Jubelfeiern und gewichtige historische Dokumentationen gibt es in Hülle und Fülle zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli – darunter Ken Burns’ „The American Revolution“ bei PBS und Netflix’ „The American Experiment“. HBO hält mit einem Stück dagegen, das große Momente der amerikanischen Geschichte mit einem fiktiven Blick hinter die Kulissen satirisch ausleuchtet: „Life, Larry and the Pursuit of Unhappiness“ (auf Deutsch: „Leben, Larry und das Streben nach Unglück“) heißt die Sketchsammlung in sieben halbstündigen Episoden, die von Barack und Michelle Obamas Higher Ground Productions produziert wurde.Larry, das ist Larry David, Amerikas hauptberuflicher Nörgler, einer, der sich über alles Mögliche aufregen kann und unter anderem mit der Serie „Curb Your Enthusiasm“ eine Karriere daraus gemacht hat. Obama selbst gibt eine launige Einführung in die Serie über ein Volk, das ein radikales Experiment wagte, das aber „auch reizbar sein kann, kleinlich, egoistisch und schäbig, und in dem manche immer was zu meckern finden“. Auftritt Larry David.Das Verbot, anderen von seinen Träumen zu erzählenDass sich das amerikanische Gründungsdokument, die Unabhängigkeitserklärung, auf 27 „grievances“, Klagen also gegen „illegale Maßnahmen“ des britischen Königs George III. als quasijuristische Rechtfertigung der Lossagung der dreizehn amerikanischen Kolonien von der Krone, stützte, ist natürlich eine unwiderstehliche Vorlage. In der Auftaktepisode ist David denn unter anderem auch als Robert Livingston, Gründervater und Entwurfsverfasser der Unabhängigkeitserklärung, zu sehen, der sich erdreistet, in die 27 offiziellen Klagen seine eigenen kleinlichen Alltagsärgernisse einzufügen. Darunter etwa das Recht, zu erfahren, wer noch zu einer Dinnerparty eingeladen ist, bevor man zusagt; oder ein Verbot, anderen von seinen Träumen zu erzählen oder beim Anstehen von einer Schlange in die andere zu wechseln. Deswegen, so behauptet der Sketch, übertrug man die Dinge schließlich an Thomas Jefferson.„Life, Larry and the Right to Unhappiness“ ist so was wie eine historisch eingekleidete Variation von Davids „Curb Your Enthusiasm“, jener HBO-Serie, in der der New Yorker von 1999 bis 2024 als griesgrämiger Fernsehautor in Erscheinung trat, der an allem und jedem energisch etwas auszusetzen hat. Wie schon in „Curb Your Enthusiasm“ improvisiert David hier mit zahlreichen prominenten Partnern innerhalb einer vorgegebenen Struktur.Jeff Schaffer, sein damaliger Ko-Autor, ist hier erneut mit federführend, und zahlreiche seiner Schauspielerkollegen aus „Curb“ sind hier ebenfalls dabei. Einige seiner liebsten Empörungen, die er bereits in „Curb“ ausgiebig katalogisierte, tauchen auch hier auf, darunter ein Groll auf Leute, die sich vordrängeln, indem sie Freunde in einer Schlange finden und ein Gespräch mit ihnen beginnen, oder solche, die wochenlang ein frohes neues Jahr wünschen.Die Sketche umfassen unter anderem die Erfindung des Telefons durch Alexander Graham Bell, die Expedition von Lewis und Clark, die Bostoner Tea Party, die Underground Railroad als Schutznetzwerk für entflohene Sklaven, Susan B. Anthonys Kampf um die Wahlrechtseinführung für Frauen und die Apollo-Mission zum Mond. David spielt in wechselnden ansehnlichen Kostümen und Kulissen anstrengende Nörgler, die sich dem Lauf der Geschichte in den Weg stellen, seine Spielpartner sind prominente Kollegen, darunter Jane Krakowski, Jerry Seinfeld, Jon Hamm und Vince Vaughn.Zwischen enttäuschend flach und richtig komischManche dieser hochgradig produzierten Sketche fallen enttäuschend flach aus, einige sind richtig komisch, die meisten liegen irgendwo dazwischen. Erwartungsgemäß gibt es in dieser Amerikahistorie auch einige unverhohlene Seitenhiebe auf Trump und seine Kabinettsmitglieder. In einer Sequenz zur Erfindung des Polio-Impfstoffs spielt David die stolze Mutter von Dr. Jonas Salk, die mit einem Nachbarn namens Bobby darüber in Streit gerät, ob Impfstoffe einem die „Juwelen lahmlegen“.Ein Stück über George Washingtons Ankündigung, aus Ehrfurcht vor der Demokratie keine dritte Amtszeit anzustreben, wird zur Debatte über ein Worst-Case-Szenario: Was, wenn dereinst ein „narzisstisches Arschloch“ das Präsidentenamt bekleiden, sich schamlos daran bereichern, die Verfassung verachten und den Umgang mit Pädophilen pflegen würde?Subtil ist das alles wie gewohnt nicht, auch hier wirkt Larry David manchmal, als würde er sein Publikum mit dem Witz erschlagen wollen. Aber es gibt auch inspirierte Einfälle, wie die Nacherzählung der Watergate-Affäre in einem Treffen zwischen dem Journalisten Bob Woodward und seiner Quelle „Deep Throat“ in einer dunklen Garage und eine alternative Variante der McCarthy-Anhörungen aus den Fünfzigerjahren.Ein Highlight ist der Auftritt von Barack Obama in einem Sketch, der sein beachtliches komödiantisches Talent ausstellt. Für einen großen Wurf ist „Life, Larry and the Pursuit of Unhappiness“ zu eingängig und zu formelverhaftet. Als vergnügt-respektlose Alternativgeschichte zum Wust der historischen Abhandlungen zum 250. Geburtstag Amerikas ist sie allemal sehenswert.Life, Larry and the Pursuit of Unhappiness läuft auf HBO-Max.
Neue HBO-Serie von Larry David und Barack Obama
Zum 250. Jubiläum der amerikanischen Unabhängigkeit haben auch Larry David und Barack Obama ihren Teil beigetragen. Die Sketchserie „Leben, Larry und das Streben nach Unglück“ ist abwechselnd sehr flach und sehr komisch.













