Ein Kraftpaket von einem Mann, 1,87 Meter groß und 83 Kilo schwer. Rasmus Kristensen in Jubelpose und purer Fußball-Ekstase: Seine muskulösen Oberschenkel stechen hervor, fast ist der Däne breitbeinig in die Knie gegangen. Kristensen hat seine Arme ausgestreckt. Sein Blick ist starr, der Mund weit aufgerissen. Im Mai 2025 schrie der Rechtsverteidiger in Freiburg seine Freude über den Treffer zum 2:1 heraus, mit dem er seinen Anteil am Champions-League-Einzug der Eintracht am letzten Spieltag hatte.Dank seiner Robustheit und seines Durchsetzungsvermögens war Kristensen wieder zur Stelle, als der Druck, das Kräftemessen mit dem SC gewinnen zu müssen, groß war. Kämpfer und Krieger nennen sie ihn am Main mit Respekt. Seine Energie und Willensstärke machten ihn zu einem Anführer auch abseits des Platzes. Kristensen lebte Leidenschaft vor und liebt das kompromisslose Spiel auf dem Platz. Für ihn gibt es in direkten Duellen kaum ein Zurückstecken, seine Power ließ ihn zum Publikumsliebling werden. Nun wird die Eintracht mit ihm eine Identifikationsfigur verlieren.Der Achtundzwanzigjährige wechselt in seine Heimat zum FC Midtjylland, das verkündete der Klub am Dienstag. Von den Dänen werden die Hessen wohl rund sechs Millionen Euro Ablöse für ihren Vorkämpfer erhalten, der sich der Eintracht im Sommer 2024 zunächst auf Leihbasis von Leeds United angeschlossen hatte. Und der, nachdem er ein Jahr später fest verpflichtet worden war, noch einen Vertrag bis zum 1. Juli 2029 besaß. Es war die Absicht Kristensens, Frankfurt zu verlassen. Auch der neue, alte Trainer Adi Hütter hätte gerne mit dem Mentalitätsspieler zusammengearbeitet. Er würde eine wichtige Rolle spielen, signalisierte ihm der Rückkehrer. Die Wertschätzung von Sportvorstand Markus Krösche hatte Kristensen ebenfalls.„Sportlich und privat hatte ich hier eine großartige Zeit“Plagten den Dänen, der dem Mannschaftsrat angehörte, keine Verletzungen, war er Stammspieler. In seinen 71 Pflichtspieleinsätzen kam Kristensen auf neun Tore und vier Vorlagen. Seine insgesamt 13 Gelben Karten sind Ausdruck seiner Zweikampfhärte. Der Vorzeigeprofi machte nie einen Hehl daraus, sich in Frankfurt wohlzufühlen. Doch jetzt zieht es ihn aus persönlichen Gründen in seine vertraute Umgebung. Bei seinem Jugendklub in Midtjylland startete der 34-malige Nationalspieler einst seine Karriere. Es folgten Stationen bei Ajax Amsterdam, RB Salzburg und AS Rom.Kristensen sei „mit dem Wunsch an uns herangetreten, in seine Heimat zurückzukehren. Er ist nicht nur ein sehr guter Fußballer, sondern auch ein Familienmensch, dem die Nähe zu seinen Angehörigen sehr wichtig ist. Auch wenn wir ihn nur ungern ziehen lassen, wollen wir seinem Wunsch keine Steine in den Weg legen und haben dem Wechsel zugestimmt, nachdem wir uns mit dem FC Midtjylland geeinigt haben“, ließ sich Markus Krösche in einer Pressemitteilung der Eintracht am Dienstag zitieren.Kristensen wiederum kehrt seinem Arbeitgeber mit Wehmut den Rücken. „Sportlich und privat hatte ich hier eine großartige Zeit, die ich nicht vergessen werde. Ich verlasse die Eintracht mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Dieser Verein ist mir ans Herz gewachsen, gleichzeitig möchte ich wieder in unmittelbarer Nähe zu meiner Familie leben und dort meine Karriere fortsetzen“ – so lauteten Kristensens Abschiedsworte in dem Klubstatement. Anders als die Eintracht wird er in der neuen Saison international spielen: Midtjylland, der Meisterschaftszweite und Pokalsieger, trifft in der zweiten Qualifikationsrunde zur Europa League im Juli auf Beşiktaş Istanbul. Dann mit Kristensen, der der Rekordtransfer der Dänen ist.Angriffstalent aus DänemarkIm Gegenzug wird die Frankfurter Eintracht für den dänischen Juniorennationalspieler Malik Pimpong sportlich zur neuen Heimat. Insofern dürften die jeweils fälligen Ablösesummen miteinander verrechnet werden; die des 18 Jahre alten Mittelstürmers Pimpong, der einen Vertrag bis zum 1. Juli 2031 erhalten hat und der zudem auf der linken Außenbahn eingesetzt werden kann, wird auf rund dreieinhalb bis vier Millionen Euro taxiert. Der 1,90 Meter große Offensivspieler, der die gleiche Berateragentur wie Kristensen hat, machte in den beiden zurückliegenden Spielzeiten in der U19 mit 30 Toren in 46 Begegnungen auf sich aufmerksam. Bei den Profis hingegen durfte Pimpong nicht ran, er stand aber zweimal im Spieltagskader der Profis in der Europa League. Pimpong gilt er als eines der größten Angriffstalente in Dänemark. „Er bringt als junger Spieler viel Talent und Perspektive mit“, sagte Sportdirektor Timmo Hardung: „Wir wollen ihn behutsam an das Niveau heranführen, seine Entwicklung gezielt fördern und ihm gleichzeitig Stabilität geben.“Neben Kristensen könnte es auch Innenverteidiger Aurèle Amenda aus Frankfurt wegziehen. Die bevorzugte neue Arbeitsadresse des Schweizer Nationalspielers ist augenscheinlich Coventry City, das von der britischen Legende Frank Lampard trainiert wird. Die Verhandlungen zwischen beiden Klubs sollen weit fortgeschritten sein. Ein Abgangskandidat ist außerdem der Belgier Arthur Theate, der eingedenk seiner hohen Ansprüche auf eine für ihn enttäuschende Spielzeit 2025/26 zurückblickt.Beschlossene Sache ist schon der Weggang von Nationalspieler Nathaniel Brown zu Bayern München; der Transfer, der finanziell eine Dimension von bis zu 55 Millionen Euro hat, muss von beiden Klubs nur noch offiziell bestätigt werden. Bleibt Kapitän und Abwehrchef Robin Koch. Wegen der vielen Personalveränderungen könnte der Neunundzwanzigjährige demnächst eine komplett neue Verteidigung anleiten. Auf den ehemaligen Nationalspieler kommt in diesem Fall ein organisatorischer Kraftakt zu.