Bremen will das Parken auf Gehwegen eindämmen – aber nur ganz vorsichtig, um die Autofahrer nicht zu verärgern.

O weh, ein Parkraumkonzept! „Neustadt verliert jeden fünften Parkplatz“, titelt der Weser-Kurier: 776 Parkplätze verschwänden in dem Bremer Stadtteil, wenn die Stadt nun ihre Pläne verwirkliche. Man hätte auch schreiben können: „Fußgänger sollen mehr Raum bekommen“. Und korrekt wäre auch, Achtung: „Die Neustadt gewinnt über 1.000 Parkplätze dazu“. Denn: An vielen Stellen, an denen Bre­me­r*in­nen bisher illegal geparkt haben, soll das noch in diesem Sommer legalisiert werden.

Der Westteil der Bremer Neustadt, durch die Weser von der Altstadt getrennt, hat ein paar raue schmutzige Ecken, dazwischen kleine Straßen mit bunten Häuschen und winzigen wilden Vorgärten. Schnuckelig ist das, manche sagen auch eng. Denn auf beiden Gehwegen, überall, stehen Autos. Wer zu Fuß geht, kann sich im Gänsemarsch vorbeidrücken. Mit Kinderwagen muss man gelegentlich auf die Fahrbahn wechseln; mit Rollstuhl – na ja, wollen Sie nicht lieber woandershin?

Korrekt war das noch nie: Aufgesetztes Gehwegparken ist bundesweite Praxis, aber nur an wenigen ausgewiesenen Stellen erlaubt. Man hat halt nie hingeschaut oder, besser noch, das Ordnungsamt hat ganz bewusst weggeschaut. So weitermachen ist nicht mehr möglich: Bremer Bür­ge­r*in­nen hatten wegen der zugeparkten Gehwege quer durch die Instanzen gegen die Straßenverkehrsbehörde geklagt. 2024 entschied das Bundesverwaltungsgericht: Die Stadt muss etwas unternehmen.