PfadnavigationHomeRegionalesHamburgLiteratur-EngpassHamburgs Universitätsbibliothek kämpft mit „unvermeidlichen“ EinschnittenStand: 15:15 UhrLesedauer: 3 MinutenBlick auf die Staats- und Universitätsbibliothek auf dem UniversitätsgeländeQuelle: picture alliance/dpa/Marcus BrandtDie Staatsbibliothek Hamburg streicht zentrale Datenbanken, kauft weniger Bücher – und bittet nun sogar um Spenden. Steigende Kosten und ein marodes Gebäude bringen die Versorgung von Forschung und Öffentlichkeit zunehmend unter Druck.Die Hamburger Staats- und Universitätsbibliothek kann aus Spargründen neue Bücher nicht mehr im gewohnten Umfang anschaffen. Auch auf viele Datenbanken können die Nutzer nicht mehr zugreifen. Die Einrichtung spricht selbst von „erheblichen Einschränkungen“. Als Grund nennt die Bibliothek steigende Kosten auf mehreren Ebenen – unter anderem auch den Zustand ihres Gebäudes. „Wie viele öffentliche Einrichtungen ist auch die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg auf vielen Gebieten mit erheblichen Kostensteigerungen konfrontiert, nicht zuletzt durch den schwierigen baulichen Zustand des Gebäudes“, erklärt Direktor Robert Zepf in einem Beitrag, den er auf der Startseite des Internetauftritts der Bibliothek veröffentlicht hat. Die Folgen treffen den Kernauftrag der Einrichtung: die Versorgung von Wissenschaft, Studenten und Öffentlichkeit mit aktueller Literatur.Lesen Sie auchSchon im Herbst 2025 hatte die Bibliothek einen drastischen Einschnitt angekündigt – zunächst bei digitalen Angeboten. Zahlreiche Datenbanken und Online-Ressourcen mussten gestrichen werden. Betroffen sind auch grundlegende Arbeitsmittel vieler Fächer: das „Oxford English Dictionary“, das „Oxford Dictionary of National Biography“ oder die psychologische Literaturdatenbank „APA PsycInfo“.Hinzu kommen große Rechercheplattformen wie „ProQuest Dissertations & Theses Global“, mehrere WISO-Datenbanken für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Fachbibliografien aus Geistes- und Sozialwissenschaften. Selbst verbreitete Angebote wie „Statista international“ oder das „Chicago Manual of Style“ stehen künftig nicht mehr zur Verfügung. Die Bibliothek sprach damals von „unvermeidlichen“ Einsparungen. Nutzern wurde geraten, wichtige Inhalte noch bis Ende 2025 herunterzuladen.Was zunächst die digitalen Angebote betraf, erfasst inzwischen den gesamten Bestand. Auch gedruckte Bücher und andere Medien können nicht mehr im bisherigen Maß beschafft werden. „Wir können neu erscheinende Titel in gedruckter wie elektronischer Form aktuell nicht in dem Maße erwerben, wie Sie es gewohnt sind“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung an die Nutzer.Lesen Sie auchDie Staatsbibliothek ist die zentrale wissenschaftliche Bibliothek der Stadt und versorgt Forschung, Studium und Öffentlichkeit. Ihr Bestand umfasst mehrere Millionen Medien und bildet die Grundlage für wissenschaftliche Arbeit weit über die Universität hinaus.Gleichzeitig kämpft die Einrichtung seit Jahren mit erheblichen baulichen Problemen. In das Gebäude drang wiederholt Wasser ein, Teile der Infrastruktur sind sanierungsbedürftig. Der Senat hat deshalb rund 20 Millionen Euro für Sofortmaßnahmen bereitgestellt, um den Betrieb zu sichern und eine grundlegende Sanierung vorzubereiten. Für die Bibliothek bedeutet das eine doppelte Belastung. Einerseits steigen Energie‑, Personal‑ und Lizenzkosten. Andererseits bindet der bauliche Zustand zusätzliche Mittel. Beides schränkt den Spielraum beim Erwerb neuer Literatur ein.Parallel versucht die Leitung gegenzusteuern. Man führe „intensive Gespräche auf allen Ebenen“, um die Rahmenbedingungen zu verbessern, heißt es.Lesen Sie auchDie zuständige Wissenschaftsbehörde verweist auf die Eigenverantwortung der Einrichtung. Die Staatsbibliothek erhalte – wie alle staatlichen Hamburger Hochschulen – ein Globalbudget, das sie selbst bewirtschafte und in dem sie Prioritäten setze.Zugleich betont die Behörde die Unterstützung durch die Stadt. Neben den 20 Millionen Euro für Sanierungsarbeiten habe die Bibliothek zusätzliche Mittel erhalten, etwa zum Ausgleich gestiegener Tarif‑ und Energiekosten sowie für stark steigende Lizenzpreise. Behörde und Bibliothek stünden „in ständigem Austausch“ und arbeiteten daran, die Versorgung mit wissenschaftlicher Literatur auch künftig sicherzustellen – unter anderem durch Kooperationen mit anderen Einrichtungen.Dabei geht die Bibliothek auch einen ungewöhnlichen Schritt. Sie ruft öffentlich zu Spenden auf. Die Einrichtung, die seit 1479 besteht, sei immer auch durch privates Engagement gewachsen, heißt es. Wer könne, solle helfen, wissenschaftliche Erkenntnisse in Hamburg zugänglich zu halten – etwa durch Spenden an die Bibliothek selbst, ihren Förderverein oder Stiftungen.juve