Die Lufthansa plant, die Kurz- und Mittelstreckenflotte im kommenden Jahr weiter zu reduzieren. „Wir haben immer noch zu viele Strecken, die Verluste bringen“, sagte Vorstandschef Carsten Spohr bei einer Veranstaltung für Mitarbeiter. Bis zu 15 Flugzeuge werden demnach aus dem Programm genommen.Lufthansa hatte schon im laufenden Jahr ihr Europanetz ausgedünnt, vor allem, weil sie ihre Regionaltochter Lufthansa CityLine nach den Streiks der Piloten und Flugbegleiter im Frühjahr dichtgemacht hatte. Deswegen hatte die Fluggesellschaft schon im laufenden Sommerflugplan rund 25 Maschinen weniger zur Verfügung als ursprünglich geplant. Spohr begründete den weiteren Einschnitt damit, dass die Verlustbringer im Europaverkehr die Gewinne der profitablen Strecken auffräßen. Damit räumte Spohr indirekt ein, dass Lufthansa im Kontinentalverkehr immer noch Verluste einfliegt, das wohl größte strukturelle Problem des Konzerns.Das Unternehmen glaubt, dass nur höhere Produktivität, vor allem beim fliegenden Personal, das Schrumpfen von Lufthansa Airlines stoppen könnte. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle anderen wachsen, nur die Classic wird kleiner und kleiner“, so Spohr. „Classic“ steht intern für die Kernmarke. Wenn aber die Kosten nicht sinken, sei es denkbar, dass die Fluglinie nur noch Langstrecken und einige Kurzstrecken bediene, während der große Teil des Europageschäfts an günstiger operierende Konzerntöchter vergeben werde.In München kosten Passagiere die Lufthansa je zehn Euro weniger als in FrankfurtSeit den Streiks vom Frühjahr finden seit Monaten Sondierungsgespräche mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und der Unabhängigen Flugbegleiter-Organisation (UFO) statt, die mögliche Kompromisse finden sollen. Vorrangiges Ziel des Managements: eine viel höhere Produktivität. In einem internen Rundschreiben hat aber die VC in der vergangenen Woche beklagt, das Management blockiere alle Lösungsansätze und spiele „augenscheinlich auf Zeit.“ Dennoch wolle die Gewerkschaft dem Unternehmen „noch einmal ein begrenztes Zeitfenster für Sondierungsgespräche“ einräumen. Im Laufe dieser Woche will die VC ihre Mitglieder auf den neuesten Stand bringen.Das Drehkreuz in München wird laut Spohr auch künftig schneller wachsen als der Hauptstandort Frankfurt. Die Kosten pro Passagiere seien dort rund zehn Euro geringer, daher habe Lufthansa einen Anreiz, weiter stark auf München zu setzen. Auch die Flotte der acht verbliebenen Airbus A380 werde in München stationiert bleiben.Spohr gab auch bekannt, dass die Lufthansa im kommenden Jahr zusätzliche Langstreckenflugzeuge bestellen wird, entweder weitere Airbus A350-1000 oder Boeing 777-9. Die Boeing 777-9 wäre voraussichtlich ausschließlich für Frankfurt vorgesehen, die A350-1000 könnte sowohl in München, als auch in Frankfurt eingesetzt werden.Die erste mittlerweile sieben Jahr verspätete 777-9 soll im ersten Quartal 2027 ausgeliefert werden, was noch einmal einige Wochen später als geplant ist. Dadurch werden die Maschinen nach einigen Vorbereitungen erst gegen Ende des Sommerflugplanes 2027 im Liniendienst eingesetzt. Das bedeutet auch, dass veraltete Airbus A340-300, die eigentlich schon längst hätten ausgemustert werden sollen, noch einen Sommer weiterfliegen müssen.