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850 Mitarbeiter betroffen: Polsterriese Himolla beantragt Schutzschirm-Insolvenz Himolla produziert Sofas, Relax-Sessel, ganze Wohnlandschaften. Nun steht eines der größten Polstermöbelwerke Europas vor einer harten Sanierung.

Henryk Hielscher 26.06.2026 - 14:20 Uhr Aussitzen reicht nicht: Die Geschäftsführung des Polstermöbelherstellers Himolla hat ein Schutzschirmverfahren gestartet. Foto: picture alliance / NurPhotoAls „himmlisch, mollig, angenehm“ vermarktet die im bayerischen Taufkirchen ansässige Himolla Polstermöbel GmbH ihre Produkte. Darunter Sofas, Relax-Sessel, ganze Wohnlandschaften. „Was einst als kleine Werkstatt begann, hat sich längst zur modernen Manufaktur und damit zu einem der größten Polstermöbelwerke Europas entwickelt“, heißt es stolz auf der Unternehmenshomepage. Doch seit geraumer Zeit kämpft das Unternehmen – wie die gesamte Branche – mit Gegenwind.Nun hat die Geschäftsführung die Reißleine gezogen und ein Schutzschirm-Insolvenzverfahren für die Himolla Polstermöbel GmbH gestartet.Bei der auf eine Sanierung abzielenden Insolvenzvariante bleibt das Management in der Regel im Amt, wird aber von externen Restrukturierungsspezialisten unterstützt. Ein vom Gericht eingesetzter Sachwalter soll zudem dafür sorgen, dass die Interessen der Gläubiger gewahrt werden.Die tiefe Krise der MöbelindustrieIm Fall von Himolla wurde Tillmann Peeters von der Unternehmensberatung Falkensteg als Sanierungsgeschäftsführer an Bord geholt, auch weitere Falkensteg-Restrukturierer sind in Taufkirchen im Einsatz. Darüber hinaus berät ein Team um Thomas Ressmann von DMR Legal. Arndt Geiwitz von der Kanzlei SGP Schneider Geiwitz beaufsichtigt als vorläufiger Sachwalter die Rettungsmission.Hintergrund der Insolvenz ist nach Unternehmensangaben die schwierige Marktlage. Die Möbelindustrie kämpfe europaweit mit schwacher Konsumlaune, stockender Bautätigkeit und preisaggressivem Wettbewerb aus Niedriglohnländern.Tatsächlich steckt die deutsche Möbelindustrie nach erfolgreichen Jahren während der Coronapandemie mittlerweile in einer tiefen Krise. Branchengrößen wie der Traditions-Möbelhersteller Hülsta, der Büro- und Sitzmöbelproduzent König + Neurath oder zuletzt die Premiummarke Interlübke mussten bereits Insolvenz anmelden. Nun folgt Himolla.Möbelindustrie Interlübke meldet Insolvenz an von Henryk Hielscher und Florian WeyandIm vergangenen Jahr setzte die gesamte Branche rund 15,8 Milliarden Euro um, ein Minus von 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Absatzschwäche hält auch im Jahr 2026 an. Besonders betroffen ist aktuell die Polstermöbelindustrie. Hersteller spürten im Januar und Februar eine starke Zurückhaltung – und erwirtschafteten einen Umsatz von 138 Millionen Euro, was einem Rückgang von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.Das bekam auch Himolla zu spüren. Zwar konnte das Unternehmen seine Marktanteile bei rückläufigen Umsätzen in den vergangenen Jahren stabil halten. „Gleichwohl konnten mit den bisherigen Restrukturierungsmaßnahmen die Umsatzeinbußen und entsprechende Verluste nicht aufgefangen werden“, teilt das Unternehmen mit.Himolla: Was passiert mit den Mitarbeitern?Nun soll das Schutzschirmverfahren die Wende bringen. In den kommenden Monaten wird das Sanierungsteam versuchen, die Kosten zu senken und bessere Konditionen bei Kunden und Lieferanten auszuhandeln. Zudem dürfte die Suche nach einem Investor beginnen. Inwieweit es auch zu einem Abbau von Arbeitsplätzen kommen wird, blieb zunächst offen.„Unter dem Schutzschirm haben wir die Zeit und den rechtlichen Schutz, uns neu aufzustellen“, erklärte Sanierungsgeschäftsführer Peeters. In den kommenden Wochen wolle man einen Sanierungsplan erarbeiten, „der das Kerngeschäft stabilisiert und eine nachhaltige Perspektive für die Unternehmensgruppe eröffnet“.Der Geschäftsbetrieb soll dabei zunächst ohne Einschränkungen weiterlaufen. Alle Aufträge würden wie geplant abgewickelt, versichert Vertriebsgeschäftsführer Manfred Ziegler.Die rund 850 Mitarbeiter in Taufkirchen erhalten für die Monate Juni, Juli und August 2026 Insolvenzgeld. Die insgesamt über 2000 Beschäftigten der Gruppe erwirtschafteten zuletzt einen Jahresumsatz von knapp 190 Millionen Euro. Tochterunternehmen und Standorte in Polen, Rumänien, der Slowakei und Ungarn sind von dem für Deutschland beantragten Verfahren nicht unmittelbar betroffen. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! Anzeige Bellevue Ferienhaus Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen Anzeige Übersicht Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche Anzeige Finanzvergleich Die besten Produkte im Überblick