Höchststrafe für den Attentäter von Magdeburg: Taleb A. muss lebenslang in HaftDer Angeklagte war am 20. Dezember 2024 mit einem Auto auf den Weihnachtsmarkt der Stadt gerast. Fünf Frauen und ein Kind wurden getötet. Viele der Verletzten leiden noch heute unter der Tat.26.06.2026, 10.01 Uhr3 Leseminuten«Es ging und geht dem Angeklagten nur um sich selbst»: Taleb A. während des Prozesses.Hendrik Schmidt / dpaDer Attentäter von Magdeburg, Taleb A., ist am Freitag zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Gericht stellte ausserdem die besondere Schwere der Schuld fest. Eine Anordnung der Sicherungsverwahrung bleibt vorbehalten. Der Arzt aus Saudiarabien war am 20. Dezember 2024 mit einem 340 PS starken Mietwagen durch eine Lücke zwischen Betonabsperrungen auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt gefahren und durch die Menschenmenge gerast. Fünf Frauen und ein neunjähriger Junge wurden getötet, Hunderte von Menschen verletzt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Generalstaatsanwaltschaft zeigte sich in ihrem Schlussplädoyer überzeugt, dass die Tat lange geplant war. Ernsthafte ideologische Ziele habe der Angeklagte nicht verfolgt. «Es ging und geht dem Angeklagten nur um sich selbst», sagte der Oberstaatsanwalt Matthias Böttcher.Ein psychiatrischer Sachverständiger bescheinigte dem Angeklagten eine narzisstische Persönlichkeitsstörung. Der Polizei, dem Verfassungsschutz und Staatsanwaltschaften war er bereits mehrfach aufgefallen, doch nichts war gegen Taleb A. unternommen worden. Bis zur Tat war er ausserdem als Psychiater im Massregelvollzug angestellt, obwohl er enorme fachliche Lücken aufwies. Auch dort blieb man untätig.Der Angeklagte randalierte mehrfachDer Prozess war einer der grössten der deutschen Nachkriegsgeschichte. 204 Betroffene hatten sich als Nebenkläger angeschlossen. Um allen die Gelegenheit zu geben, am Prozess teilzunehmen, liess das Land Sachsen-Anhalt eine Halle in Leichtbauweise errichten, die nach dem Prozess wieder abgebaut werden soll. Laut einem Gerichtssprecher hatte allein der Verhandlungssaal eine Fläche von 2300 Quadratmetern. Insgesamt wurden 109 Zeugen gehört. Hinzu kamen Rechtsmediziner, Psychiater und Unfallgutachter als Sachverständige.Die Verhandlungen fanden unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Der Angeklagte sass während der 40 Prozesstage gemeinsam mit seinem Verteidiger in einer Glaskabine. Mehrfach mussten Spezialkräfte eingreifen, weil der Angeklagte ausfällig wurde und randalierte.Nach der Amokfahrt gedachten in Magdeburg zahlreiche Bürger der Opfer.Omer Messinger / Getty Images EuropeWährend das Gerichtsverfahren die individuelle Schuld klärte, rückte nach der Amokfahrt auch eine andere Frage in den Vordergrund: Hätte die Tat verhindert werden können?Ein Untersuchungsausschuss, der vom sachsen-anhaltischen Landtag eingesetzt wurde, kam im Mai zu dem Ergebnis, dass die politische Verantwortung für die Tat «ganz überwiegend» bei der Stadt Magdeburg zu verorten sei. «Schwächen und Fehler im Handeln von Behörden» hätten es dem Täter «zusammen betrachtet leicht gemacht», hiess es in dem Abschlussbericht. Das Sicherheitskonzept sei veraltet gewesen, zudem habe sich keine der beteiligten Institutionen, weder der Veranstalter noch Stadt oder Polizei, verantwortlich gefühlt.Viele Betroffene leiden noch heute unter Angst- und PanikattackenIn dem Prozess kamen zahlreiche Betroffene als Zeugen zu Wort. «Ich wusste bis zu diesem Abend nicht, wie sich Todesangst anfühlt», sagte etwa eine 39-jährige Frau, die sich mit ihrer Sportgruppe auf dem Weihnachtsmarkt verabredet hatte. Das Fahrzeug des Attentäters riss die Frau am Rucksack mit, die Finger ihrer linken Hand wurden überfahren. Als medizinische Fachangestellte sei sie trotz ihren Verletzungen sofort zur Ersthelferin geworden. Bis heute höre sie die Schreie, sagte die Frau.Dass die Unbeschwertheit und Leichtigkeit verlorengegangen sei, berichteten zahlreiche Betroffene. Viele leiden noch immer unter Schlafstörungen sowie unter Angst- und Panikattacken. Einige gaben an, übermässig wachsam und schreckhaft zu sein und Menschenmengen zu meiden. Manche wurden durch den Anschlag zum Pflegefall, einige können bis heute nicht wieder arbeiten. Unter den Opfern sind auch viele Kinder und Jugendliche.Mit Material der Deutschen Presse-AgenturPassend zum Artikel
Attentäter von Magdeburg: Lebenslange Haft für Taleb A.
Der Angeklagte war am 20. Dezember 2024 mit einem Auto auf den Weihnachtsmarkt der Stadt gerast. Fünf Frauen und ein Kind wurden getötet. Viele der Verletzten leiden noch heute unter der Tat.










