Elke Kahr ist die erste kommunistische Bürgermeisterin in Graz. Sie tröstet, gibt Ratschläge und ihr Geld. Am Sonntag will sie wiedergewählt werden.

B is halb eins in der Nacht war sie gestern unterwegs. Wahlkampf. Und jetzt sitzen schon wieder ein halbes Dutzend Leute auf den Bänken im Hof vor dem Volkshaus, einem ehemaligen Fabrikgelände und dem Hauptsitz der Kommunistische Partei Österreichs in Graz. Sie alle warten darauf, der Frau Bürgermeisterin in der Sprechstunde ihr Anliegen vorzubringen. Erschöpft sieht Elke Kahr an diesem Samstagmorgen aus.

Sie bittet die ersten zwei Besucher herein. „Sie sind der Sohn? Der Papa hat so oft von Ihnen gesprochen! Ham Sie an Durscht, möchten Sie was trinken?“ Kahr macht sich ans Kaffeekochen.

Der Raum ist groß und spärlich eingerichtet: Eine Kaffeeküche und ein paar Holztische in der Mitte, rot gestrichene Wände. Auf der Toilette fehlt die Seife. Ein Poster wirbt für „YUGO FEŠTA“, Kultur aus dem ehemaligen Jugoslawien. Der schwarze Kater Leni streift zwischen den Beinen umher. „Unser Chef!“, stellt Kahr ihn vor.

„Wie geht es Ihnen?“ fragt der Mann die Bürgermeisterin in gebrochenem Deutsch. „Ich geh ja nie zum Arzt. Da weiß man net, wie's einem geht.“ Sie lacht laut auf, dann zündet sie sich eine „Parisienne Jaune“ an, vom Handgelenk baumelt ihr ein türkisfarbenes Glasperlenarmband. „Na, passt ois. Muss. Bald is a Wahl, da wird ma sehen, wies ausgeht. Viele politische Mitbewerber, wie des heißt, würden gern sehn, dass wir net mehr da sind. Aber wir lassen uns net beirren.“