Im WM-Sechzehntelfinale zwischen der Elfenbeinküste und Norwegen prallten zwei unterschiedliche Strategien aufeinander. Während die Elfenbeinküste zuvor im abschließenden Vorrundenspiel gegen das ausgeschiedene Curaçao mit der bestmöglichen Besetzung angetreten war, hatte der norwegische Trainer Stale Solbakken nahezu die gesamte Startelf seines schon für die nächste Runde qualifizierten Teams ausgetauscht. Sein Ziel war es, Stammspieler zu schonen sowie den Ersatzleuten Spielpraxis und die Chance auf einen Turniereinsatz zu verschaffen. Dafür nahm Solbakken in Kauf, dass seine Mannschaft im Gegensatz zur Elfenbeinküste womöglich den Rhythmus verlieren könnte.Und genau das trat zunächst ein: Das sonst schwungvolle Offensivspiel der Norweger wirkte ungewohnt hölzern. Allerdings konnten sie, wie von Solbakken erhofft, in der Schlussphase kräftemäßig zulegen – und die Partie spät mit 2:1 auf ihre Seite ziehen.Elfmeterschießen gegen Paraguay:Warum musste Tah antreten?Nach dem verlorenen Elfmeterschießen gegen Paraguay wird die Auswahl der DFB-Schützen kritisiert – eine Szene zeigt, wie Kapitän Kimmich die Reihenfolge erst auf dem Rasen festlegt.Damit stehen die Norweger zum dritten Mal in der Geschichte ihrer Männer-Nationalmannschaft im Achtelfinale einer Fußball-Weltmeisterschaft – und kurioserweise erstmals außerhalb Frankreichs. Bei den beiden vorherigen Gelegenheiten, 1938 und 1998, wurde das Turnier jeweils in der République Française ausgetragen. Das Siegtor erzielte fast erwartungsgemäß Serientorschütze Erling Haaland in der 86. Minute. Bezeichnend für seinen bis dahin unauffälligen Beitrag wirkte dabei auch der Abschluss: Nach herrlichem Steilpass vom besten Spieler der Partie, Leipzigs Antonio Nusa, legte Patrick Berg im Strafraum quer auf Haaland, der mal wieder richtig stand, den Ball nur noch über die Linie ins verwaiste Tor drücken musste – ihn aber beinahe verstolpert hätte. Der sehenswerteste Angriff der Partie setzte sich damit über zwei Statistiken hinweg, die für die Ivorer gesprochen hatten: Sie verzeichneten 14:9 Torschüsse und 14:3 Ecken.Die Dominanz der Elfenbeinküste hing auch damit zusammen, dass sich die Norweger nach erneut zehn Startelfwechseln über weite Strecken erst wieder aufeinander einstellen mussten. Der Elfenbeinküste gelang es dagegen, über ihre Flügelspieler Gefahr zu erzeugen: auf der linken Seite wie gewohnt durch Nusas Leipziger Teamkollegen Yan Diomande, auf der rechten diesmal durch den ebenso dribbelstarken Nicolas Pépé. Die beste Gelegenheit bot sich zunächst Pépé nach einer halben Stunde, als ihn Diomande mit einer Flanke bediente. Aus spitzem Winkel brachte er den Ball jedoch nicht aufs Tor, sondern nur in die Mitte, wo die Norweger klären konnten.Diallo wird eingewechselt und umkurvt die norwegische Defensive vor dem AusgleichVon derlei Szenen schien sich Norwegens Nusa inspirieren zu lassen. Mit einer Einzelaktion schlenzte er den Ball in der 39. Minute nach einem Vorstoß von der linken Seite kommend fast aus dem Stand im Strafraum zum 1:0 in den rechten oberen Winkel. Der Treffer hatte eine Qualität, die man eher bei Diomande vermutet hätte. Dabei profitierte Nusa davon, dass Haaland im Sturmzentrum die Aufmerksamkeit mehrerer Gegenspieler band. Entgegen ihrer sonstigen Herangehensweise versuchten die Norweger anschließend nicht, den knappen Vorsprung auszubauen, sie wollten ihn überraschenderweise verwalten. So war kaum etwas von Spielmacher Martin Ödegaard zu sehen – und entsprechend weiterhin wenig von Haaland, der auf dessen Zuspiele angewiesen ist. Das ermunterte die Ivorer, den Druck zu erhöhen.Trainer Emerse Faé brachte nach genau einer Stunde seinen Joker Amad Diallo, den er bewusst zurückgehalten hatte, um auch mit zunehmender Spieldauer noch Impulse setzen zu können. Prompt verhinderte Diallo in seiner ersten Aktion nach einer gegnerischen Ecke das zweite Gegentor auf der Linie und traf in seiner zweiten Aktion sieben Minuten später. Durch einen Doppelpass mit Pepé ließ er vier Gegenspieler stehen, umkurvte daraufhin noch einen fünften und schob den Ball überlegt ins Tor (74. Minute). Es war das zweite Weltklassetor der Partie.Nun bot sich den Ivorern die Chance, bei ihrer vierten WM-Teilnahme erstmals ein K.-o.-Spiel zu gewinnen. Doch ausgerechnet in dieser Phase profitierten die Norweger von ihrer größeren Frische bei diesem im athletischen Bereich besonders fordernden Turnier. Sie nutzten eine Unaufmerksamkeit der Elfenbeinküste zu Haalands entscheidendem Tor.Im Achtelfinale trifft Norwegen nun am kommenden Sonntag in New York auf Rekordweltmeister Brasilien. Sollte in diesem Duell erneut die Fitness den Ausschlag geben, dürfte der Vorteil allerdings eher bei den Brasilianern liegen: Sie haben einen Tag länger Pause.
Norwegen besiegt die Elfenbeinküste bei der WM: Und Haaland steht mal wieder richtig
Norwegen und die Elfenbeinküste liefern sich ein intensives Match, jeder Nation gelingt ein Traumtor. Am Ende macht der Superstürmer den Unterschied.












