KommentarEuropa und die USA hätscheln ihre Autoindustrie mit Zöllen. Die Verlierer sind die KonsumentenAutohersteller aus China haben in der Elektromobilität die Marktführerschaft übernommen. Brüssel und Washington täten gut daran, ihnen freie Fahrt zu lassen.30.06.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenDer chinesische Autohersteller baut sein europäisches Händlernetz laufend aus.Annegret Hilse / ReutesrEuropa und die USA sehen sich gleichermassen als Wiege der Automobilindustrie. Europäische und amerikanische Hersteller machten als Erste Autos erschwinglich für die Massen, und sie besassen lange die grössten Produktionskapazitäten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Tempi passati. Wie in vielen anderen Industriezweigen ist China auch bei Autos zum weltgrössten Produzenten aufgestiegen. Dazu kommt, dass kein anderes Land inzwischen mehr Autos exportiert als die Volksrepublik.Tesla, GM und Ford frohlockenAngesichts dieser geballten Marktmacht schotten die EU und die USA ihre eigene Automobilindustrie mit Zöllen vor der Konkurrenz aus China ab. Beide Wirtschaftsräume führten schon vor zwei Jahren Strafzölle auf den Import von chinesischen Elektroautos ein. Mit ihren Abgaben zielen sie bewusst auf E-Autos: Hersteller aus China haben europäische und amerikanische Konkurrenten bei der Elektromobilität überrundet.In den USA beschloss bereits die Regierung von Joe Biden einen Strafzoll von 100 Prozent. Dadurch wurden chinesische Elektroautos im Land unverkäuflich – zur Freude des amerikanischen E-Auto-Anbieters Tesla und der beiden einheimischen Traditionskonzerne GM und Ford, die ihre grossen SUV und Pick-up-Fahrzeuge mit Benzinmotor ungestört weiterverkaufen konnten.In der EU liegen die Strafzölle bei E-Autos aus China auf einem niedrigeren Niveau. Sie können, zuzüglich zum allgemeinen Einfuhrzoll von 10 Prozent, bis zu 35 Prozent betragen.Brüsseler AbsurditätChinesische Autohersteller haben trotz diesen Abgaben in Europa ihren Marktanteil auf fast 10 Prozent gesteigert. Sie können derart günstig produzieren, dass ihre Verkaufspreise auch unter Einrechnung gewisser Zölle kompetitiv sind.Die chinesischen Autobauer verdanken ihren Aufstieg in Europa aber auch einer Absurdität der Bürokratie in Brüssel. Anders als reine E-Autos blieben sogenannte Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge, die mit Strom geladen und mit Benzin betankt werden können, bis anhin von den Strafzöllen befreit. In Europa erfreuen sich solche Autos wachsender Beliebtheit, weil Automobilisten mit ihnen nicht befürchten müssen, stehen zu bleiben, wenn die Batterie leer ist.Mehrere Anbieter aus China konnten sich so eine vielversprechende Ausgangsposition erarbeiten. Ihr Erfolg illustriert zugleich, dass mit Autos chinesischer Hersteller so oder so zu rechnen ist. Europäische Branchengrössen wie Volkswagen, Renault oder Mercedes-Benz gewinnen dank den Zöllen in ihrem Heimmarkt bestenfalls etwas Zeit, um sich gegen die aufstrebende Konkurrenz aus Fernost zu wappnen.Besser wäre es, Konsumenten ab sofort frei entscheiden zu lassen, statt sie mit Zöllen zum Autokauf bei einheimischen Anbietern zu nötigen. Wenn für sie ein Auto von BYD oder der Marke MG das beste Preis-Leistungs-Verhältnis aufweist, gilt es, dies zu akzeptieren.Hartnäckige ÜberkapazitätenHinzu kommt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis chinesische Anbieter im grossen Stil Autos auch in Europa fertigen werden. Autobauer aus dem Reich der Mitte haben in verschiedenen europäischen Ländern ihr Auge auf unternutzte Werke von Konkurrenten geworfen oder sogar neue Fabriken zu errichten begonnen.Damit verschärft sich ein Problem, auf das Autobauer weder aus Europa und den USA noch aus China eine Antwort parat haben: Überkapazitäten. Die Neuwagenkäufe liegen in Amerika noch immer um 6 Prozent unter dem Niveau vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie. In Europa sind es sogar 17 Prozent. Viele Autowerke weltweit sind mangelhaft ausgelastet.Aufgrund sinkender Geburtenraten und der wachsenden Verbreitung selbstfahrender Taxis dürfte die Nachfrage nach Autos auch künftig kaum mehr die früheren Niveaus erreichen. In der Autobranche wären dringend Zusammenschlüsse angezeigt. Strukturerhaltung, wie sie die EU und die USA mit Zöllen betreiben, ist kontraproduktiv. Sie macht spätere Einschnitte bei den Herstellern umso schmerzhafter.Passend zum Artikel
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Autohersteller aus China haben in der Elektromobilität die Marktführerschaft übernommen. Brüssel und Washington täten gut daran, ihnen freie Fahrt zu lassen.







