Nur noch ein paar Wochen, dann bekommt Elon Musk, 54, Gesellschaft aus Gräfelfing. Nicht im Klub der Billionäre, dessen erstes und vorerst einziges Mitglied der Zampano aus dem Silicon Valley sich nach dem Börsengang seiner Raketenfirma SpaceX zu werden anschickt. Wohl aber in der kleinen Schar der Unternehmer, die das menschliche Gehirn mit Computern verknüpfen und auf diese Weise einen großen Schritt in die technologische Zukunft machen wollen. Daran werkelt Musk mit seiner Firma Neuralink seit 2016, und nach seinem eigenen Gefühl für Geschwindigkeit darf man wohl sagen: höchste Zeit, dass ihm einer Dampf macht. Clemens Fischer, 50, promovierter Mediziner und bekennender Selfmademan, steht dafür bereit. „Ich will Musk auf diesem Feld schlagen“, sagt er der F.A.S. im Brustton der Überzeugung.
Das verweist auf schon Geleistetes. Da hat Fischer gerade eine besondere Woche hinter sich. Am Dienstag hat er mit seinem Unternehmen Vertanical von der Arzneimittelaufsicht die Zulassung für ein neues Medikament zur Behandlung von Schmerzpatienten auf der Basis von Cannabis erhalten. Es ist das erste seiner Art; diese amtliche Anerkennung hatte die Gemeinde der Hersteller von pflanzlichen Arzneimitteln in den vergangenen Jahren gesucht wie den Heiligen Gral. Das Potential liegt auf der Hand. In Deutschland wurden 2025 mehr als 160.000 Rezepte für Cannabisblüten von der Krankenkasse erstattet, weil der entspannende Wirkstoff der Hanfpflanze für Patienten mit chronischen Schmerzen häufig die letzte Rettung ist. Hinzu kommen noch viel mehr Menschen, die Cannabisblüten auf Rezept bekommen, es aber aus der eigenen Tasche bezahlen.Insgesamt wurden 2025 rund 200 Tonnen Cannabisblüten zu diesem Zweck nach Deutschland importiert. Dabei ist der begehrte Stoff in der Logik der Arzneimittelversorgung ein Fremdkörper. Die Dosis lässt sich nicht exakt bestimmen, die Wirkung nicht auf dieselbe Weise mit Studien belegen wie für herkömmliche Medikamente aus der Pharmabranche. Will sagen: So groß die Nachfrage nach den Blüten schon ist, dürften sich Ärzte, Apotheker und Krankenversicherungen mit einem standardisierten Arzneimittel noch viel leichter tun. Clemens Fischers neues Präparat namens Exilby stößt in diese Lücke. Er will es nicht nur in Europa, sondern auch in den USA anbieten. Die Cannabisplantage, die er seit Jahren in Dänemark betreibt, kann Fischer zufolge bis zu zehn Tonnen Rohstoff im Jahr liefern, genug für fünf Millionen Arzneimittelflaschen.Fischer verspricht: Langfristig können wir den Schmerz abschaltenMehrere Hundert Millionen Euro habe die Entwicklung des Medikaments bisher gekostet, berichtet der Unternehmer. „Bezahlt ohne externe Investoren.“ Dazu muss man wissen, dass Fischer die deutsche Drogerie- und Apothekenwelt schon eine Weile aufmischt. Das Kerngeschäft sind rezeptfreie Mittel, teils anderen Herstellern abgekauft, für die er mit einzigartiger Wucht Reklame macht. Klassiker wie Spalt und Baldriparan zählen dazu; Kijimea zur Behandlung von Reizdarm dürfte aus dem Sortiment heute am bekanntesten sein. Rund zwanzig Firmen hat Fischer gegründet, die jeweils eigene therapeutische Felder bearbeiten. Die Holding Futrue mit Sitz im Gewerbegebiet von Gräfelfing bündelt die Geschäfte. Zu ihr gehört Futrue Neurosciences, wo es um die Verbindung von Hirn und Computer geht. Das Ziel ist, vereinfacht gesagt, einerseits Gedanken lesen und andererseits den Körper fernsteuern zu können. Fischer spart nicht an großen Worten. „Das wird die Menschheit in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren verändern wie nichts anderes bisher. Diese Brain-Computer-Interfaces werden Gelähmte wieder gehen und Blinde wieder sehen lassen können“, verheißt er. „Und: Langfristig werden wir den Schmerz abschalten können.“ Das ist die Anwendung, die er selbst sich vorgenommen hat; in wenigen Wochen soll am Münchner Klinikum Rechts der Isar zum ersten Mal ein Chip aus Fischers Firma testweise einem Patienten eingepflanzt werden. In der Entwicklung steht Futrue also noch am Anfang, einige Wettbewerber sind weit voraus. Davon will Clemens Fischer, als Sohn einer alleinerziehenden Krankenpflegerin in Murnau aufgewachsen, sich nicht einschüchtern lassen. Die besten Elektroden, die besten Chips, die beste Software – all das habe er, und zwar „made in Germany“. So etwas hat man lange nicht gehört. „Ich bin überzeugt, dass wir sie alle einholen“, grüßt Fischer die Konkurrenz. „Viel schneller, als sie selbst das glauben.“ Elon Musk hätte es kaum schneidiger sagen können.









