Neulich in der Kantine: Bei mir zu Hause kocht mein Mann, erzählt die Kollegin. Anerkennendes Nicken. Da hast du deinen Mann aber gut erzogen, kommentiert ein Kollege. Allgemeines Geschmunzel.Ein anderer Tag, unterwegs mit Freundinnen. Die eine erzählt von einem Date mit einem Mann. Seine Wohnung habe schlimm ausgesehen. Na ja, Ordnung halten kannst du ihm ja noch beibringen, kommentiert eine andere.Bei diesen und ähnlichen Gesprächsfetzen, die mir im Alltag immer wieder begegnen, schreie ich, wenn auch meist nur innerlich: Sag mal, geht’s noch? Wieso reden wir von erwachsenen Männern wie von Hündchen, die dressiert werden müssen? Er kann jetzt auch Wäsche waschen. Ja, fein, hier ist dein Leckerli. Er hat selbst an den Geburtstag seiner Schwiegermutter gedacht. Schnell loben, sonst verlernt er das wieder.Frauen übernehmen die Care-ArbeitWas da im Alltag salopp weggelacht wird mit „Ach, so sind sie, die Männer“ ist Symptom einer Gesellschaft, in der Frauen meist noch immer einen größeren Teil der Care-Arbeit und des Mental Load übernehmen und das soziale Leben von Männern um sie herum organisieren. Sie kümmern sich für das Team um die Geburtstagskarte für den Kollegen, kaufen sämtliche Weihnachtsgeschenke ein oder legen ihren erwachsenen Partnern die Klamotten raus. Und das nicht nur still und heimlich.