Eine vage Ankündigung des serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić gibt Anlass zu Spekulationen über dessen Zukunft. Vučić hatte bei einer Kundgebung seiner Serbischen Fortschrittspartei in Belgrad am Samstag gesagt, er werde wahrscheinlich „nie wieder die Gelegenheit haben, vor so vielen Menschen zu sprechen“. Hinzugefügt hatte er: „Ich werde nur noch ein paar Wochen Präsident sein, und dann werde ich zurücktreten.“Schon öfter kündigte Vučić Dinge an, auf die er dann nie wieder zurückkam. Allerdings ist es durchaus möglich, dass Vučić diesmal seinen Worten Taten folgen lässt und tatsächlich zurücktritt. Nicht jedoch, um Macht abzugeben, sondern um sie sich für viele weitere Jahre zu sichern. Die Macht in Serbien ist seit etwa eineinhalb Jahrzehnten stets dort, wo Vučić ist – und nicht unbedingt dort, wo sie laut Verfassung verortet wäre.Vučić steuerte Serbien schon einmal als MinisterpräsidentAls Vučić in den Jahren 2014 bis 2017 Regierungschef war, gingen alle Entscheidungen vom Ministerpräsidentenamt aus. Der damalige Staatspräsident, Vučićs einstiger Weggefährte Tomislav Nikolić, nahm hauptsächlich zeremonielle Aufgaben wahr.Als Vučić danach ins Präsidentenamt wechselte, nahm er die Macht dorthin mit. Innen-, Außen-, Sicherheits-, Finanz- und Kulturpolitik werden seither im Belgrader Präsidentenpalast gemacht, während die zuständigen Ministerien nur die ausführenden Organe sind. Vučić lässt Gewährsleuten, denen er vertraut, zwar durchaus eigene Freiräume. Aber dies gilt nur, solange diese wissen: Alle wichtigen Entscheidungen trifft der Präsident.Sollte Vučić nun, wie in Belgrad von vielen Beobachtern vermutet, wieder nach dem Amt des Regierungschefs streben, könnte sich die frühere Konstellation wieder einstellen: Vučić wird demnach versuchen, einen loyalen Erfüllungsgehilfen in das höchste Staatsamt wählen zu lassen, um selbst als Regierungschef alle Zügel in der Hand zu behalten.Die Studentenbewegung muss eine Entscheidung treffenDoch einige Fragen bleiben offen. Der reguläre Termin für die nächste Präsidentenwahl wäre im April oder Mai 2027, wenn Vučićs zweites und laut Verfassung letztes Mandat ausläuft. Die nächste Parlamentswahl stünde spätestens im Dezember kommenden Jahres an. Vučić hat allerdings vor seiner jüngsten Äußerung schon mehrfach, unter anderem in einem Interview mit der F.A.S im September 2025, vorgezogene Wahlen für 2026 angekündigt.Käme es wirklich zu Wahlen in diesem Herbst, müssten sowohl Vučić als auch die gegen ihn opponierende Studentenbewegung in den kommenden Monaten wichtige Entscheidungen treffen: Wer wird Präsidentschaftskandidat? In Belgrad behaupten informierte Leute, dass Vučić Schwierigkeiten habe, einen Kandidaten oder eine Kandidatin mit Siegesaussichten zu finden. Andererseits könnte er eine Niederlage wohl verschmerzen und versuchen, ein möglicherweise oppositionell gesinntes Staatsoberhaupt schlicht zu ignorieren.Ebenso offen ist die Frage, welche Namen an der Spitze einer bisher geheimnisumwobenen studentischen Kandidatenliste für die Parlamentswahl stehen werden. Dieser Moment der Entscheidung könnte für die Studentenbewegung zur Bewährungsprobe werden, weil deren Opposition abgesehen von dem Widerstand gegen das Herrschaftssystem Vučićs bisher nicht mit konkreten Namen und Ideen verbunden ist. Viele sehen die Bewegung nur als eine Art Übergangsvehikel, das die Abwahl Vučićs und der Serbischen Fortschrittspartei ermöglichen soll.
Serbien: Was steckt hinter der Rücktrittsankündigung von Vučić?
Der Präsident hat in vagen Worten seinen Rücktritt angekündigt. Tatsächlich bereitet er seinen Machterhalt weit über das Ende seiner letzten Amtszeit vor.











