Wer ist am gefährlichsten? Werwölfe, Rechtspopulisten oder echte Wölfe?Der britische Autor Adam Weymouth ist dem Wolf durch drei Länder hinterher gereist. Sein Buch «Wolfspfade» schillert zwischen Sachbuch, Reportage und Essay.Anton Beck28.06.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenDer britische Journalist Adam Weymouth zeigt viel Verständnis für den Wolf.Sophie Bassouls / Sygma / Getty ImagesReiseschriftsteller bewegen sich mit ihren Texten in einem einzigartigen Feld – irgendwo zwischen Sachbuch, Reportage und Essay. Der Engländer Adam Weymouth liefert mit seinem neusten Buch «Wolfspfade» ein gutes Beispiel dafür. In drei Ländern, Slowenien, Österreich und Italien, folgt Weymouth den Spuren des Wolfs in Europa.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Über alle Jahrhunderte und knapp vierhundert Seiten hinweg beleuchtet er, wie der Wolf aus Europa verschwand und wie er wieder zurückkam, wie sich sein Image immer wieder wandelte – vom bösartigen Raubtier zum schützenswerten Wildtier, von der Märchengestalt in «Rotkäppchen» über den Werwolf-Mythos hin zur Plage für alpine Schäfer.Denn ebenso wie um den Wolf geht es in diesem Buch um den Umgang des Menschen mit dem Tier und damit um Politik. Tief blickt Weymouth in die italienische und die österreichische Innenpolitik und in das Schindluder, das vor allem rechtspopulistische Parteien mit dem Wolf treiben.«Wolfspfade» liefert, was der Titel verspricht – eine umfassende Suche nach den Spuren des Wolfs in Europa. Das ist durchaus lesenswert, kurzweilig und besonders in seinen Naturbeschreibungen stark. Vor allem dann, wenn sich Weymouths Erfahrungen und jene eines von der Forschung begleiteten Wolfes namens Slavc überschneiden: «Slavc kannte diesen Ort so gut wie den, den er verlassen hatte. Er kannte die Bäume, die Buchen und die Eichen, die Art, wie ihre Blätter unter seinen Füssen nachgaben, und den Geruch der Bäume in der kühlen Abendluft, wenn ihr Saft zu steigen beginnt.»Eine klare Antwort auf die Frage, wie Europa mit dem Wolf umgehen soll, gibt Adam Weymouth nicht, aber er zeigt ein tiefes Verständnis für dieses Tier.Adam Weymouth: Wolfspfade. Übersetzt von Felix Mayer. BTB 2026. 416 Seiten.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel