Klaus Märtens, der Kunst-Enthusiast mit seiner Galerie Taube und dem alljährlichen Dezembersalon, ist eine Legende. 1973 gründete der 1937 in Pommern geborene, nach der Flucht 1945 im niederrheinischen Viersen aufgewachsene Kunstpädagoge die Galerie Taube in der Pariser Straße, Wilmersdorf.

Vielleicht ist der Name der Galerie angeregt von Picassos Friedensvogel, wahrscheinlicher aber von dem Gemälde „Landschaft mit Tauben“ (Nationalgalerie) des expressionistischen Melancholikers Karl Hofer (1878–1955) , ein beunruhigendes Krieg-und-Frieden-Motiv. Der von den Nazis als „entartet“ stigmatisierte Hofer verarbeitete darin die Berliner Bombennächte 1945, in denen sein Atelier gänzlich ausbrannte. Hofer, Präsident der Hochschule der Künste, streitbarer Realist, in der frühen DDR-Kunst von den Stalinisten aber als „westlicher Formalist“ geächtet, eckte an der West-Berliner Hochschule an, weil er die aus den USA als das Nonplusultra gehypte Abstraktion kategorisch ablehnte. Er verlor sein Amt und starb bald darauf.

Ein Biotop für Unbekannte und fast Vergessene

Von erster Stunde an war Märtens Taube ein ebenso „kategorischer“ Ort für realistische Kunst mit Ausstellungen, liebevoll gemachten Katalogen. Und der Verkauf immer zu erschwinglichen Preisen, aus einem „Biotop“ von wenig bekannten, fast vergessenen Künstlern. Und das, unbeirrt, inmitten der im West-Berlin der Siebziger- und Achtzigerjahre dem Zeitgeist zugetanen Szenen: Abstract Painting, Minimal-Art, Land-Art, Konzeptkunst. Allerdings gab es in seinem klassischen Verständnis auch kaum Berührungspunkte mit damaligen provokanten figürlich malenden Gruppen, den „Kritischen Realisten“, der „Schule der Neuen Prächtigkeit“, um 1980 den „Neuen Wilden“.