Es sollte ein letzter Tanz für Senegals goldene Generation sein. Stattdessen droht diese Weltmeisterschaft zu einer aus dem Takt geratenen Darbietung zu werden, bei der am Ende kaum noch etwas zusammenpasst. Nach dem Gewinn des Afrika-Cups, der Mitte März am Grünen Tisch wieder aberkannt wurde, war die Nationalmannschaft mit großen Hoffnungen in das Turnier gestartet. Getragen von verdienten Führungsspielern sollte nach 2002 und 2022 abermals die K.-o.-Runde erreicht werden.Nach einem 1:3 gegen Frankreich und einem 2:3 gegen Norwegen ist das Scheitern in der Vorrunde aber nicht mehr nur ein theoretisches Szenario, sondern eine reale Gefahr. Beide Gruppengegner haben sich mit jeweils sechs Punkten bereits für die Runde der letzten 32 qualifiziert. Senegal muss dagegen auf einen Platz unter den acht besten Gruppendritten hoffen und dafür das letzte Spiel gegen den Irak am Freitag gewinnen (21 Uhr MESZ im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM und bei Magenta TV).Die „Löwen von Teranga“ sind noch nie mit zwei Niederlagen in eine WM gestartet, und in dem westafrikanischen Land fragt man sich inzwischen, wie sich die Mannschaft innerhalb weniger Monate so verschlechtern konnte. Zwar hat Senegal womöglich die schwerste Gruppe erwischt und traf gleich zu Beginn auf die beiden stärksten Gegner. Trotzdem wird Trainer Pape Thiaw auch vorgeworfen, zu wenig aus dem Kader herauszuholen.Gegen Norwegen hatte der Fünfundvierzigjährige überraschend dieselbe Startelf wie im ersten Gruppenspiel aufgestellt. Dabei war schon gegen Frankreich erkennbar, dass so mancher Routinier an seine Grenzen gerät. Sadio Mané, Idrissa Gueye und Kalidou Koulibaly können an guten Tagen vielleicht noch immer den Unterschied machen. Doch es scheint, als sei der Afrika-Cup ihr Höhepunkt gewesen: Die Achse wirkt überspielt, außer Form und nicht mehr auf ihrem früheren Niveau.Schon vor dem Afrika-Cup hatten einige Kritiker Manés Alter und seinen Formabfall seit dem Wechsel nach Saudi-Arabien bemängelt. In Marokko widerlegte er diese Bedenken noch und wurde als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet. Bei dieser WM blieben aber sowohl Mané als auch Gueye bislang weitgehend wirkungslos. Koulibaly war gegen Norwegen gar an allen drei Gegentoren beteiligt. Nur Torhüter Édouard Mendy gelang es, zumindest phasenweise sein gewohntes Niveau zu erreichen. So entsteht der Eindruck, als behandele Thiaw diese WM eher wie eine Abschiedsparade für die alte Garde als wie ein Turnier, bei dem die stärksten Spieler auf dem Platz stehen müssen.Unruhe neben dem Platz – Talente auf der BankDabei sitzen durchaus Spieler auf der Bank, die für mehr Dynamik und Unberechenbarkeit sorgen könnten. Talente wie Ibrahim Mbaye (Paris Saint-Germain), Assane Diao (Como 1907) und Bara Sapoko Ndiaye (FC Bayern) oder auch Iliman Ndiaye (FC Everton) werden von Thiaw aber kaum berücksichtigt. Insbesondere Mbaye hatte nach seiner Einwechslung gegen Frankreich angedeutet, welches Potential in ihm steckt – inklusive eines Tores. Viele Beobachter sehen darin einen strategischen Fehler Thiaws: Er vertraut stärker auf Reputation als auf frischen Wind.Polarisiert: Senegals Trainer Pape Thiaw will seine Mannschaft weniger berechenbar machen.dpaHinzu kommen Probleme, die über den Platz hinausgehen. Schon vor dem Turnier hatte es erhebliche Unruhe im Umfeld der Mannschaft gegeben. Thiaws Vertrag war im Februar ausgelaufen, nach F.A.Z.-Informationen verzögerte sich sogar die Abreise in die USA um mehrere Stunden, weil er seine vertragliche Situation geklärt wissen wollte. Inzwischen haben sich beide Seiten geeinigt. Es habe zu lange gedauert, sagte Thiaw, „aber es ging nie um Geld, sondern um Prinzipien und Respekt“.Mehrere Medien berichteten zuletzt, dass auch die Spieler noch auf ausstehende Prämien warten. Damit begann diese WM für Senegal unter allen anderen als idealen Voraussetzungen – zumal Thiaws Autorität ohnehin angeschlagen ist. Seit dem Amtsantritt im Dezember 2024 wird er ständig mit seinem erfolgreichen Vorgänger Aliou Cissé verglichen, der zwar ebenfalls dafür kritisiert wurde, gemessen an der Qualität seines Kaders zu wenig attraktiven Fußball spielen zu lassen, aber als diszipliniert, pragmatisch und führungsstark galt.Thiaw versucht, Senegals taktische Möglichkeiten zu erweitern und die Mannschaft weniger berechenbar zu machen als unter Cissé. Gleichzeitig polarisiert er aber auch stärker, nicht zuletzt mit seinem Verhalten im Afrika-Cup-Finale, als er die Mannschaft aus Protest gegen eine Schiedsrichterentscheidung aufforderte, den Platz zu verlassen. Wegen „unsportlichen Verhaltens“ wurde er für fünf Spiele gesperrt. Aus einem Mann, der Senegal vereint hat, ist einer geworden, der die öffentliche Meinung spaltet.„Wir haben noch diese eine Chance“Noch ist Senegal nicht ausgeschieden, und Thiaw verweist zu Recht darauf, dass mit einem Sieg gegen den Irak die kleine Hoffnung auf den Einzug in die K.-o.-Runde erhalten bleibt. Es sei zu früh, um von einem Scheitern zu sprechen. „Die Ausgangslage ist extrem schwierig. Aber wir haben noch diese eine Chance, und die wollen wir nutzen“, sagte er nach der Niederlage gegen Norwegen: „Wenn wir die nächste Runde erst einmal erreichen, beginnt das Turnier ohnehin komplett von vorne.“Doch selbst wenn Senegal die Vorrunde überstehen sollte, wirkt es, als klammere sich die Mannschaft zu lange an das, was sie einmal stark gemacht hat. Ein bisschen erinnert die Situation an Belgien, wo von der goldenen Generation auch vor allem der Glanz vergangener Tage geblieben ist. Senegal könnte bei diesem Turnier nicht nur an einer schweren Gruppe scheitern, sondern auch an der eigenen Weigerung, den Übergang zur nächsten Generation rechtzeitig einzuleiten.
Fußball-WM 2026: Sadio Mané und Co. auf Abschiedstournee mit Senegal
Obwohl auf der Ersatzbank vielversprechende Talente warten, vertraut Senegals Trainer Pape Thiaw eher seinen Altstars. Doch Sadio Mané und Co. wirken überspielt. Das ist nicht das einzige Problem des Teams.








