Wenn Roland Mack erzählen soll, wie die Verbindung zwischen dem Europa-Park Rust und der monegassischen Fürstenfamilie Grimaldi entstanden ist, dann fängt der 76 Jahre alte Firmenchef mit einem Leoparden an. Sein Großvater Heinrich, der sich auf Packwagen für Schausteller spezialisiert hatte, habe regelmäßig mit dem Zirkus-Krone-Chef am Stammsitz in Waldkirch im Schwarzwald gefrühstückt, wenn der Zirkus neue Fahrzeuge brauchte. Und Carl Krone hatte eben ab und an ein Raubtier dabei. Die morgendlichen Treffen mündeten in eine langjährige Geschäftsbeziehung, die dem Enkel viele Jahre später eine besondere Einladung einbrachte.Als langjährige Ausstatter großer Zirkusunternehmen wie Krone, Sarrasani oder Knie berief Prinzessin Stephanie von Monaco Roland Mack 2011 in die Jury des Internationalen Zirkusfestivals von Monte Carlo. „Das Thema Zirkus ist eine Herzensangelegenheit der Fürstenfamilie“, berichtet der Seniorchef der Europa-Park-Gruppe im Gespräch mit der F.A.Z. „Damals bin ich mit Fürst Albert über den Europa-Park ins Gespräch gekommen. Als seine Zwillinge flügge geworden sind, hat er sich erinnert und war mit ihnen bei uns.“Ein Fürst inkognito in der WasserlandschaftGleich dreimal hat das Oberhaupt der Fürstenfamilie Grimaldi mit seinen 2014 geborenen Kindern Gabriella und Jacques seitdem den badischen Freizeitpark besucht. Weitgehend unerkannt ist er mit ihnen Achterbahn gefahren und in der Wasserlandschaft Rulantica geschwommen. Anlässlich dieser Treffen entstand die Idee, dem Fürstentum Monaco im Europa-Park ein eigenes Areal zu geben.Mack und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (links) haben Spaß.dpaNach zwölfmonatigen Bauarbeiten ist aus der Idee Realität geworden. Mit einem Galaabend haben Mack und Albert II. am Montag den monegassischen Themenbereich eröffnet. Neben dem regierenden Fürsten, seiner Frau Charlène und den gemeinsamen Kindern hatten sich zahlreiche prominente Gäste angemeldet, darunter Alberts Schwester Prinzessin Stephanie, weitere Mitglieder der erweiterten Fürstenfamilie, Baden-Württembergs Landwirtschaftsministerin Marion Gentges sowie Jean Laurent Imbert, Botschaftsrat der monegassischen Vertretung in Berlin. Sie alle wollten in Rust sehen, wie gut der Europa-Park das bekannte Hôtel de Paris und das legendäre Casino von Monte Carlo nachempfunden hat.Formal 1 in der Achterbahn„Monaco mit seinem Glamour und Glanz ist ein Sehnsuchtsort“, sagt Parkchef Mack. „Und Themenbereiche, die ein Urlaubsgefühl bei unseren Besuchern hervorrufen, funktionieren.“ Das Herz von Klein-Monaco in Deutschland ist die Achterbahn Silver Star, die der Freizeitpark umgestaltet hat, um die Formel-1-Atmosphäre des Großen Preises von Monaco ins Badische zu holen. In der Eingangshalle der Bahn ist neben einer Auswahl von Rennwagen aus der Sammlung der Fürstenfamilie auch ein Rennanzug des monegassischen Formel-1-Vizeweltmeisters Charles Leclerc zu sehen. „Rennszenen auf großen Bildschirmen bauen Spannung auf, bevor man mit dem Einstieg in die Achterbahn die Geschwindigkeit selbst erlebt“, wirbt Mack. „Die Idee war, die Formel 1 erlebbar zu machen – mit extremen Kurven und Geschwindigkeiten von bis zu 140 Kilometern in der Stunde.“Roland Mack und Bundeskanzler Friedrich Merz im Europa-ParkdpaDoch das Fürstentum will nicht nur als Rennaustragungsort erscheinen. Alberts ausdrücklicher Wunsch war es, in die Themenlandschaft auch das Thema Meeresschutz zu integrieren. Dazu hat der Europa-Park ein virtuelles Aquarium geschaffen, das auf Erfahrungen des 1910 von der Familie Grimaldi gegründeten Ozeanischen Instituts basiert. Wie in Monaco sollen Kinder Schildkröten und Quallen beobachten und virtuelle Tauchgänge simulieren, um so mehr über den Ozean als größtes zusammenhängendes Ökosystem der Welt zu erfahren. „Ich freue mich über die Partnerschaft zwischen dem Fürstentum und dem Vergnügungspark, wodurch Millionen von Besuchern mehr über Monaco erfahren“, sagt Albert II. über den monegassischen Themenbereich. Für dessen Einrichtung zahlt das Fürstentum nichts. Es hat aber Mitarbeiter für die Planung und Umsetzung abgestellt.Baugefühl und Besuchergespräche als ErfolgsfaktorKlein-Monaco ist neben Ländern wie Frankreich, Italien, Spanien, Portugal oder der Schweiz die 18. Themenlandschaft im Europa-Park Rust. Gegründet hat Roland Mack den Park vor mehr als 50 Jahren gemeinsam mit seinem Vater – und seitdem ist er auch immer alle Fahrgeschäfte selbst gefahren. Der Badener ist fest davon überzeugt, dass ein Freizeitparkunternehmer ganz nah an den Fahrgeschäften und den Besuchern dran sein muss. „Ich hätte das gerne mal in einem Lehrbuch nachgelesen, wie hoch die Innovationsgeschwindigkeit sein muss, damit die Menschen wieder kommen“, sagte Mack vor einiger Zeit. „Das Buch gibt es aber nicht, es bleiben das Bauchgefühl und die Gespräche mit den Besuchern.“Roland Mack (links) mit Fürst Albert bei der Eröffnung des Themenbereichs Monaco am Montag.dpaZur Europa-Park-Gruppe gehören neben Hotels und einem Aqua-Park weiterhin das Karussellbauunternehmen Mack Rides und seit einigen Jahren das Animationsstudio Mack Animation, das viele der in den neuen Fahrgeschäften verwendeten Videos und Virtual-Reality-Anwendungen produziert. „Insgesamt kommt die Europa-Park-Gruppe bei einer guten Rendite auf einen Umsatz im mittleren dreistelligen Millionenbereich“, sagt Mack. Die Unternehmensgruppe weist ihre Zahlen nicht konsolidiert aus.Laut Bundesanzeiger erwirtschafteten aber allein der Freizeitpark und die Hotelbetriebe ohne die anderen Tochtergesellschaften im Rumpfgeschäftsjahr von April bis Dezember 2023 bei einem Umsatz von 487 Millionen Euro einen Nettogewinn von rund 29 Millionen Euro. Eine Hälfte des Gesamtumsatzes, den rund 5000 Mitarbeiter erwirtschaften, kommt aus dem Park, der Rest aus dem Karussellbau und den übrigen Aktivitäten.Vorbild USA: Parkidee nach einer AmerikareiseOffiziell ist Roland Mack einer von fünf geschäftsführenden Gesellschaftern des Parks neben seinem Bruder Jürgen und seinen Kindern Michael, Thomas und Ann-Kathrin. Die operative Führung hat er in den vergangenen Jahren nach und nach abgegeben. In die wichtigen Entscheidungen ist er aber weiterhin eingebunden – und dass der Unternehmer sich wirklich einmal zur Ruhe setzen wird, daran glauben seine Familie sowie Weggefährten und Freunde schon lange nicht mehr. Es gebe für ihn nichts Schöneres, als etwas anzupacken, zu Ende zu bringen und erfolgreich am Markt zu platzieren. „Das sind Glücksgefühle, die mich jung gehalten haben“, sagt Mack. Spricht man mit seinen Mitarbeitern, dann erzählen sie, dass er sehr oft im Park unterwegs ist, mit Besuchern spricht, selbst mal Müll aufhebt und mit den Karussellen fährt.Die Historie des Unternehmens Mack reicht weit zurück. 1780 gründete Paul Mack im badischen Waldkirch im Breisgau einen Wagnerbetrieb. Anfang des 20. Jahrhunderts baute Roland Macks Großvater Heinrich vor allem Wagen für Schausteller, aber auch erste transportable Karusselle; ein Geschäft, das Roland Macks Vater Franz ausbaute. Erster großer Verkaufserfolg wurde 1957 die Achterbahn Die Wilde Maus.Die Achterbahn Euro-Mir in RustAFPNach einer Rundreise durch die USA entstand bei Roland Mack und seinem Vater Anfang der Siebzigerjahre die Idee eines eigenen Freizeitparks. Nicht zuletzt auch deswegen, um Kunden vor Ort die Fahrgeschäfte aufgebaut und in Aktion vorführen zu können. Der Europa-Park öffnet 1975, in den ersten Jahren steigt die Besucherzahl auf rund 600.000 Besucher. Heute besuchen mehr als sieben Millionen Menschen jährlich die Spaßattraktion im Südwesten.Gastgeber für Miss Germany und den BundeskanzlerLängst ist der Europa-Park mehr als nur ein Freizeitpark. Neben den eigentlichen Besuchern aus Deutschland und Europa trifft sich regelmäßig Prominenz aus Sport und Gesellschaft, aus Politik und Wirtschaft in Rust. So ist der Park immer wieder Gastgeber für den Deutschen Hotelkongress, die Miss-Germany-Wahlen und Treffen des internationalen Verbands der Freizeitpark-Betreiber. 2021 lud Baden-Württembergs damaliger Innenminister Thomas Strobl (CDU) seine Länderkollegen zur Innenministerkonferenz in den Europa-Park ein. Vier Jahre später besuchte Bundeskanzler Friedrich Merz das erste Mal Rust, als er anlässlich des Deutschlandtags der Jungen Union im Europa-Park zu Gast war.Parallel zum Treffen der Nachwuchsorganisation von CDU/CSU im November 2025 initiierte Roland Mack das erste Wolfgang-Schäuble-Demokratie-Forum, das künftig alle zwei Jahre im Europa-Park stattfinden soll. Ziel der Initiative ist es, Jugendlichen die Werte und die Bedeutung demokratischer Teilhabe näherzubringen. Der Unternehmer versteht sich als Netzwerker. „Ich bin nicht nur Maschinenbauingenieur, sondern auch ein politischer Mensch“, sagt Mack. Dass er dabei auch Lobbyarbeit für sich macht, ist für ihn selbstverständlich. „Die Politik spielt mir ja auch viel in die Karten, sei es bei der Mehrwertsteuer oder bei den Arbeitszeitregeln.“Wenn im Europa-Park prominente Gäste wie Komödiant Mario Barth, Schlagersängerin Andrea Berg und Fußballberater Jürgen Klopp oder eben ranghohe Politiker unterwegs sind, sind darüber auch die Mitarbeiter informiert. An schwarzen Brettern hängen Bilder und Steckbriefe der bekannten Gäste, damit alle Beschäftigten die Prominenz im Restaurant und an der Achterbahn auch erkennen.„Die Politiker kommen, weil sie auch Familienväter sind, die Kinder haben“, sagt Roland Mack. „Wir sind gute Gastgeber, aber eben nicht nur den Politikern gegenüber, sondern zu jedem, der kommt.“ Das gilt auch für die Grimaldis. Und so hingen am Montag im Mitarbeiteraufenthaltsraum des Erlebnishotels Hotel Colosseo offenbar auch Bilder der monegassischen Fürstenfamilie.
Europa-Park Rust: Roland Mack holt Monaco nach Deutschland
Europa-Park-Chef Roland Mack holt Monaco nach Baden. Mit Fürst Albert hat er in Rust ein eigenes Themenareal eröffnet. Ein Beispiel, wie Deutschlands größter Freizeitpark Spaß, Promis und Politik zusammenbringt – und davon profitiert.







