Tycoon hinter Gittern: Der einst schillerndste Milliardär Chinas muss für 30 Jahre ins GefängnisIm Jahr 2015 setzte sich Guo Wengui in die USA ab – und wollte von dort aus angeblich die KP Chinas stürzen. Jetzt verurteilte ihn ein New Yorker Gericht zu einer langen Haftstrafe.30.06.2026, 11.57 Uhr3 LeseminutenDer selbst erklärte Demokratieaktivist und frühere Geschäftsmann Guo Wengui soll gutgläubigen Anlegern über eine Online-Plattform mehr als eine Milliarde Dollar entlockt haben. Im Bild eine Zeichnung aus dem Gerichtssaal.Elizabeth Williams / APAm Montag verurteilte ein New Yorker Gericht den selbst erklärten Demokratieaktivisten und früheren chinesischen Geschäftsmann Guo Wengui zu einer Gefängnisstrafe von 30 Jahren. Vor knapp zwei Jahren hatte ihn das Gericht des Anlagebetrugs für schuldig befunden.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Über eine Online-Plattform soll Guo gutgläubigen Anlegern mehr als eine Milliarde Dollar entlockt haben. Doch statt das Geld zu investieren und die Erträge für gute Zwecke einzusetzen, finanzierte der Tycoon damit seinen aufwendigen Lebensstil. So kaufte Guo, der sich auch Miles Kwok nennt, unter anderem eine Luxusjacht und ein Apartment an der New Yorker Fifth Avenue.Um potenzielle Kunden für sich einzunehmen, gerierte sich Guo als Aktivist, der die Kommunistische Partei stürzen und China die Demokratie bringen wolle. Viele Menschen glaubten ihm und glauben ihm offenbar noch immer. Bei der Urteilsverkündung am Montag war der Gerichtssaal bis auf den letzten Platz gefüllt, vor allem mit Guos Fans. Sie jubelten dem 56-jährigen Chinesen zu.Apartment mit Blick auf den Central ParkDie vorsitzende Richterin meinte dagegen, Guo habe seinen Opfern «grossen finanziellen und emotionalen Schaden» zugefügt. Statt mit dem Kapital seiner Kunden auf einen demokratischen Wandel in China hinzuarbeiten, habe er damit seinen «extravaganten Lebensstil» finanziert.Guos kritische Haltung gegenüber der chinesischen Führung brachte ihm die Sympathien einiger hochrangiger amerikanischer Politiker ein. So war etwa Steve Bannon einer seiner Vertrauten. Bannon hatte Donald Trump während dessen erster Amtszeit als US-Präsident als Berater gedient. Im Jahr 2020 wurde er an Bord von Guos Jacht wegen Betrugs festgenommen. Trump begnadigte Bannon später.Als die Anti-Korruptions-Kampagne von Staats- und Parteichef Xi Jinping im Jahr 2015 richtig Fahrt aufnahm, setzte sich Guo Wengui nach New York ab. Kurz zuvor war ein hochrangiger Politiker und einer seiner engsten Vertrauten festgenommen worden. In New York angekommen, kaufte der Tycoon als erstes ein Penthouse mit Blick auf den Central Park.Vom ersten Tag an erklärte Guo Wengui öffentlich, er werde sich von den USA aus für einen demokratischen Wandel in China einsetzen und nichts unversucht lassen, um die Kommunistische Partei zu Fall zu bringen. Über Herrschaftswissen muss der Geschäftsmann verfügt haben, denn er pflegte enge Kontakte in die chinesische Führungsspitze.Zu seinen Vertrauten gehörten unter anderem die Brüder Lin Qiang und Lin Di. Die Ur-Ur-Urenkel von Lin Zexu bekleideten wichtige Positionen im chinesischen Sicherheitsapparat. Lin Zexu war während der Qing-Dynastie ein hoher Beamter und kämpfte gegen die Verbreitung von Opium durch die Briten.In China drehte Guo ein grosses RadNachfahren von derart verdienten Beamten geniessen in China eigentlich einen besonderen Schutz. Doch nicht so unter Xi Jinping. Kurz vor Guos Flucht ins amerikanische Exil nahmen die chinesischen Behörden Ermittlungen gegen die Lin-Brüder und Guo Wengui selbst auf.Zu seinen guten Zeiten drehte Guo in China ein ganz grosses Rad. Kurz vor Beginn der Olympischen Sommerspiele 2008 eröffnete der Tycoon im Norden Pekings das Pangu Plaza. Der mondäne Bau mit Blick auf das Olympiastadion bestand aus einem Komplex mit Luxusapartments und einem Hotel – dem ersten Sieben-Sterne-Hotel der Welt, wie Guo Besuchern zu erklären pflegte.Mit der Wahrheit nahm es der umtriebige Geschäftsmann schon damals nicht so genau. Um den Verkauf der Wohnungen in Fahrt zu bringen, verbreitete Guo Geschichten, nach denen unter anderem der Microsoft-Gründer Bill Gates und die Schauspielerin Angela Jolie Apartments im Pangu Plaza gekauft hätten. Beide stritten die Behauptungen später ab.Hilfe aus HongkongEin kommerzieller Erfolg wurde der Luxuskomplex nie. Weder die Wohnungen verkauften sich noch verdiente der Tycoon mit dem Hotel viel Geld. Kurz nach Ende der Olympischen Sommerspiele 2008 lud Guo den Autor dieser Zeilen zum Essen in das Restaurant des angeblichen Sieben-Sterne-Hotels. In dem etwas überdimensionierten Gourmettempel sassen zu der Zeit genau zwei Gäste: Guo Wengui und der Reporter.Viel besser wurde es danach nicht mehr: Kurz nach Ende der Olympischen Sommerspiele musste ein Hongkonger Hedgefonds dem Geschäftsmann mit einem niedrigen dreistelligen Millionen-Dollar-Betrag aushelfen – Guo Wengui musste Kredite bedienen.Passend zum Artikel
Demokratieaktivist oder Betrüger? Guo Wengui muss ins Gefängnis
Im Jahr 2015 setzte sich Guo Wengui in die USA ab – und wollte von dort aus angeblich die KP Chinas stürzen. Jetzt verurteilte ihn ein New Yorker Gericht zu einer langen Haftstrafe.










