PfadnavigationHomeSportFußballWMNick WoltemadeVom Hoffnungsträger zum Null-Minuten-StürmerStand: 10:23 UhrLesedauer: 6 MinutenNach der Niederlage gegen Ecuador wartet Paraguay als nächster Gegner auf die deutsche Fußballnationalmannschaft. DFB-Geschäftsführer Sport Andreas Rettig gibt einen Ausblick auf das nächste Spiel.Ohne Nick Woltemade hätte es Deutschland vielleicht nicht zur WM geschafft. Doch bei dem Turnier spielt der Stürmer bislang keine Rolle. Sportdirektor Rudi Völler, einst selbst ein Top-Stürmer, äußert sich zu der heiklen Personalie.Einer der größten Konzerne der Welt bringt den besonderen Gag. Wer bei Google, der Suchmaschine des US-Unternehmens Alphabet, den Namen Nick Woltemade eingibt, wird gefragt: „Meintest du: Rudi Völler?“.Von der Frisur her sind sich die beiden tatsächlich etwas ähnlich. Sportlich gesehen gibt es wenig Parallelen. Rudi Völler, 66 Jahre, war bei zwei Weltmeisterschaften, 1986 in Mexiko und 1990 in Italien, als Stürmer gesetzt, 1994 in den USA bekam er mitunter Einsätze als Einwechselspieler. Woltemade, 24 Jahre, ist bei dem aktuellen Weltturnier in den Vereinigten Staaten bislang noch gar nicht zum Zug gekommen. „Und wofür ist eigentlich Null-Minuten-Mann Nick Woltemade in Amerika dabei?“, fragt die Deutsche Presse-Agentur.Ausgerechnet der Mann, der Deutschland mit vier Toren in der Qualifikation zu dem Turnier schoss, ist außen vor. Es ist nicht so, dass Woltemade bei der WM rein gar nichts gelingen würde. Seine beim Federball ramponierten Flipflops zum Beispiel hat der lange Stürmer schnell reparieren können. Immerhin. Woltemade spielte in der freien Zeit zwischen Spielen und Trainings im Teamhotel „The Graylyn Estate“ im deutschen WM-Quartier in North Carolina auch gegen Kai Havertz, im Sturm sein Konkurrent.In der Qualifikation erfolgreichster Torschütze Deutschlands – jetzt noch ohne Einsatz. Beim Wettschießen gegen Curaçao (7:1) und beim Mentalitätssieg gegen die Elfenbeinküste (2:1) wechselte Nagelsmann andere ein, auch bei der Niederlage gegen Ecuador (1:2) kam Woltemade nicht, stattdessen brachte der Bundestrainer unter anderem Pascal Groß und Maximilian Beier in die Partie. Bereits in den letzten Testspielen gegen Finnland (4:0) und die USA (2:1) vor dem Turnier war Woltemade kaum zum Einsatz gekommen. Nach der Niederlage gegen Ecuador schrieb die „Süddeutsche Zeitung“: „Im Grunde hatte niemand so sehr verloren wie Nick Woltemade (...) Alle bekamen ein Bonbon, nur Woltemade nicht, der sich vor ein paar Wochen noch zur ersten Hälfte des Kaders hatte rechnen dürfen. Es war ihm sogar zugesagt worden.“Nur vier Spieler kamen noch nicht zum EinsatzWoltemade ist der prominenteste Spieler im deutschen Kader, der bei der WM noch gar nicht berücksichtigt wurde. Das sind neben ihm die Torhüter Oliver Baumann und Alexander Nübel sowie der nachnominierte Assan Ouédraogo. Im Presseraum des Verbandes in Winston-Salem steht ein großes Plakat mit Woltemades Foto drauf, auch werben DFB-Sponsoren mit seinem Konterfei. Ansonsten ist er bei diesem Turnier für die Zuschauer und Reporter wenig präsent, weil er eben nicht spielt. „Natürlich haben wir anders gewechselt, als wir gewechselt hätten, wenn wir zwingend noch ein Tor gebraucht hätten“, sagte Nagelsmann über seine Wechsel gegen Ecuador, die mitunter kritisiert wurden.Lesen Sie auchDrei Spiele, keine Minute gespielt – vor dem Sechzehntelfinale gegen Paraguay in Foxborough bei Boston am Montag (22.30 Uhr, ZDF, MagentaTV und Liveticker bei WELT) eine ernüchternde Zwischenbilanz für den Angreifer Newcastle Uniteds. Im Sommer vor einem Jahr wurde über kaum einen Spieler mehr gesprochen als über ihn. Er spielte eine starke U21-EM, wurde mit sechs Treffern Torschützenkönig und schaffte es mit Deutschland ins Finale. Der FC Bayern wollte ihn, schließlich verpflichtete ihn Newcastle für rund 75 Millionen Euro. Im folgenden zweiten Halbjahr war er der beste deutsche Stürmer – und jetzt das. Wie konnte es dazu kommen?Lesen Sie auchHavertz ist im Sturm gesetzt. Und Deniz Undav, mit dem Woltemade beim VfB Stuttgart zusammenspielte, hat in diesem Turnier bislang das Joker-Momentum, erzielte in den ersten beiden Partien drei Tore und bereitete zwei Treffer vor. Und auf der Position des „Zehners“, auf der Woltemade auch spielen kann, soll Jamal Musiala die Akzente setzen. Woltemade ist im Moment überall hinten dran – und nur noch Stürmer Nummer drei in der Nationalmannschaft.„Ich arbeite hart für meine Chance“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Der Angreifer ist ein Teamplayer, sorgt für gute Stimmung. Und nahm es mit Humor, als er von Havertz ob seiner späten Profikarriere beim Federball veräppelt wurde. „Bruder, sehe ich aus wie ein Handballer oder wie ein Fußballer? Ich war nicht bis 15 noch Handballer, ich habe mit 15 schon Bundesliga gespielt“, stichelte Havertz im Federball-Match im Teamquartier in North Carolina. Woltemade grinste. Sein besonderer Karriereweg ist keine Schwäche. Der Stürmer erlebt einfach eine schwierige Phase. Im Newcastle-Trikot erzielte er im ersten Halbjahr lediglich ein Tor. Trainer Eddie Howe setzte ihn, wenn überhaupt, ziemlich defensiv und auf eher ungewohnten Positionen ein. „Trotzdem bin ich von manchen Experten weiterhin als Stürmer beurteilt worden. Dann hieß es: Warum schießt Nick so wenig Tore? Warum gibt er nicht mehr Vorlagen? Das waren die falschen Fragen, und ich fand sie nicht ganz fair“, sagte Woltemade kürzlich im „Stern“. Und betonte: „Ich habe viel gelernt in dieser Saison. Ich habe athletisch zugelegt, ich kann das enorme Tempo mitgehen und mich in Zweikämpfen behaupten. Insgesamt war das ein Schritt nach vorn. Ich werde mich dort durchsetzen.“ Trotz dieser Aussagen und eines Vertrags bis 2031 wird über einen Wechsel in diesem Sommer spekuliert, unter anderem Borussia Dortmund und Atlético Madrid sollen interessiert sein.Zu seiner Rolle in der Nationalelf sagte er: „Die Mannschaft ist zu meiner Heimat geworden. Da glauben die Leute an mich, da fühle ich mich verstanden.“ Er sei zwar „einer der Jüngeren, aber alle wissen, was sie an mir haben. Mit meinen Toren habe ich geholfen, dass wir uns für die WM qualifiziert haben. Ich bin ein geschätztes Familienmitglied.“Einsatzzeit bringt es ihm bislang nicht. Nagelsmann beschwichtigte zuletzt immer. „Wir kriegen den als Team definitiv hin“, sagte der Bundestrainer vor der WM. Woltemade solle sich „keinen Kopp“ machen. Dieses Versprechen hat der Bundestrainer noch nicht eingelöst. Es stellt sich die Frage, wann der Woltemade-Moment noch kommen kann. Völler beobachtet die Trainings der deutschen Mannschaft auf dem Gelände der Wake Forest University in Winston-Salem genau. Freitag trainierten die Spieler, die gegen Ecuador nicht von Anfang an spielten. „Alle ziehen super mit. Auch die, die noch nicht gespielt haben.“ Ein Lob für Woltemade. Anfang Juni hatte Völler gesagt: „Es werden viele Spieler zum Einsatz kommen, die vielleicht jetzt ein bisschen hinten dran stehen. Das wird Fakt sein. Das gilt auch für Nick.“Am vergangenen Samstag fragte ein Reporter Völler auf einer Pressekonferenz erneut nach Woltemade. Völler appellierte daraufhin generell an den Mannschaftsgeist und lobte erneut die Trainingsleistungen der Reservisten. Er hält den 1,99 Meter großen Woltemade für einen Stürmer, der immer helfen kann, den Ball festzumachen, wenn er reinkommt. Und den nötigen Torinstinkt hat.Nagelsmann verriet am vergangenen Sonntag, dass es verschiedene Überlegungen gebe im Trainerstab, in Sachen Startelf und auch in anderen Hinsichten. Auch Überlegungen, gegen Paraguay etwas zu ändern. Vielleicht wird er diesmal anders wechseln, je nach Spielverlauf. Geduld werde wichtig sein gegen Paraguay, betonte der Bundestrainer.Nick Woltemade hofft, dass sein WM-Moment gegen Paraguay kommt. Im Fußball kann es manchmal so schnell gehen. Nagelsmann wird nicht vergessen haben, wie wertvoll Woltemade sein kann.Julien Wolff und Lars Gartenschläger sind Redakteure im Sportkompetenzcenter. Sie berichten für WELT seit Jahren über die Nationalmannschaft. Seit knapp vier Wochen sind sie für die Redaktion in den USA und schreiben von dort aus über die deutsche Auswahl bei der WM.
Nick Woltemade bei der WM: vom Hoffnungsträger zum Null-Minuten-Stürmer - WELT
Ohne Nick Woltemade hätte es Deutschland vielleicht nicht zur WM geschafft. Doch bei dem Turnier spielt der Stürmer bislang keine Rolle. Sportdirektor Rudi Völler, einst selbst ein Top-Stürmer, äußert sich zu der heiklen Personalie.












