Der hessische Arbeitsmarkt ist gezeichnet vom Arbeitsplatzabbau. Im Juni sank die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat zwar leicht um 352 auf 208.320 Personen. Auch die Arbeitslosenquote ging von 5,9 auf 5,8 Prozent zurück. Nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit ist das jedoch ausschließlich saisonal bedingt. Eine Trendwende ist damit weiterhin nicht in Sicht.Deutlich wird das auch daran, dass die Zahl der regulär Beschäftigten, die über lange Zeit stetig gestiegen war, inzwischen weitgehend stagniert. Nach den jüngsten verfügbaren Daten waren im April rund 2,8 Millionen Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Im Vergleich zum Vormonat gab es nur noch einen Anstieg um rund 2600 Personen oder 0,1 Prozent.„Von Belebung weit entfernt“„Von einer Belebung sind wir derzeit weit entfernt“, kommentiert der Chef der hessischen Arbeitsagenturen, Frank Martin, den schwachen Juni. Selbst eine mögliche Entspannung der weltpolitischen Lage werde die wirtschaftliche Situation vieler Unternehmen kurzfristig nicht verbessern, schätzt er. Die Folge sei die Zurückhaltung bei Neueinstellungen und teils anhaltende Stellenabbaupläne. Besonders schwierig bleibe die Lage in der Industrie und bei Leiharbeitsfirmen. Allein im verarbeitenden Gewerbe seien seit 2020 mehr als 50.000 Stellen verloren gegangen. Zuwächse gibt es weiterhin vor allem bei Tätigkeiten im Sozial- und Gesundheitswesen, der öffentlichen Verwaltung sowie bei Finanz- und Versicherungsdienstleistungen.Auch die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände warnt: „Der Industriestandort muss von der Politik in Land und Bund gestärkt werden“, so VhU-Geschäftsführer Dirk Pollert. Das Fundament des Wohlstands gerate ins Wanken, weil von den Industriearbeitsplätzen auch viele Jobs in den Branchen Dienstleistung, Handwerk und Handel abhängig seien. Pollert forderte schnellere Genehmigungen, mehr Flächen für Gewerbe sowie einen raschen Ausbau der Energie- und Verkehrsinfrastruktur.