Am vergangenen Sonntag war es eine Sortieranlage bei Erding, die abbrannte. Stundenlang kämpfte die Feuerwehr gegen die Flammen, am Ende stand ein Millionenschaden. Die Polizei vermutet, dass ein falsch entsorgter Akku die Ursache war. So einer, wie er in vielen Dingen verbaut ist, auch in Einweg-E-Zigaretten. „Das macht einen einfach nur wütend“, sagt Christian Hündgen, Chef des gleichnamigen Entsorgungsunternehmens im rheinischen Swisttal. Auch Hündgen hat schon mehrere solcher Brände hinter sich. „Die Entsorgungsinfrastruktur ist dadurch flächendeckend gefährdet.“ Einiges spricht dafür, dass er nicht übertreibt.Von diesem Mittwoch an gilt deshalb eine Rücknahmepflicht für Einweg-Vapes – elektrische Zigaretten, die über eine batteriebetriebene kleine Heizspirale aromatisierten Dampf erzeugen. Künftig muss jede Verkaufsstelle ausgediente Einweg-Vapes zurücknehmen, damit diese nicht den Weg vieler ihrer Vorgänger gehen: über den gelben Sack oder die gelbe Tonne zu Sammelstellen und schließlich in die Sortieranlage.Die Akkus finden sich auch in Geburtstagskarten, die Liedchen trällern, oder in blinkenden KinderschuhenDort wird der Verpackungsmüll geschreddert, damit sich das Material leichter trennen und recyceln lässt. Werden die kleinen Akkus beim Schreddern beschädigt, entstehen die Brände. Und die Akkus werden mehr. Nach Daten des Umweltbundesamts wurden 2024 insgesamt knapp 18 000 Tonnen Lithium-Ionen-Akkus in den Verkehr gebracht, fast dreimal so viel wie zehn Jahre zuvor. „Durch die Elektrifizierung unserer Gesellschaft landen immer mehr Lithium-Ionen-Akkus im Verpackungsmüll“, sagt Unternehmer Hündgen, dessen Firma rund fünf Prozent des deutschen Verpackungsmülls sortiert. „Die haben dort natürlich nichts zu suchen, aber verhindern lässt sich das kaum.“ Gerade für Mittelständler seien die Brände existenzbedrohend: weil nämlich irgendwann die Versicherungen nicht mehr mitmachen.Die Gefahr sieht auch NRW-Umweltminister Oliver Krischer (Grüne). Im Schnitt brenne es mittlerweile zweimal die Woche in irgendeiner Sortieranlage. „Wir setzen hier das Rückgrat des Recyclings aufs Spiel“, warnt Krischer. Keine Sortierung, keine Wiederverwertung. Schon deshalb gehörten die Einweg-Vapes rasch verboten. Daran arbeitet derzeit auch das Bundesumweltministerium. „Einweg-E-Zigaretten sind hochgefährlich“, sagt Minister Carsten Schneider (SPD). „Für die Gesundheit sowieso, aber auch für die Müllabfuhr.“Doch die E-Vapes sind nur ein Teil des Problems. Lithium-Batterien und Akkus finden sich auch in Geburtstagskarten mit eingebautem Ständchen, Einweg-Zahnbürsten, LED-Teelichtern oder blinkenden Kinderschuhen. Von außen erkennen lässt sich die Gefahr meist nicht, eher selten werden sie korrekt als Elektroschrott entsorgt. Entsorger Hündgen etwa sieht in der Vape-Rücknahmepflicht nur einen ersten Schritt. Letztlich brauche es eine getrennte Sammlung für derlei Abfälle. Oder aber ein Pfand.Das fordern auch Umweltschützer. „Wir brauchen so ein Pfand auf Produkte mit Lithium-Ionen-Akkus und Batterien generell, damit sich etwas ändert“, sagt Esther Laabs, die sich bei der Umweltstiftung WWF mit dem Thema befasst. Schließlich gehe es nicht nur darum, Sortieranlagen vor Bränden zu schützen – sondern auch um die wertvollen Rohstoffe der Batterien. Ums Recycling eben.
E-Zigaretten dürfen nicht in den Hausmüll
Verkaufsstellen müssen die Vapes jetzt zurücknehmen. So sollen Brände vermieden werden.






