Es ist ein Brief mit brisantem Inhalt: Der Autohersteller Mercedes hat seine Mitarbeiter am Freitag auf weitere Einschnitte eingestellt, um das Geschäft zu stabilisieren. „Wir müssen handeln“, heißt es alarmierend in dem Schreiben, das der F.A.Z. vorliegt und das an die gesamte Belegschaft ging. „Der Erfolg unserer Produktoffensive droht zu verpuffen, wenn zu hohe Kosten die Erträge auffressen.“ Die Schlüsse, die das Unternehmen aus dieser Analyse zieht, sind weitreichend. „Die Arbeitsstunde muss günstiger werden – in Entwicklung, Vertrieb, Verwaltung und Produktion. Der direkteste und in unseren Augen fairste Weg: Wir sollten in allen Bereichen für das gleiche Geld mehr arbeiten.“Als Sofortmaßnahme kündigt der Vorstand an, die „Transformationsbaustein“ genannte Sonderzahlung, die 18,4 Prozent des Monatslohns ausmacht und eigentlich im Juli ausgezahlt werden sollte, zunächst ins nächste Jahr zu verschieben. Zudem hat das Unternehmen für alle Führungskräfte zusätzlich zu den Nullrunden beim Gehalt der vergangenen beiden Jahre bereits ein neues Bonussystem vereinbart, das noch stärker als bisher die Gehälter an den Unternehmenserfolg koppelt. „Und ja, manche Produkte und Verwaltungsfunktionen werden wir künftig an wettbewerbsfähigere internationale Standorte verlagern, um den Erfolg des Unternehmens langfristig zu sichern“, schreibt der Vorstand in dem Brief weiter. Bisher arbeiten zwei Drittel der Belegschaft in Deutschland.Mercedes will um Heimatstandort kämpfenWeitere Details zu den Sparmaßnahmen nannte das Unternehmen auf Anfrage der F.A.Z. nicht. Mit dem Vorstoß und dem Schreiben will Mercedes für den Standort Deutschland und das Verbleiben der Produktion in der Heimat von Mercedes kämpfen, heißt es aus Unternehmenskreisen. Man könne die Entgelte nur sehr schwer kürzen, aber eine Ausweitung des Arbeitspensums sei möglich. Auf diese Weise könnten die Lohnstückkosten nachhaltig gesenkt werden.Das Unternehmen verweist in dem Brief darauf, dass bei Mercedes mehr als zwei Drittel der Beschäftigten in Deutschland arbeiten, obwohl das Unternehmen nur etwa 15 Prozent des Umsatzes im Heimatmarkt erwirtschaftet. „Unsere Werkskapazität in Deutschland liegt deutlich über dem Bedarf. Der Krankenstand ist im internationalen Vergleich teils um ein Vielfaches höher, die Zahl der jährlichen Arbeitstage niedriger“, schreibt der Vorstand. Mercedes werde durch die Zölle, die Absatzflaute in China und durch die hohen Kosten in Deutschland dreifach belastet.Der Gesamtbetriebsrat kritisiert den Vorstoß scharf. Er verweist darauf, dass die Maßnahmen auf einer einseitigen Entscheidung des Unternehmens beruhen und ausdrücklich kein Ergebnis gemeinsamer Verhandlungen mit der Arbeitnehmervertretung sind. Die Ursachen der Herausforderungen lägen nicht bei den Beschäftigten, erklärten die Arbeitnehmervertreter. „Trotzdem sollen jetzt erneut die Beschäftigten einen erheblichen Teil der Last tragen“, heißt es in der Stellungnahme. „Gerade vor dem Hintergrund einer teilweise geringeren Auslastung an den deutschen Standorten ist das kein überzeugendes Zukunftskonzept.“
Mercedes: Mitarbeiter sollen für gleiches Geld mehr arbeiten
Mercedes verschärft seinen Sparkurs. Eine Sonderzahlung wird vertagt. Der Autohersteller verlagert Produkte und Verwaltungsfunktionen – und die Mitarbeiter sollen für das gleiche Geld mehr arbeiten.










