Während die einen ein Filmfest feiern, steigt nicht weit weg davon ein Kinofest: Am 27. Juni findet die große Eröffnungsfilm-Veranstaltung des Filmfests München statt, für denselben Abend haben in Gauting die Breitwand-Kinos ein Geburtstagsfest angekündigt. Was beide Veranstaltungen eint: Hier wie dort ist die Liebe zum Film groß, die Begeisterung für bewegte Bilder und das kollektive Träumen im Dunkel eines Kinosaals.Drei Breitwand-Kinos gibt es, in der Region südlich von München sind sie eine Institution. Das ist ein Grund zum Feiern, es begann aber vor 40 Jahren mit einem Trauerfall: Der Kinobetreiber in Gilching war tödlich verunglückt, die Immobilien-Besitzerin musste das Kino neu vergeben. Hier kam Matthias Helwig ins Spiel: Der damals 26-jährige Gilchinger studierte an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film (HFF). „Nebenbei jobbte ich in diesem Kino“, erzählt er bei einem Telefonat, „meine damalige Partnerin und ich hatten schon zwei Kinder.“ Kurzerhand bewarb er sich um die Kinoleitung in Gilching, bekam die Zusage und änderte alles.Als das Kino am 27. Juni 1986 wieder eröffnete, hatte es einen neuen Namen, ein neues Programmkonzept und ein anderes Publikum. Der Kino-Neuling wusste genau, was er wollte: ein ansprechendes wie anspruchsvolles Programm mit Spätvorstellungen und Matineen, mit Kinderfilmen, Klassikern und kulturellen Events. Was er nicht konnte: „Ich hatte keine Ahnung von Betriebswirtschaft oder Business-Plänen. Ich wusste auch nicht, wie das Verleihgeschäft funktioniert“, erzählt er. Das habe er sich nach und nach beigebracht. Learning by doing sagt man dazu. Und zu lernen hatte Helwig einiges: Am Eröffnungs-Wochenende fand in Mexiko das Finale der Fußball-WM statt, sogar mit deutscher Beteiligung. Zur allerersten Breitwand-Vorstellung (von Margarethe von Trottas Film „Rosa Luxemburg“) kamen gerade einmal drei Zuschauerinnen.Schon bald wurden es mehr: Das neue Konzept samt Café kam gut an, vor allem beim jungen Publikum. Das Einzugsgebiet sei groß gewesen, erzählt Helwig, die Menschen kamen sogar aus anderen Landkreisen, aus Landsberg oder Wolfratshausen. Programmkino-Perlen wie „Cinema Paradiso“, „Time of the Gypsies“ oder „Thelma & Louise“ konnte man eben nicht überall sehen. 1998 war für den Kinobetreiber trotzdem Schluss in Gilching, ein Jahr später machte er in Herrsching und Schloss Seefeld mit dem „Breitwand“-Konzept weiter. Das Herrschinger Kino hat er wieder abgegeben, aktuell betreibt er Kinos in Schloss Seefeld, Starnberg und seit 2016 in einem großen Neubau in Gauting.Matthias Helwig hat sich sein Wissen über das Kinogeschäft selbst angeeignet. Joerg Reuther / Kino BreitwandMitte der 1990er-Jahre begann Helwig auch mit Open-Air-Kino-Veranstaltungen in Starnberg, Seefeld oder Herrsching. 2007 gründete er das mittlerweile weit über die Region bekannte Fünf-Seen-Filmfestival. In 40 Jahren hat sich viel verändert, gesellschaftlich und politisch, aber auch in der Kinonutzung. Seitdem die Menschen streamen, ist es für Kinos noch schwieriger, sie zu erreichen und von der heimischen Couch zu locken. Viele Filme, die noch vor wenigen Jahren ein sicheres Publikum hatten, funktionieren an der Kinokasse überhaupt nicht mehr. Dafür ist das Angebot größer geworden, vielseitiger und vielstimmiger. „Wir zeigen heute wesentlich mehr Filme“, sagt Matthias Helwig, „erreichen damit aber insgesamt weniger Zuschauer.“Die Jubiläumsfeierlichkeiten in den drei Breitwand-Kinos haben bereits Anfang des Jahres mit Sondervorstellungen begonnen. Am 28. Juni zeigen sie ausgewählte Filme aus vier Jahrzehnten zu Preisen des Jahres 1986, unter anderem gibt es ein Wiedersehen mit „Nirgendwo in Afrika“, „Il Postino“, „Kaos“ oder „The Big Lebowski“.40 Jahre Kino Breitwand, Jubiläumsprogramm in Gauting, Starnberg und Schloss Seefeld, noch bis Anfang August
Die Breitwand Kinos haben seit 40 Jahren Erfolg mit Programmkino
Die Breitwand Kinos in der Region südlich von München gibt es seit 40 Jahren, das wird gefeiert. Dabei begann diese Geschichte mit einem Trauerfall.








