Warum Sie noch vor den Sommerferien Ihr Risiko an der Börse zurückfahren solltenWenn sehr hohe Aktienbewertungen auf ausserordentliche Risiken treffen, wird die Lage brenzlig. Es wird Zeit, ein paar Chips vom Tisch zu nehmen.28.06.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenWie geht es weiter an den Börsen? Auch diese Profis wissen es nicht.Investoren – vor allem Kleinanleger – sind manchmal felsenfest davon überzeugt, dass es nächstens zum Crash kommt. Sie verkaufen dann alle ihre Aktien in der Erwartung, später zu viel tieferen Kursen wieder einsteigen zu können. Was mit Blick auf die manchmal starken Kursschwankungen an der Börse sinnvoll scheint, verheisst selten Erfolg. Nur im Rückblick ist der perfekte Ein- und Ausstieg klar.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In aller Regel fahren Investoren mit «Augen zu und durch» viel besser. Böse Zungen behaupten, dass jene Depots mit Abstand am besten performen, deren Besitzer verstorben sind. Nachrichtenlose Vermögen also, die von dem Umstand profitieren, dass niemand mehr Umschichtungen vornimmt. Studien zeigen ebenfalls, dass Markttiming kaum je funktioniert, und ich weiss das leider auch aus eigener Erfahrung.Trotzdem würde ich gerade jetzt zu diesem Schritt raten, und es hat weniger mit dem Börsen-Bonmot «Sell in May and go away» zu tun.Die Investoren treibt gerade eine Vielzahl von Sorgen um: Die Blasenbildung bei KI. Turbulenzen im intransparenten Segment der Privatkredite. Der Iran-Krieg, der sich offenbar nicht so leicht beenden lässt, wie geglaubt. Und vor allem: Die Aussicht auf mehrere Zinserhöhungen in den USA.All das würde mich viel weniger beschäftigen, wären die Aktienbewertungen nicht so absurd hoch und die Finanzmärkte besser mit Liquidität versorgt.So aber rate ich dazu, vor den Sommerferien Risiken zu reduzieren. Es gibt kein Richtig oder Falsch, solange man nichts Extremes tut. Das hier sind bloss ein paar Ideen: Cash ist zwar King, 20 bis 30 Prozent des Portfolios genügen aber. Der Goldpreis hat deutlich korrigiert, ich glaube, man kann das Edelmetall wieder als Diversifikation beimischen. Das Gleiche gilt wohl für Bitcoin.Wer ein Aktienportefeuille will, das weniger hohe Bewertungen aufweist, erreicht dieses Ziel relativ einfach, indem er oder sie einen Anlagefonds wählt, der gleich gewichtet ist. In solchen Produkten werden also Ford, Prudential oder Whirlpool mit den genau gleichen Prozentsätzen berücksichtigt wie Alphabet oder Nvidia, wenn wir vom amerikanischen Aktienmarkt sprechen.Auch wer vermehrt auf Anlageprodukte mit kleinkapitalisierten Aktien oder auf Value-Titel setzt, kann die durchschnittliche Bewertung in seinem Portefeuille senken.Wichtig ist, eine Strategie zu wählen, die man ein, zwei Jahre durchhalten könnte, falls eine kurzfristige Korrektur ausbleibt. Wer all seine Aktien verkauft, ist dazu ziemlich sicher nicht in der Lage. Wenn man schon gegen die goldene «Augen zu und durch»-Regel verstösst, dann sollte man das also mit Bedacht tun.Denn hohe Bewertungen führen nicht per se zum Crash. Meist gibt es überhaupt keinen Zusammenhang zwischen Kennzahlen wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis und der Frage, wie es in den nächsten Monaten an der Börse weitergeht. Es muss also kein Unglück geschehen, wenn Sie am Strand sitzen – aber es könnte Ihre Ferien verderben. Sicher ist aber: Wer sehr hoch bewertete Aktien hält, muss über den Zeitraum von mehreren Jahren mit einer deutlich schlechteren Performance rechnen.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel