Ja, es lohnt sich, wenn ein Kabarettist einen Krimi schreibt. Inklusive Elixier aus dem FührerbunkerHorst Evers schafft etwas Seltenes: Er verbindet Spannung mit Humor. Sein irrwitziger Krimi handelt von den Elixieren des Führers.Jürg Zbinden28.06.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenErfindet einen Mord an einem Nazi-Devotio­nalien-Händler: Der deutsche Kabarettist und Autor Horst Evers.Anja LimmbrunnerEs wimmelt nur so von namentlichen Verweisen auf Hoch- und Populärkultur – von E. T. A. Hoffmann bis Spielberg – im zweiten Berlin-Krimi des vielseitigen, auch in Kleinkunst und Kabarett preisgekrönten Horst Evers. Da wäre zuerst die nach dem Reggae-Hit «Gimme Hope Jo’anna» von Eddy Grant aus dem Jahr 1988 benannte Kommissarin Hope Jo’anna Marlow (zu Chandlers Detective Marlowe fehlt nur das «e»).Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Geboren am Tag des Mauerfalls, dem 9. November 1989, schlägt sie, bevor sie zur Polizei geht, erst einmal eine Karriere als Sportlerin ein und bringt es bis zum Titel der Vize-Europameisterin im Taekwondo. Die koreanische Kampfkunst hat sie zum Glück dank regelmässigem Training nicht verlernt, und ihre Form wird schon bald auf Leben und Tod geprüft.Der Mord an einem Nazi-Devotio­nalien-Händler mit dem Spitznamen «Indiana Jens» fördert im Lauf der Ermittlungen Hanebüchenes zutage. Der Deal mit einer ursprünglich aus dem ­Führerbunker stammenden Superdroge ist offensichtlich schiefgegangen, Indiana Jens erlag einem Schlangenbiss. Darin verwickelt ist ein geheimer Orden, dessen Schattenhändlerin, die Mercatora, es in puncto Schnelligkeit und Dynamik mit Hope Jo’anna aufnehmen kann.Eine politisch weit rechts stehende Bierbrauerei, eine Jagdflinte mit eigenem Adelstitel («die ­Herzogin») und das mysteriöse Wohnhaus des gemeuchelten Jens ­stehen aber allesamt im Schatten des Wunderelixiers, von dem sich auch der junge Soldat Putin ein Schlückchen einverleibt haben soll. Trump kann man sich beim De­gustieren ebenso gut vorstellen. Evers’ irrwitzige Veräppelung des irr­sinnigen Nazi-Kults schreit im Kommandoton nach einer Fort­setzung.Horst Evers: Hope Joanna. Rowohlt Berlin 2026. 320 Seiten.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel