Eine Schliessung des Louvre zwecks Generalsanierung kommt nicht infrageNach dem grossen Einbruchdiebstahl legt der neue Direktor Pläne für die Zukunft des Louvre vor.Peter Kropmanns, Paris30.06.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenDas weltweit berühmteste Museum und der Stolz Frankreichs: der Louvre in Paris.Visualisierung Ministère de la Culture, ParisJean-Luc Godards Film «Ausser Atem» hiess im Original «À bout de souffle». Diese Wendung benutzte nun der neue Louvre-Direktor Christophe Leribault für seine erste Bilanz. Das Bild passt zum bedeutendsten Museum der Welt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der spektakuläre Raub im Oktober – von den Kronjuwelen fehlt jede Spur – hatte seine Vorgängerin im Februar das Amt gekostet. Jetzt rapportierte Leribault, der zuvor erst das Musée d’Orsay und dann die Schlösser Versailles und Trianon leitete, vor der Kulturkommission des französischen Parlaments. Er vermittelte seine ersten Eindrücke erfrischend kurz und bündig und hielt sich «nur» bei Themen der Sicherheit bedeckt, wohl wegen laufender Kameras.Uraltes GebäudeDas Budget sei deutlich vervielfacht worden. Es hapere aber nicht nur an der Videoüberwachung, deren Verbesserung eingeleitet wurde und die 2027 vollends greifen soll, sondern auch am Informationsfluss. Eine Neuerung im Organigramm sei deshalb ein ausgewiesener Koordinator für Sicherheitsfragen, der ihm ab Juli zur Seite stehe. Dem Louvre geht auch die Puste aus, weil er nicht nur in seiner Funktion als Museum am Anschlag ist, sondern zugleich auch noch ein denkmalgeschütztes ehemaliges Schloss darstellt. Der Kunstraub hat gleichsam ein Potemkinsches Dorf enthüllt. Hinter Schausälen verbirgt sich uraltes Gemäuer mit morschen Balken und korrodierten Leitungen.Marode ist besonders der sogenannte Sully-Flügel rund um die grosse Cour carrée. Zur Stadt hin schirmt sie die Ostfassade von 1670 mit ihrer monumentalen Kolonnade über seitlichen Festungsgräben ab. Vorsorglich wurde in diesem Bereich die Galerie Campana geschlossen; Tausende griechisch-antike Gefässe und Keramikarbeiten waren von hier zu evakuieren. Während sich hier der Boden senkt, konnten andernorts Räume für Personal – selbst das Zimmer des Direktors – zuletzt nur noch mit Ölradiatoren beheizt werden. Damit Klempner dort Rohre erneuern können, müssen externe Büros angemietet werden.Ächzt unter der Last, Museum und historisches Schloss in einem zu sein: der Louvre.Musée du Louvre, ParisZur «Mona Lisa» fürs SelfieWas Leribault resümierte, gleicht einem Katastrophenszenario, dem nur mit geradezu pharaonischen Plänen und massiven Investitionen zu begegnen ist. Eine Schliessung zwecks Generalsanierung wie jetzt beim Centre Pompidou schloss er aus. Wie seine Vorgängerin und Staatspräsident Macron, der ihn berufen hat, plädierte auch Leribault für ein Umlenken der Besucherströme. Von den fast zehn Millionen Besuchern jährlich wollen achtzig Prozent nur zur «Mona Lisa» für ein Selfie. Durch zwei neue Eingänge an der Ostfassade soll die gläserne Pyramide des Architekten Ieoh Ming Pei entlastet werden; das zentrale Nadelöhr wird dem Ansturm nicht mehr gerecht.Ein international ausgeschriebener Wettbewerb mit dem Projekttitel «Louvre – Nouvelle Renaissance» hat nun dazu geführt, den Entwurf dreier Architekturbüros zu verfolgen. Studios Architecture (Paris) wurde für die Realisierung der Fondation Vuitton (Paris) und des Luma-Museums in Arles bekannt, Selldorf Architects (New York) haben in den USA und London namhafte Galerien und Museen umgebaut, und Base Paysage (Paris) ist auf Gestaltungen im französischen Stadtraum wie Plätze und Parks spezialisiert.Jetzt wird dem Trio der Bereich der Ostfassade anvertraut, um in den kommenden zehn Jahren die Besucherströme über eine neue Esplanade an der Rue de l’Amiral-de-Coligny und bei der Kirche Saint-Germain-l’Auxerrois und Rampen zu kanalisieren. Die «Mona Lisa» bekommt dann einen eigenen Saal.Eintrittsgelder, Erlöse aus dem Louvre Abu Dhabi und der klamme Staat, der den Louvre als Flaggschiff des Tourismus versteht, werden das alles nicht allein stemmen können. Deshalb stellt sich Leribault auf intensives Fundraising ein, um Mäzene zu finden.Passend zum Artikel