PfadnavigationHomeRegionalesHamburgFast 40 Grad im Norden – Umweltminister fordert KurswechselStand: 06:03 UhrLesedauer: 3 Minuten«Immer wieder erliegt diese Bundesregierung ihrem fossilen Reflex», kritisierte Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne). (Archivbild) Quelle: Markus Scholz/dpaNach dem Temperaturrekord in Schleswig-Holstein mahnt Tobias Goldschmidt: «Der Klimawandel ist der Elefant im Raum» – und fordert mehr Verantwortung vom Bund.Nach der Hitzewoche mit Temperaturen nahe 40 Grad fordert Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt nicht zur Tagesordnung zurückzukehren. «Die bitte Wahrheit ist: Auf absehbare Zeit werden Deutschland und Europa sich weiter erhitzen», sagte der Grünen-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Wie dramatisch die Entwicklung wird, hänge allein vom Tempo beim Klimaschutz und der Anpassung an die Folgen der Erderwärmung ab.Kein Kontinent erwärmt sich schneller als Europa - doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt.«Alle reden über die Hitzefolgen, aber der Klimawandel ist der Elefant im Raum», betonte Goldschmidt. «Dabei ist es so offensichtlich wie nie: Es ist der Klimawandel, der jedes Jahr neue Temperaturrekorde verursacht. Es ist der Klimawandel, der Meere und Seen erwärmt bis sie kippen, der ausgetrocknete Wälder entzündet, der Städte und Räume erhitzt, bis alte Menschen kollabieren.»Die Folgen seien unübersehbar: mehr Waldbrände, Schäden an Straßen und Schienen, Hitzetote und ein deutlicher Anstieg von Badeunfällen. «Rettungskräfte waren in Schleswig-Holstein in einer Nacht mit über 300 Einsätzen im Dauereinsatz», erklärte der Umweltminister. Die WHO meldete mehr als 1.300 zusätzliche Todesfälle in einer Woche in Europa. «Nach einer beispiellosen Hitzewoche stieg am Samstag das Thermometer im Kreis Herzogtum-Lauenburg auf fast 40 Grad - so heiß wie noch nie im Juni», führte er aus.Forderung des MinistersFür Goldschmidt wirkt es angesichts der sichtbaren Folgen «zynisch», dass die Bundesregierung erwägt, Kohlekraftwerke aus der Reserve zu holen. «Immer wieder erliegt diese Bundesregierung ihrem fossilen Reflex», kritisierte der Minister. Stattdessen könnten Milliarden in erneuerbare Energien fließen.Neben dem Klimaschutz müsse sich das Land auch an steigende Temperaturen anpassen. «Schleswig-Holstein baut bereits an Klimadeichen, mit dem neuen Landeswassergesetz halten wir mehr Wasser in der Landschaft, und wir legen im Sommer eine neue Klimaanpassungsstrategie vor», so Goldschmidt. Doch die Bundesregierung entziehe sich der Verantwortung und verlange von den Ländern, die Hitzeanpassung umzusetzen, die der Bund gestrichen hat.«Ich fordere die Bundesregierung auf, die im Koalitionsvertrag in Aussicht gestellte Gemeinschaftsaufgabe für Klimaanpassung endlich auf den Weg zu bringen», sagte der Umweltminister. Zudem müsse der Bund alle Projekte, die er mit Mitteln des Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaschutz finanziert, darauf prüfen, ob sie die Klimaziele und die Anpassung an den Klimawandel fördern.«Das Geld für das Sondervermögen haben wir uns von künftigen Generationen geliehen», betonte Goldschmidt. «Es wäre zynisch und falsch, ihnen damit die Zukunft zu verbauen.»Temperaturrekord im NordenIn Schleswig-Holstein war am Samstag der bisherige Rekord für die höchste bislang gemessene Temperatur im Norden geknackt worden. An der Station Grambek im Kreis Herzogtum Lauenburg sei eine Temperatur von 39,2 Grad Celsius gemessen worden, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) auf Basis vorläufiger Daten mit.Der neue Rekordwert war abzusehen: Seit Tagen schwitzen weite Teile Deutschlands in einer Hitzewelle mit Temperaturen bis um die 40 Grad. Die Temperatur sinkt vielerorts auch nachts nicht unter 20 Grad. Der Deutsche Wetterdienst spricht ab dieser Grenze von tropischen Nächten.Heftige Hitze wie in diesen Tagen ist im Zuge der Klimakrise hierzulande häufiger geworden - und dürfte noch weiter zunehmen. Zahlen des Deutschen Wetterdienstes belegen, dass die durchschnittliche Zahl der Tage mit Temperaturen über 30 Grad in Deutschland zugenommen hat.dpa-infocom GmbH