AnalyseStreiks und der Krieg am Persischen Golf haben den Frankfurter Flughafenbetreiber belastet. Der MDax-Konzern bleibt jedoch auf Kurs, sein Gewinnziel zu erreichen. Der Investment Case ist nach wie vor intakt, weshalb sich der Einstieg jetzt besonders lohnen könnte.Ausgerechnet der April könnte sich im Rückblick als jener Monat erweisen, der Fraport das Erreichen seines Passagierziels für 2026 kostete. Der Frankfurter Flughafenbetreiber eröffnete im April zwar sein neues 4 Mrd. € teures Terminal 3. Gleichzeitig feierte die Deutsche Lufthansa in ihrem neuen Konferenz- und Besucherzentrum «Hangar One» ihr 100-jähriges Bestehen. Doch der symbolträchtige Monat hatte auch eine andere Seite: Piloten und Kabinenpersonal der Lufthansa – des mit Abstand wichtigsten Kunden Fraports – legten an insgesamt sechs Tagen die Arbeit nieder. Von den Streiks waren rund eine halbe Million Fluggäste betroffen. Gleichzeitig ging das Cargo-Volumen zurück, weil mit den gestrichenen Flügen Belly-Kapazitäten wegfielen, also Frachträume in den Bäuchen der Passagiermaschinen. Lufthansa legte als Reaktion auf den Arbeitskampf und hohe Kerosinpreise zudem die regionale Fluggesellschaft CityLine früher als geplant still.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Bis einschliesslich Mai konnte Fraport so nur 23,2 Mio. Passagiere in Frankfurt zählen. Im Vorjahr waren es in den ersten fünf Monaten bereits 23,5 Mio. Fluggäste und am Ende des Jahres 63,2 Mio. Für dieses Jahr hat sich Fraport am grössten deutschen Flughafen 65 Mio. bis 66 Mio. vorgenommen. Das impliziert ein Wachstum von 2,9 bis 4,4%. Dieses Ziel könnte nach dem schwachen April und in Folge des Krieges am Persischen Golf schwierig zu erreichen sein.Terminal 1 am Frankfurter FlughafenFoto: FraportZuwächse bei Flügen in andere Regionen, insbesondere nach Fernost, hätten in Frankfurt die Rückgänge beim Nahostverkehr kompensiert, sagte Fraport-Chef Stefan Schulte bei Vorlage der Quartalszahlen im Mai und übernahm mit dieser Einschätzung die Lesart der Lufthansa. Eine Mangellage beim Kerosin durch den Irankrieg habe sich nie auch nur angedeutet, heisst es aus der Firmenzentrale. Doch Analysten rechnen mit einem klaren Verfehlen des Ziels bei den Passagierzahlen. 2% Wachstum sind es im besten Fall, wenn es nach Metzler geht. JPMorgan erwartet nur 1% Plus. Die Konsensschätzung der bei Bloomberg erfassten Analysten liegt mit 64,5 Mio. Fluggästen ebenfalls unter der Fraport-Vorgabe.Noch reichlich Luft bis zum RekordhochDie Aktie hat entsprechend reagiert. Seit dem Siebenjahreshoch von 85.60 € im Februar und verstärkt seit dem Beginn des Krieges in Iran ist der Kurs deutlich gefallen, hat aber bei 65 € einen Boden gefunden. Aktuell werden die Aktien klar darüber gehandelt. The Market empfahl den Titel erstmalig Anfang Oktober 2024. Seinerzeit lag der Kurs bei gut 48 €.Für das Rekordhoch von 96.94 € bedarf es eines weiteren Höhenflugs. Es stammt aus dem Januar 2018, also aus der Zeit vor der Coronapandemie. Aus jener Ära kommt auch der Rekord von 70,6 Mio. Fluggästen in Frankfurt (2019). Langfristig stehen die Chancen für steigende Kurse der Fraport-Aktie allerdings gut. Kurzfristig gibt es einen weiteren Pluspunkt: Fraport zähle seit Beginn des Irankrieges zu den am stärksten betroffenen Titeln im Infrastruktursektor und könne im Falle einer Befriedung des Konflikts überproportional profitieren, urteilen die Analysten von JPMorgan.Die nun tristeren Aussichten für die Passagierzahlen bedeuten jedenfalls nicht unbedingt, dass Fraport auch sein Gewinnziel verfehlt. Denn der Flughafenbetreiber hat auf die geänderte Ausgangslage reagiert – unter anderem mit einer frühzeitigeren Schliessung des Terminal 2. Ursprünglich war diese erst für die zweite Jahreshälfte geplant. Auch ein Deckel beim Personal insbesondere am Standort Frankfurt ist verhängt worden, um die Kosten im Griff zu behalten. Ausserdem sind bei der Inbetriebnahme von Terminal 3 zur Sicherheit vorgehaltene finanzielle Rücklagen nicht benötigt worden.Vorgenommen hat sich der Konzern beim Gewinn auf der Stufe Ebitda eine Steigerung auf «bis zu 1,5 Mrd. €», nach 1,44 Mrd. € im vergangenen Jahr. Das entspricht einem Plus von bis zu 4,2%. Bis 2030 soll der Ebitda bei 2 Mrd. € liegen – eine jährliche Wachstumsrate von 7,5%. Analysten trauen Fraport in diesem Jahr im Mittel 1,48 Mrd. € (+2,8%) zu. 2030 sollen es dem Konsens zufolge dann 1,9 Mrd. € sein, ein Plus von 7,1% pro Jahr.Sanierung von Terminal 2 aus der PortokasseDas mittlerweile 32 Jahre alte, temporär stillgelegte Terminal 2 soll nun wie vorgesehen saniert werden. Rund 1,5 Mrd. € sind für die Modernisierung des Gebäudekomplexes budgetiert. Das Geld dafür kommt aus dem Topf für Standardinvestitionen, der 400 Mio. bis 500 Mio. € pro Jahr umfasst – aus der Portokasse, wenn man so will. Bis es los geht, vergehen aber noch Jahre. Der Start der Hauptbaumassnahmen sei für 2030 angesetzt. Mitte der 2030er Jahre soll das überholte Terminal mit einer Kapazität von mehr als 10 Mio. Fluggästen wieder in Betrieb genommen werden. Auch anderes wie zum Beispiel die Ertüchtigung der Start- und Landebahnen stemmt Fraport aus dem Topf für Standardinvestitionen.Marktplatz nach dem Check-In im Terminal 3 bei dessen EröffnungFoto: FraportBis zur Wiedereröffnung von Terminal 2 fusst die Wachstumsstory in Frankfurt vor allem auf dem neuen Terminal 3, das in der jetzigen Ausbaustufe über eine Kapazität von bis zu 19 Mio. Passagiere verfügt. Würde der zusätzliche Flugsteig K irgendwann realisiert, stiege die Kapazität auf 25 Mio. Fluggäste. Terminal 3 beherbergt 57 Airlines. Ferienflieger Condor, nach der Lufthansa die Nummer zwei in Frankfurt, soll im Sommer 2027 dorthin umziehen. An Terminal 1, wo insgesamt 60 Mio. Passagiere abgefertigt werden können, entsteht dadurch mehr Raum für die Lufthansa und die Star-Alliance-Airlines. 64 Geschäfte und Restaurants im neuen Terminal liefern ebenfalls ihren Beitrag zum steigenden Gewinn von Fraport – wie auch die 8500 neuen Parkplätze auf dem Areal der ehemaligen US-Militärbasis im Süden des Airportgeländes.Kinderkrankheiten gehören bei solch einem Megaprojekt trotz unzähligen Probeläufen dazu. So auch am Frankfurter Flughafen, wo die Sky-Line-Bahn, die die Terminals miteinander verbindet, von Ende Mai bis Mitte Juni ausfiel. Für die Passagiere bedeutete das: Busersatzverkehr. Doch die vollautomatischen Wagen laufen rechtzeitig vor der Reisewelle im Sommer wieder. In der Ferienzeit vom 26. Juni bis zum 9. August rechnet Fraport allein in Frankfurt mit rund 9 Mio. Reisenden und 60‘000 Flugbewegungen.International auch mehr KapazitätenInsgesamt peilt Fraport dieses Jahr an, weltweit 188 Mio. bis 195 Mio. Passagiere abzufertigen (2025: 184 Mio.). Das entspricht einem Plus von 2,3 bis 6,2%. Bis Mai waren es 86,6 Mio. und damit 2,9% mehr als im Vorjahreszeitraum (84,2 Mio.). Besonders stark wuchsen zuletzt die Fluggastzahlen an den von Fraport betriebenen Airports Porto Alegre und Fortaleza (Brasilien), Ljubljana (Slowenien) sowie den bulgarischen Twin-Star-Airports Burgas und Varna. Geschwächelt hat ausgerechnet der türkische Flughafen Antalya, der nach Frankfurt grösste Standort im Portfolio. Dort schliesst sich 2027 nahtlos eine neue Konzession bis 2051 an, die Planungssicherheit bringt. Die Kapazität in Antalya hat sich mittlerweile verdoppelt. Der Standort habe sich zum führenden Airport im Mittelmeerraum entwickelt, heisst es bei Fraport. Die Analysten von Barclays (mit Kursziel nahe des Rekordhochs) bemängeln allerdings, dass der Vertrag höhere Konzessionsgebühren beinhaltet.Neben den Megaprojekten am Main und in Antalya hat Fraport auch in Lima (Peru) die Kapazitäten ausgebaut. Damit ist die Basis für weiteres Wachstum gelegt und das umfassendste Investitionsprogramm in der Geschichte des Unternehmens ausgelaufen. «Davon werden wir mittel- bis langfristig wirtschaftlich stark profitieren», sagte CEO Schulte beim Aktionärstreffen. Der freie Cashflow (FCF) zeige diese Trendwende bereits deutlich. Der Flughafenbetreiber wächst aber auch anorganisch. In diesem Jahr kommen Kalamata auf der Peloponnes in Griechenland und Jericoacoara im Nordosten Brasiliens zum Portfolio hinzu. Die globale Expansion trägt klar die Handschrift des Fraport-Chefs.Der Vertrag des 66-Jährigen läuft noch bis Ende August 2027. Aus Unternehmenskreisen heisst es, der Aufsichtsrat habe den Prozess bereits angestossen, nach einem geeigneten Nachfolger zu suchen. Eine Veränderung im Management gibt es schon jetzt: Pierre Dominique Prümm, Chief Technical Officer, scheidet zum 30. Juni aus. Damit wird die Führungsriege künftig nur noch aus vier Personen bestehen.Für das vergangene Geschäftsjahr hat Fraport erstmals seit 2019 wieder eine Dividende gezahlt: Der Konzern schüttete 1 € je Aktie aus. In ähnlicher Grössenordnung dürfte es für dieses Jahr weitergehen. Denn im Vordergrund steht erst einmal der Schuldenabbau. Doch bei einem verbesserten Verhältnis von Netto-Finanzschulden zu Ebitda will der Flughafenbetreiber die Ausschüttung erhöhen. Sinke der Verschuldungsgrad (2025: 5,7; Ziel 2026: «Verbesserung») auf unter 5, plane man die Dividende spürbar anzupassen. War im Wirtschaftsplan im Dezember 2025 noch von einer Ausschüttungsquote von 40 bis 60% die Rede, legte Fraport-Chef Schulte jüngst nach. «Mit Erreichen dieses Ziels verfügen wir dann über den erforderlichen Spielraum, um die Ausschüttungsquote vom Ergebnis je Fraport-Aktie auf ein Niveau von 60 bis 80% deutlich anzuheben.»Steuersenkung allein bedeutet noch keine TrendwendeIn die Karten spielt Fraport dabei die beschlossene Senkung der Luftverkehrsteuer, die ab 1. Juli wieder fast auf dem Niveau von Mai 2024 sein wird. Die Senkung sei eine Hilfe, aber zu kleinteilig, und die staatlichen Standortkosten im internationalen Wettbewerb immer noch zu hoch. Je nach Strecke sinkt die Abgabe pro Ticket nun von derzeit 15.53 auf 13.03 € (Kurzstrecke), von 39.34 auf 33.01 € (Mittelstrecke) und von 70.83 auf 59.43 € (Langstrecke).Positiv: Die Branche findet zumindest Gehör. Die Bundesregierung will evaluieren, wie die Senkung der Luftverkehrsteuer wirkt und weitere Entlastungsschritte prüfen, wie aus einem Antrag der Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD zur Zukunft der Luftfahrt hervorgeht. Der Entwurf zielt darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit der Branche und deren Souveränität zu stärken.Fest steht: Nach jahrelangen hohen Investitionsausgaben, negativem freien Cashflow und einer steigenden Verschuldung hat Fraport nun den Turnaround geschafft. Der Investitionszyklus ist beendet. Dass der Konzern wieder eine Dividende zahlt, ist ein Sinnbild dafür. Jetzt steht Wachstum im Vordergrund, das sich unter anderem durch neue Flugzeuge bei der Lufthansa und mehr Zubringerflüge von Condor beschleunigen könnte. 2028 könnte Fraport in Frankfurt den Passagierrekord aus der Vor-Corona-Zeit knacken. Das MDax-Unternehmen weist laut JPMorgan für 2027 mit 6,1% die höchste prognostizierte FCF-Rendite der Branche auf. 2028 sollen es 8,2% sein.Die Aktie ist mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,27 bewertet (Zehnjahresdurchschnitt: 1,37) und wird zum 19-Fachen des für die nächsten zwölf Monate geschätzten Gewinns gehandelt. Zum Vergleich: das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des Flughafen Zürich liegt bei 24. Viel Luft nach oben für Fraport, auch wenn der Konzern 2026 vielleicht nur das untere Ende seiner Prognose erreicht. Für den nächsten Impuls könnten die Juni-Verkehrszahlen am 13. Juli und die Zahlen zum zweiten Quartal am 6. August sorgen.Der Autor hält Aktien von Fraport.