Kriegskultur ist ein grausames Wort. Und doch befördern auch militärische Konflikte kulturelle Veränderungen. Siege und Niederlagen fordern zu neuer Form und neuer Gestalt, Flucht und Migration schaffen Begegnung. „Die Kultur kann die Leidenschaften, Laster und Bosheiten durchaus nicht entbehren“, schrieb Friedrich Nietzsche in „Menschliches, Allzumenschliches“.

„Ohne den Krieg würden wir hier nicht spielen“, sagt auch Bassem Hawar, ein irakischer Musiker aus Köln. Kurz zuvor hat sein Nouruz-Ensemble gemeinsam mit der vierköpfigen A-Cappella-Formation Ars Choralis Coeln das Montalbane-Festival in Freyburg an der Unstrut eröffnet. Motto: „Das Unbekannte“.

Hawar spielt die Djoze, arabisch für Nuss, ein Saiteninstrument aus der Schale einer halben Kokosnuss, verschlossen mit Fischhaut oder einer Membran aus Rinderherz. Im Jahr 2000 ist er nach Deutschland gekommen. Alle Musiker des fünfköpfigen Ensembles stammen aus dem Iran, dem Irak oder Syrien. Alle hätten, sagt Hawar, in ihrer Heimat im Gefängnis gesessen.

Die Geschichte geht ihren Weg

Krieg und Flucht stehen für Zerstörung und Begegnung, für Vernichtung und Geburt. Und immer für Herausforderung. Dass inzwischen mehr als sechs Millionen Muslime in Deutschland leben, dass der Islam zu Deutschland gehört, ruft bei vielen Missbehagen hervor. Kurzfristig mag das folgenreich sein, historisch ist es ohne Belang. Die Geschichte geht ihren Weg.