Das letzte Grundstück im Mainzer Zollhafen ist vergeben: Direkt am Fluss will man einen Wohlfühlort mit Aussicht schaffen, der künftig auch Erfrischungsstation und anregende Begegnungsstätte sein soll. Wobei das gut 500 Quadratmeter große Baufeld „Rheinterrasse“ am Ende des inzwischen fast vollständig umgestalteten Zollhafen-Areals genau gesehen schon zum angrenzenden Industriegebiet an der Gaßnerallee gehört. Viel Platz für Gastronomie, noch dazu direkt am Rheinufer, gibt es auf dem inklusive Wasserbecken rund 30 Hektar großen ehemaligen Zollhafen-Areal nicht.Schon gar nicht für ein Großprojekt mit Rooftop-Bar nebst Biergarten, Kiosk mit Eislädchen, Restaurant und Event-Location für private Feiern – wie jetzt an der Nordmole geplant. Weshalb am Montag nicht nur Baudezernent Ludwig Holle (CDU), sondern auch der parteilose Oberbürgermeister Nino Haase und der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Michael Ebling (SPD) an der Hafenbahn vorbeischauten, um den Investoren und künftigen Betreibern des neuen Lokals zu ihrer exzellenten Standortauswahl zu gratulieren.Ebendort, wo jahrzehntelang Currywürste über den Tresen des Mainzer Kultimbisses „Zum Schorsch“ gegangen sind und später die „Planke Nord“ viele Gäste anzulocken vermochte, soll es von Anfang 2028 an wieder ein gastronomisches Angebot geben. Es richtet sich nicht nur an Neubürger und die Beschäftigten des seit 2009 umgewandelten Zollhafen-Quartiers; sondern ebenso an Bewohner der Neustadt, die laut Haase am Ufer jenseits der klappbaren Hafenbrücke künftig „ein grünes Wohnzimmer“ finden werden. Dabei stehe der neue Ausflugsort allen Gästen aus Mainz, Wiesbaden und der Rhein-Main-Region offen, die das Restaurant besuchen möchten, um etwa eine Hochzeit oder einen runden Geburtstag zu feiern. Oder nur entspannt den Blick von der Dachterrassen-Bar über den nahen Strom genießen wollen.Zwischen hochpreisigen Wohnungen und IndustriegebietAll das und einiges mehr – wie einen Kiosk mit Eislädchen für vorbei radelnde Rheintouristen und einen Biergarten mit „typisch Meenzer Speise- und Getränkekarte“ – versprechen die „Nordmole“-Macher. Es handelt sich um den Gastronomen Jan Willem Appeltrath, der in der Innenstadt das „Altstadtcafé“, das „Willems“ und das „Aller guten Dinge“ betreibt, und seinen Geschäftspartner Nils Rauer. Beide möchten schnellstmöglich mit dem Bau des vom Architektenbüro Formaat entworfenen zweigeschossigen Hauses beginnen. Dass ihr Lokal neben einem Pumpwerk, im Schatten der Kaiserbrücke und in Sichtweite der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden stehen wird, gehört zum besonderen Charme der Lage zwischen einem in Teilen hochpreisigen Wohnviertel und dem sich daran anschließenden Industriegebiet auf der Ingelheimer Aue.Von einem „Schlussstein“ der Zollhafenentwicklung, die der Stadt insgesamt 1400 neue Wohnungen und bis zu 4000 zusätzliche Arbeitsplätze bescheren dürfte, sprach Baudezernent Holle. Dabei wollen die „Schorsch“-Nachfolger ihre Kunden einerseits durch „klares Design, nachhaltiges Bauen und klimabewusste Gestaltung“ sowie mit regionaler Verbundenheit und kulinarischer Raffinesse überzeugen.Während man auf der Nordseite des Hafens aktuell in Sektlaune ist, macht sich rund um die südlich davon gelegene Kunsthalle Mainz, also im einstigen Kesselhaus, derzeit eher Katerstimmung breit. Nach bald zwei Jahrzehnten droht dem Ausstellungsort, an dem seit 2008 vor allem zeitgenössische Werke präsentiert wurden, im schlimmsten Fall die Schließung. Auf alle Fälle aber steht eine grundlegende Umstrukturierung des bis dato vor allem von der Stadtwerke Mainz AG finanzierten Kulturbetriebs bevor.Zumindest ein Jahr lang soll es in den denkmalgeschützten Räumen des ehemaligen Energiezentrums, wie gehabt, weitergehen. Bis zum Spätsommer 2027 seien schließlich noch mehrere Ausstellungen geplant, hieß es. Auch wenn derzeit offen sei, wer die künstlerische Leitung nach dem Abgang der bisherigen Direktorin Stefanie Böttcher übernehmen solle. Mit dieser „Zwischenlösung“ hat sich der Vorstand der Stiftung Kunsthalle am Montag an die wegen eines fehlenden Zukunftskonzepts seit Wochen besorgte Mainzer Öffentlichkeit gewandt. Stadt, Land und Stadtwerke haben sich nach Angaben der Stiftung darauf verständigt, die Frage nach der Zukunft der Kultureinrichtung, für die zuletzt Beträge von bis zu 800.000 Euro jährlich notwendig waren, mit möglichst wenig Zeitdruck zu besprechen.In Schieflage: Bis Mitte 2027 kann der Betrieb zwar noch weiterlaufen, aber es ist höchste Zeit, über die Zukunft der Kunsthalle Mainz zu sprechen.dpa„Nach 18 Jahren des Engagements für die Kunsthalle – und zwar in einer Größenordnung von deutlich mehr als zehn Millionen Euro – sehen wir uns künftig nicht mehr in einer federführenden Rolle“, sagte Daniel Gahr als Vorstandsvorsitzender der Mainzer Stadtwerke AG, der auch Mitglied des Stiftungsvorstandes der Kunsthalle ist. Falls sich ein anderes Trägermodell fände, würden sich die Stadtwerke nicht verschließen, das denkmalgeschützte, einzigartige Gebäude weiterhin für eine kulturelle Nutzung zur Verfügung zu stellen, so Gahr. Zum Thema Miete sagte er jedoch nichts.Unstrittig ist, dass die Stadtwerke die 2006 aufwendig umgebaute und um einen leicht geneigten grünlich glänzenden Aussichtsturm ergänzte Kunsthalle von Anfang an als Leuchtturmprojekt verstanden wissen wollten, mit dem nicht zuletzt für die seinerzeit beginnende Umwandlung des Mainzer Zollhafens in ein neues Stadtviertel geworben werden sollte. Inzwischen steht das Quartiersprojekt „Wohnen am Wasser“ allerdings kurz vor dem Abschluss, sodass künftig nicht mehr dafür geworben werden muss.
Zollhafen in Mainz fast fertig: Neues Lokal auf Nordmole
Eine offene Baustelle gibt es noch: Denn es ist unklar, wie es mit der Kunsthalle weitergehen soll. Ansonsten läuft im Mainzer Zollhafen aber alles nach Plan.







