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US-Rückzug: So wirkt sich Trumps Truppenabzug auf deutsche Kommunen aus Die US-Truppen sorgen in Deutschland nicht nur für Sicherheit, in einigen Kommunen sind sie auch der wichtigste Arbeitgeber. Bürgermeister fürchten fatale Folgen bei einem Abzug.

28.06.2026 - 10:35 Uhr Artikel anhörenUS-Flagge in Netzaberg: Die Sorgen über einen Abzug wachsen. Foto: REUTERSWiesbaden/Vilseck. Birgit Bug vermietet seit Jahren ihre Wohnung mit Fußbodenheizung und Balkon an amerikanische Mieter. Ihre Wohnung in Wiesbadens begrüntem Neroberg-Viertel ist nahe am US-Armeekommando. Ihre Mieter kamen typischerweise für zwei bis drei Jahre. Ein Jahrzehnt lang lief das reibungslos – doch im Oktober sind die letzten Mieter zurückgekehrt. Seit fünf Monaten steht ihre Wohnung leer.Diese anhaltende Vakanz steht sinnbildlich dafür, wie Trumps Drohungen mit einem Truppenabzug aus Deutschland bereits in jenen Städten für Unruhe sorgen, die das amerikanische Militär seit Jahrzehnten beherbergen. „Solange Trump im Amt ist, ist alles möglich“, sagt Bug, 61-jährige Flugbegleiterin.Rund 37.000 Soldaten sind noch dauerhaft in Deutschland stationiert – das zweitgrößte Überseeengagement der US-Armee nach Japan. Zum Netzwerk gehören der Luftwaffenstützpunkt Ramstein, die größte Militärklinik außerhalb der USA, ein Standort in Bayern sowie das europäische und afrikanische Hauptquartier der Armee in Wiesbaden.Trumps Verhältnis zu Europa ist angespannt. Das zeigt sich regelmäßig bei internationalen Treffen. Zuletzt versuchte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), den US-Präsidenten beim G7-Gipfel in Frankreich mit einem personalisierten DFB-Trikot zu beschwichtigen.Das Präsent war auch eine Reaktion auf Merz' Kritik im April. Die USA hätten sich bei Waffenstillstandsverhandlungen mit dem Iran „blamiert“, hatte Merz damals bei einem Besuch in einer Grundschule erklärt. Trump drohte daraufhin in sozialen Medien mit Truppenabzug. „Eine Form kleinlicher Vergeltung“, urteilt Ben Hodges, ehemaliger Oberbefehlshaber der US-Armee in Europa.Sorgen in der OberpfalzBesonders exponiert ist Vilseck, ein Städtchen mit rund 6500 Einwohnern in der nördlichen Oberpfalz, nahe der tschechischen Grenze. Dort ist ein Regiment mit knapp 5000 US-Soldaten stationiert. Die Breitenregion beherbergt insgesamt etwa 30.000 Amerikaner – ein Drittel davon könnte bei einem Abzug wegfallen, schätzt Bürgermeister Thorsten Grädler.„Ein dramatischer Schlag für das gesamte wirtschaftliche und soziale Leben“, sagt Grädler, der seit Anfang Mai im Amt ist und täglich das Internet nach einschlägigen Meldungen durchforstet. Das US-Militär ist seit über 80 Jahren in der Region präsent und ihr größter Arbeitgeber; der wirtschaftliche Beitrag beläuft sich Grädler zufolge auf 650 bis 700 Millionen Euro jährlich.USA Ein Militärberater des Pentagons kämpft für die Zukunft der US-Truppen in Deutschland Eine Studie des ZEW Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung und der Universität Köln beziffert den langfristigen Effekt: Auf je zwei abgezogene Soldaten entfällt rechnerisch ein sozialversicherungspflichtiger Vollzeitarbeitsplatz.Die Auswertung der Truppenreduzierungen der frühen 1990er-Jahre – damals verließen binnen fünf Jahren rund 200.000 US-Soldaten Deutschland – ergab einen Rückgang der Gemeindeeinnahmen um neun Prozent, dessen Folgen noch heute messbar sind.„Die Effekte von Truppenabzügen ähneln stark denen von Werksschließungen in einer Region“, sagt Studienautor Johannes Kochems – mit besonders ausgeprägten Folgen für ländliche, strukturabhängige Standorte.Neue Ideen für die Zeit nach dem AbzugVilseck wartet nicht auf den Ernstfall: Im Herbst eröffnet ein neues Gewerbegebiet. Ob das reicht, bezweifelt der Bürgermeister selbst – in einem Land, das auf sein viertes Wachstumsjahr in Folge ohne nennenswerten Zuwachs zusteuert.Ramstein: Auch die Gebrauchtwagenhändler werben um amerikanische Kunden. Foto: REUTERS Verwandte Themen DeutschlandFriedrich MerzG7-GipfelUniversität zu KölnIn der Region Wiesbaden hingegen sehen manche den möglichen Abzug auch als Chance. Als die US-Armee 2013 ihr Hauptquartier von Heidelberg nach Wiesbaden verlegte, entstanden auf den freigezogenen Flächen dringend benötigte Wohngebiete.Carl-Michael Baum, US-Militärverbindungsoffizier der Stadt Wiesbaden, hat für diesen Fall bereits Pläne in der Schublade: „Wir haben schon Ideen, was wir dort entwickeln könnten.“ Bloo Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige remind.me Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige FREITAG® Immobilien FREITAG® Immobilien – Ihr Makler und Gutachter für München & Starnberg Anzeige Presseportal Direkt hier lesen! Anzeige STELLENMARKT Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden Anzeige Expertentesten.de Produktvergleich - schnell zum besten Produkt