PfadnavigationHomePanoramaÖsterreichStreit um Schokoladen-Namen – Traditionsbäckerei wehrt sich gegen AktivistenStand: 07:34 UhrLesedauer: 4 MinutenUm die bei Kunden beliebte Nussschokolade gibt es seit Monaten ÄrgerQuelle: picture alliance/Zoonar/Jiri HERAEine Konditorei im österreichischen Klagenfurt verkauft seit Jahrzehnten „Negerbrot-Schokolade“ – und weigert sich, den Namen zu ändern. Nun gerät das Geschäft ins Visier von Vandalen.Die Konditorei Zehrer im österreichischen Klagenfurt ist eine Institution. Bereits seit 1763 bietet der Traditionsbetrieb unter anderem Pralinen, Marzipankugeln, Torten und Schokolade an. Um eine Spezialität ist jedoch seit geraumer Zeit ein erbitterter Streit entbrannt: die bei Kunden beliebte „Negerbrot-Schokolade“.Die Konditorei sieht sich inzwischen nicht nur mit Anfeindungen, sondern auch mit Vandalismus konfrontiert. Aus Protest gegen die Nussschokolade haben Aktivisten die Fassade am Alten Platz beschmiert und mit Parolen versehen. Die Konditorei will sich von den Vandalen jedoch nicht einschüchtern lassen – und kontert auf ihre eigene Art.Der Streit beginnt bereits im vergangenen Dezember. Viele Jahre störte sich in der Stadt am Wörthersee niemand an dem Namen der Nascherei. Das änderte sich, als die Bezeichnung in den sozialen Medien die Runde machte. Viele störten sich daran. Der Tenor: Der Begriff sei rassistisch, aus der Kolonialzeit belastet und werde von vielen Menschen als verletzend empfunden. Lesen Sie auchGegenüber der „Kleinen Zeitung“ erklärte die Konditorei Zehrer damals, dass die Schokolade intern bereits länger nur noch „Erdnussbrot“ genannt werde. Offiziell umbenennen wollte die Konditorei ihren Bestseller jedoch nicht. „Ganze Generationen kennen es als Negerbrot und verbinden damit Kindheitserinnerungen. Das ist nicht abwertend gemeint“, so ein Mitarbeiter. Es ergebe keinen Sinn, zu sagen, man habe die Schokolade nicht, wenn von älteren Kunden explizit danach gefragt werde. Der Mitarbeiter versicherte, das Wort sei nicht abwertend gemeint, und er gehe davon aus, dass die Bezeichnung ohnehin bald verschwinde, da nachkommende Generationen das umstrittene Wort kaum noch verwenden. Dass bei Zehrer weiterhin die Schokolade unter dem bekannten Namen verkauft, wollen Aktivisten des „Widerstandskollektiv Klagenfurt/Celovec“ nicht akzeptieren. In der Nacht auf Freitag haben sie die Schaufenster der Konditorei mit pinker Kreide beschmiert und Protestplakate angebracht, wie unter anderem die News-Portale „Mein Klagenfurt“ und „Heute“ berichten.Das selbsternannte Widerstandskollektiv postete Aufnahmen der Aktion auf seiner Instagram-Seite. „Die Aktion richtete sich gegen den Verkauf der, unter dem rassistischen N-Wort bekannten, Schokolade“, schreibt die Gruppe. Auf den Postern sind Sprüche wie „Habt ihr den Schuss nicht gehört?!“, „Kindheitserinnerungen rechtfertigen keinen Rassismus“ und „Wir müssen nicht erklären, warum das N-Wort rassistisch ist!“ zu lesen. „Unsere Botschaft ist klar: Rassismus hat keinen Platz in Klagenfurt.“Lesen Sie auchIn einer Erklärung teilte das Kollektiv mit, man habe die Konditorei bereits Ende vergangenen Jahres auf die aus seiner Sicht problematische Produktbezeichnung hingewiesen. Eine Umbenennung sei jedoch abgelehnt worden. Mit der Protestaktion habe man ein Zeichen gegen Rassismus setzen wollen.Lesen Sie auchMit der nächtlichen Schmieraktion hat die Auseinandersetzung nun eine strafrechtliche Dimension erreicht. Die Betreiber der Konditorei reagierten mit einer Anzeige. Nach Angaben des Unternehmens existieren Aufnahmen von Überwachungskameras, die den Vorfall dokumentieren. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen.Scharfe Kritik kam auch aus der Kommunalpolitik. Klagenfurts Vizebürgermeister Patrick Jonke (Freie Soziale Bürgerpartei) sprach von einem „gezielten Angriff“ auf einen traditionsreichen Familienbetrieb und forderte eine rasche Identifizierung der Täter. Politisch motivierter Vandalismus dürfe nicht toleriert werden, erklärte der Kommunalpolitiker.Der Konditorei-Chef spricht gegenüber der „Kleinen Zeitung“ von Feigheit: „Sie waren vermummt und in der Nacht unterwegs und haben nicht den Mut, ihre Meinung offen zu äußern“.Konditorei will sich „nicht einer linken Minderheit“ beugenKeine 24 Stunden nach dem Vorfall legte der Konditorei-Chef auch im Webshop nach: Dort können die Kunden nun für den Preis von 39,80 Euro eine neue Variante der strittigen Nascherei erwerben: „Negerbrot Linksextreme Edition Zartbitter“. Dazu heißt es im Shop: „Das Sonderdesign anlässlich der feigen Schmieraktion, wenn man sich nicht einer linken Minderheit beugt.“Die Konditorei zeigt dazu auch die Fotos von den nächtlichen Schmierereien. „Wir verpacken die Tafel bestmöglich, dennoch kann beim Versand immer ein Bruch passieren, da es relativ dünn ist und durch die Erdnüsse naturgemäß auch bruchgefährdet ist“, heißt es zu der 550-Gramm-Tafel.saha