Wer beerbt Jamie Dimon als Chef der grössten Bank der Welt? JP Morgan stellt – wieder einmal – zwei Kandidaten vorDass der 70-jährige Langzeitchef seine Bank so erfolgreich führt, erschwert die Suche nach einem Nachfolger. JP Morgan ist das beste Beispiel dafür, weshalb Amerikas Chefetagen ergrauen.29.06.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenJamie Dimon, der starke Mann bei JP Morgan, hat abermals zwei neue Stellvertreter berufen, die ihn dereinst als CEO beerben könnten.Eduardo Munoz / ReutersDas Nachfolgedrama bei der grössten Bank der Welt geht in eine nächste Staffel. JP Morgan hat am Donnerstag Troy Rohrbaugh und Doug Petno zu Co-Präsidenten der Bank ernannt. Sie sind damit in der Pole-Position, um dereinst die Nachfolge des 70-jährigen Jamie Dimon anzutreten, der seit 2006 an der Spitze von JP Morgan steht.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Petno wird die Investmentbank und das Handelsgeschäft der Bank führen, Rohrbaugh kümmert sich fortan um die gewichtige Kleinkunden-Division, die auch für die Vergabe von Hypotheken und Autokrediten sowie für das Kreditkartengeschäft zuständig ist. Marianne Lake, die bisherige Chefin des Kleinkundengeschäfts, verlässt die Bank dagegen.Das Karussell dreht sichDoug Petno.PDLake hat lange als potenzielle Nachfolgerin von Dimon gegolten. Gemäss übereinstimmenden Berichten von US-Medien dürfte sie kürzlich aber erfahren haben, dass sie für den CEO-Posten nicht mehr infrage kommt, und hat nun die Konsequenzen gezogen.Petno und Rohrbaugh übernehmen derweil die schwierige Position im Scheinwerferlicht, die Lake über Jahre innehatte. Die Aktionäre werden jeden ihrer Schritte dahingehend prüfen, ob sie tatsächlich das Zeug zum Chef haben – und natürlich wird das auch Jamie Dimon selbst tun.Diese Bewährungsphase könnte eine ganze Weile dauern. Beobachter sehen es als wahrscheinlich an, dass Dimon noch ein paar Jahre an der Spitze des Unternehmens bleiben und nachher womöglich als Präsident der Bank weiterhin Einfluss nehmen wird. Der Chairman ist in amerikanischen Unternehmen in der Regel die klare Nummer zwei hinter dem CEO. Wenn langjährige und erfolgreiche Chefs ins Präsidium wechseln, besteht aber stets die Gefahr, dass sie sich zu stark in das operative Geschäft einmischen.Troy Rohrbaugh.PDDimon hatte JP Morgan erfolgreich durch die schwere Finanzkrise von 2008 gelotst. Er nutzte die Krise, um strauchelnde Konkurrenten zu günstigen Bedingungen aufzukaufen und seine Bank als klare Nummer eins im amerikanischen Markt zu positionieren.Hinzu kommt: Weder der 56-jährige Rohrbaugh noch der 61-jährige Petno sind Jungspunde. Je länger sie in der zweiten Reihe hinter Dimon warten müssen, desto eher wird die Wall Street zu dem Schluss kommen, dass sie bei JP Morgan nur die Rolle eines Übergangs-CEO übernehmen werden. Dimon hat vor Marianne Lake schon eine ganze Reihe an Stellvertretern «verbraucht», die darauf hofften, ihn dereinst beerben zu können.Der unangreifbare ChefJP Morgan ist heute derart erfolgreich unterwegs, dass kaum jemand an Dimons Stuhl rütteln wird. Die Bank profitiert dabei von der guten Stimmung an der Börse und von der Deregulierung des Finanzplatzes, welche die Trump-Regierung angestossen hat.Marianne Lake verlässt JP Morgan.PDAber Dimon hat es auch geschafft, die Dynamik im Unternehmen hoch zu halten. Bei einem Koloss wie JP Morgan ist das keine einfache Aufgabe. JP Morgan hat im Vorjahr mehr als 180 Milliarden Dollar umgesetzt und derzeit eine Marktkapitalisierung von fast 900 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Die UBS, eine der grössten Banken Europas, wird an der Börse mit gut 160 Milliarden Dollar bewertet. Die weltweite Nummer zwei, die Bank of America, kommt auf etwas mehr als 400 Milliarden.Der etwas jüngere Troy Rohrbaugh wird von den Medien als Favorit für die Dimon-Nachfolge erachtet. Er hat seine Karriere im Handelsgeschäft aufgebaut und erhält als Chef der Retail-Division der Bank nun die Gelegenheit, zu beweisen, dass er auch dieses Geschäft beherrscht.Dass Dimon seinen Posten bis auf weiteres noch nicht räumt, fügt sich gut in einen Trend in Amerikas Chefetagen ein. Amerikanische CEO werden immer älter. Eine Studie des National Bureau of Economic Research zeigt, dass der durchschnittliche CEO heute 61 Jahre alt ist – im Jahr 2000 waren es erst 51. Selbst bei ihrem Amtsantritt sind Firmenchefs heute bereits über 55 Jahre alt.Der Trend ist sicher dem medizinischen Fortschritt geschuldet; die Babyboomer sind in ihren Sechzigern deutlich fitter als ihre Eltern. Die Studienautoren, die Zehntausende Lebensläufe von Führungskräften ausgewertet haben, bringen aber noch einen anderen Grund vor: Die Wahlgremien bevorzugen heute gut abgerundete Profile von Generalisten, die dank ihrer breiten Erfahrung auch mit unsicheren Situationen klarkommen. 40-jährigen Aspiranten ist es schlicht nicht möglich, einen solchen Lebenslauf vorzulegen.Passend zum Artikel