PfadnavigationHomePolitikDeutschlandFerguson und Schularick„China und die USA werden Europa aufessen, Stück für Stück“, warnt ein ÖkonomStand: 10:56 UhrLesedauer: 3 MinutenDer Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft: Moritz SchularickQuelle: Frank Molter/dpaFür Historiker Niall Ferguson und Ökonom Moritz Schularick droht Europa die wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit. Vor allem in Deutschland sind Jobs in Gefahr, wenn es nun keine „Operation Höchsttempo“ gibt.Historiker Niall Ferguson und Ökonom Moritz Schularick warnen eindringlich vor einem wirtschaftlichen Bedeutungsverlust Europas im globalen Machtgefüge. Sollte es dem Kontinent nicht gelingen, technologisch eigenständig zu werden, drohe er zwischen den USA und China zerrieben zu werden. „China und die USA werden Europa aufessen, Stück für Stück“, sagte Schularick der „Süddeutschen Zeitung“.Der Wirtschaftshistoriker an der Stanford University und der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft betonen die wachsende Dominanz der beiden Supermächte – insbesondere bei Zukunftstechnologien wie Künstlicher Intelligenz. Europa spiele dabei derzeit kaum eine Rolle. Europa könne sich nur als dritte Supermacht behaupten, „wenn es technologische Autonomie erreicht, mit einer eigenen Cloud und eigener KI“, so Ferguson. Lesen Sie auchDie USA hätten ihre wirtschaftliche Stärke zuletzt weiter ausgebaut, während Europa zurückgefallen sei. Die US-Wirtschaft habe Europa „in den vergangenen zehn Jahren weit hinter sich gelassen“, erklärte Ferguson und erkennt strukturelle Schwächen in Deutschland und Europa. „Die deutsche Wirtschaft hat die Bedrohung durch China völlig unterschätzt.“ Er prognostizierte, dass ohne grundlegende Änderungen bald „massenweise chinesische Autos“ in Europa gefahren würden. Auch geopolitische Konflikte und Handelskonflikte würden die Lage verschärfen. Auch Schularick glaubt: „VW wird wahrscheinlich von einem chinesischen Autohersteller aufgekauft. Etwa von BYD“.Als Ausweg skizzieren beide mehrere konkrete wirtschafts- und industriepolitische Ansätze: Schularick fordert eine klare europäische China-Strategie und schlägt vor, den Zugang zum europäischen Binnenmarkt gezielt als Druckmittel einzusetzen: „Europa muss den Zugang zum großen europäischen Markt als Verhandlungsmasse nutzen“, sagte Schularick. Europa solle chinesischen Unternehmen Marktzugang nur gewähren, wenn sie auch vor Ort produzieren und so Arbeitsplätze sichern. Zugleich plädieren die Ökonomen für eine stärkere Fokussierung auf Schlüsseltechnologien und technologische Eigenständigkeit. Dazu zählen explizit eigene Cloud-Infrastrukturen und KI-Systeme, ohne die Europa im globalen Wettbewerb zurückfalle. Ein weiterer Ansatz sei der Ausbau der Verteidigungs- und Hochtechnologieindustrie. Schularick sieht darin nicht nur eine sicherheitspolitische Notwendigkeit, sondern auch eine wirtschaftliche Chance, technologisch aufzuholen. Ohne Investitionen in Bereiche wie KI, Robotik oder Raumfahrt drohten langfristig nicht nur ökonomische Nachteile, sondern auch sicherheitspolitische Abhängigkeiten. „Ohne Technologie gibt es für Europa keine Sicherheit“, sagte er.Lesen Sie auchFerguson ergänzt, dass staatliche Investitionen – etwa in Infrastruktur – Wachstum schaffen könnten, wenn sie gezielt eingesetzt würden. Zudem fordert er mit Blick auf die Verteidigungsindustrie eine deutlich schnellere Umsetzung: Europa benötige eine „Operation Höchsttempo“ bei der Aufrüstung, damit wirtschaftliche Effekte sichtbar würden. Lesen Sie auchTrotz der düsteren Diagnose bleibt ein vorsichtiger Optimismus: Gelinge es, die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, technologisch aufzuholen und industriepolitisch konsequenter zu handeln, könne der Abstieg gestoppt werden. „Der Niedergang der deutschen Industrie lässt sich stoppen“, sagte Schularick. Ferguson warnte allerdings zugleich vor politischen Folgen wirtschaftlicher Schwäche: „Solange das Wachstum gering ist, gewinnen die Populisten an Boden und die demokratische Mitte kann sich nicht behaupten.“kami
Ferguson und Schularick: „China und die USA werden Europa aufessen, Stück für Stück“, warnt ein Ökonom - WELT
Für Historiker Niall Ferguson und Ökonom Moritz Schularick droht Europa die wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit. Vor allem in Deutschland sind Jobs in Gefahr, wenn es nun keine „Operation Höchsttempo“ gibt.






