Zu kolonial kontaminiert, zu wenig Stadt: Die Bubble unserer Autorin ist nicht überzeugt vom Berliner Humboldt Forum. Und sie selbst? Ist peinlich verliebt.

Nicht alle sind begeistert: Das Humboldtforum Unter den Linden in Berlin wird fünf Jahre alt

Sabine Gudath/imago

G old schimmert im Halbdunkel, ein paar Frauen sitzen reglos auf einem Sockel, mal spannt sich der Latex, mal saugt er sich an ihre Körper und Muskeln treten hervor. Aus den Lautsprechern kommen Klänge wie aus dem All. Sarah Ama Duahs Performance „to build to bury to remember“ zeigt Objekte als selbstbestimmte Körper, die den kolonialen Blick zurückwerfen und hinterlässt bei mir ein Gefühl, das ich im Humboldt Forum erstaunlich oft habe: Begeisterung, gefolgt von Scham.

Denn das Humboldt Forum ist mein fragwürdiger Crush. In meiner Bubble finden es die meisten doof. Zu kolonial kontaminiert, zu sehr Schloss, zu wenig Stadt. Ich nicke dann meistens verständig, weil ja alles stimmt, und gehe trotzdem wieder hin. In den fünf Jahren seit der Eröffnung besuche ich dort Lesungen, Performances, Konzerte und Diskussionen und denke: Wie gut ist das denn bitte? Dann schaue ich mich um und sehe vor allem ältere Menschen in Funktionskleidung, höre Englisch oder Spanisch. Ich suche nach Hinweisen, dass sich das Humboldt Forum endlich in die Stadtgesellschaft hineingebohrt hat. Aber andere Leute treffen, die man von irgendwoher kennt? Fehlanzeige!