mit steigendem Preisdruck zu rechnen. Medicare steht allen Bewohnern der Vereinigten Staaten ab 65 Jahren zur Verfügung. Bis zum Ende dieser Dekade dürften die beiden Marktführer Eli Lilly und Novo Nordisk zudem zunehmend durch Medikamente anderer Anbieter Konkurrenz erhalten. Unter anderem verfolgen auch Roche und der amerikanische Konzern Pfizer Ambitionen in der Behandlung von starkem Übergewicht.Auf die Gefahr des wachsenden Wettbewerbsdrucks verweisen auch die Bonitätswächter der Rating-Agentur Moody’s. Wegen der starken Marktposition und der hohen Gewinnmargen des Unternehmens beliessen sie das Rating Anfang Mai indes bei Aa3. Es bescheinigt Firmen eine hohe Fähigkeit zur Zahlung von Zinsen sowie zur Rückzahlung von Schulden.Sandoz muss sich wohl geduldenAm Montag gab der Basler Generikahersteller Sandoz bekannt, einen wichtigen Zwischenschritt bei der Entwicklung eines Nachahmerprodukts für Tirzepatid bewältigt zu haben. Die US-Gesundheitsbehörde FDA habe die Einreichung des Zulassungsantrags akzeptiert.Bis Nachahmer Eli Lilly im Geschäft mit diesem Medikament Umsätze streitig machen werden, werden aber wohl noch Jahre vergehen. Laut Analysten des amerikanischen Wertschriftenhauses Morgan Stanley läuft das Patent für die Zusammensetzung des Moleküls erst Anfang Mai 2036 ab. Weitere Patente könnten Eli Lilly die exklusive Vermarktung sogar bis 2039 oder 2041 sichern, hielten die Branchenbeobachter fest. Das Management von Sandoz nannte selbst keinen Zeitpunkt für die Markteinführung in den USA.Passend zum Artikel
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