Sechzehn Linienjets am Boden: Das Riesenflugzeug Airbus A380 ist flügellahmMehrere A380 von Emirates und Qantas dürfen vorerst nicht starten, weil Risse an der zentralen Struktur die Integrität der Tragflächen beeinträchtigen könnten.Andreas Spaeth29.06.2026, 12.00 Uhr4 LeseminutenDerzeit bleiben sechzehn Airbus A380 am Boden, bis geklärt ist, was es mit den Rissen in den Tragflächen auf sich hat. Fünfzehn der Flugzeuge dieses Typs werden von Emirates betrieben, eines von Qantas.Amr Abdallah Dalsh / ReutersFünfzehn Airbus A380 der Fluggesellschaft Emirates und einer von Qantas müssen vorerst am Boden bleiben. Das hat die Europäische Flugsicherheitsbehörde (Easa) in dieser Woche in einer sogenannten Notfall-Lufttüchtigkeitsanweisung verfügt. Zuvor waren Risse in den Mittelholmen der Flügel einiger Airbus A380 entdeckt worden. Diese Bauteile sind die tragende Struktur der Tragflächen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Easa begründete ihre Anordnung mit der möglichen Gefahr, dass die «strukturelle Integrität» der Tragflächen reduziert sein könnte. Das bedeutet, dass die Flügel im Extremfall abbrechen könnten. Fünf der betroffenen sechzehn Flugzeuge müssen vor ihrem nächsten Passagierflug überprüft werden, die übrigen nach spätestens 25 weiteren Starts und Landungen.Erstmals entdeckt worden war das Problem an einem 2010 gebauten A380 der australischen Qantas, der sich seit März ohnehin für die mehrmonatige gründliche Wartung in Dresden befindet. Aufgetreten sind die Probleme bei Flugzeugen, die in einem ähnlichen Zeitraum hergestellt wurden und die während der Corona-Pandemie länger am Boden standen.Reparaturumfang wird derzeit ermittelt«Abhängig von den Inspektionsergebnissen wird Airbus gemeinsam mit der Easa bewerten, ob Reparaturen notwendig sind oder ob die Flugzeuge in den kommerziellen Betrieb zurückkehren können», teilte ein Sprecher des Herstellers mit. Die Easa wiederum macht es von den Inspektionsergebnissen abhängig, ob sie weitere Anordnungen herausgibt, die möglicherweise mehr Flugzeuge der weltweit aktiven A380-Flotte betreffen könnten.Airbus hatte seit 2005 bis zum Produktionsende im Dezember 2021 insgesamt 251 Exemplare des weltgrössten Verkehrsflugzeugs ausgeliefert. Im Februar 2026 waren davon noch 159 im aktiven Einsatz. Die Zahl schwankt, je nachdem, wie viele der Riesen längerfristig parkiert sind oder sich in längeren Überholungen befinden.Emirates will bis Ende 2026 insgesamt 110 A380 betreiben. Die Fluggesellschaft hatte als grösster Kunde 123 der Doppelstöcker gekauft und damit fast die Hälfte der Gesamtproduktion erhalten. Einige frühe Versionen wurden bereits verschrottet, da sie veraltet waren. Während sich die Airline aus Dubai nicht zu den Easa-Anweisungen und ihren Auswirkungen äusserte, teilte Lufthansa mit, dass bei ihren acht verbliebenen A380 keine Risse gefunden worden seien.Mit der Corona-Pandemie schien die kurze Ära der Super-Grossraumflugzeuge, die 2007 mit dem Linienbetrieb des A380 begann, schon ihr Ende gefunden zu haben. Doch nach der Pandemie kam die Passagiernachfrage sehr schnell zurück. Ausserdem können die Flugzeughersteller keine Alternativen anbieten. Vor allem Boeing kann bis heute seinen Grossraumjet 777-9 nicht liefern, der eigentlich bereits ab 2020 hätte fliegen sollen.Für ein Flugzeug der Länge eines Airbus A380 wirken die Flügel überdimensioniert.Petr Malina / ImagoDamit blieb nur eine Renaissance des A380, der bis heute aufgrund seines Raumangebots und seiner leisen Kabine bei Passagieren weltweit sehr beliebt ist. Damit stellt sich aber auch das Problem, dass Ersatzteile für den nicht mehr produzierten Flugzeugtyp knapper werden.Zudem erfordert das in der Mitte seiner Lebensdauer angekommene grösste Verkehrsflugzeug der Welt einen erhöhten Wartungsaufwand. Eine mehrmonatige Generalüberholung, der sogenannte D-Check, benötigt über 60 000 Stunden an Arbeitsleistung. Das ist überdurchschnittlich viel, hat aber einen speziellen Grund: Bei genauer Inspektion können schwer vorhersehbare Probleme auftauchen, die aufgrund der besonderen Bauweise sowie der Grösse und des Gewichts dieses in der Luftfahrtgeschichte einmaligen Riesen auftreten.Die Flügel könnten für den A380 zu gross seinDie Easa hat seit 2020 fast 95 Lufttüchtigkeitsanweisungen herausgegeben, um beim A380 aufgetretene Defekte beheben zu lassen. Das sind überdurchschnittlich viele. Seit 2012 waren bereits mehrfach die Tragflächen betroffen. Allerdings gab es auch Hinweise auf andere Bereiche als die jetzt festgestellten, etwa auf Klammern, die die Verstrebungen mit der Aussenhaut verbinden, und ab 2019 auf Verstrebungen in den weiter aussen gelegenen Flügeltanks.Das jetzige Problem hingegen bezieht sich auf den Flügelmittelholm. Dieser befindet sich unter dem Kabinenboden und zieht sich durch die Mitte des Rumpfes, um die beiden Tragflächen miteinander zu verbinden.Die Flügelwurzel, wo sich Tragflächen und Rumpf verbinden, ist so dick, dass darin ein grossgewachsener Mensch stehen kann. Die derzeitige Überprüfung wird dadurch erschwert, dass sich die fraglichen Mittelholme innerhalb der sogenannten Center-Wing-Box befinden. Dabei handelt es sich um ein mächtiges, kastenförmiges Bauteil aus Kohlefaserverbundwerkstoff (CFK) in der Rumpfmitte, in dem beide Tragflächen verankert sind und in das sie ihre Kräfte einleiten.Das derzeit auftretende Strukturproblem deutet darauf hin, dass es ein grundsätzliches Konstruktionsproblem bei dem Riesenflugzeug gibt: Die Flügel des A380 sind die grössten jemals für ein Verkehrsflugzeug gebauten. Sie sind für den bestehenden A380 überdimensioniert und damit auch zu schwer für den Rumpf. Sie waren bereits für eine verlängerte Version konzipiert. Diese wurde aber ebenso wie eine geplante A380-Frachtmaschine nie gebaut.Passend zum Artikel
Sechzehn Airbus A380 am Boden: Risse in Tragflächen erfordern Inspektionen
Mehrere A380 von Emirates und Qantas dürfen vorerst nicht starten, weil Risse an der zentralen Struktur die Integrität der Tragflächen beeinträchtigen könnten.












