Da kommt etwas Großes auf München zu. Oder besser: Es steht schon da. Es ist eine Sie, unverkennbar hat der Musiker The Weeknd wie vor drei Jahren seine Androiden-Frau mitgebracht. Sie steht wieder in der Mitte des Publikums, das ein Kreuz aus Stegen in vier Viertel teilt. Aber sie ist gewachsen, statt acht Meter ragt sie nun mehr als 13 Meter in der Mitte der Allianz-Arena empor, statt in einer silbernen Haut steckt sie nun in einer goldenen, wie eine weibliche Version des Star-Wars-Roboters C-3PO. Sorayama, wie die Goldelse heißt, steht für das Ende der Schöpfung, für die Krone, aber auch den Untergang, das hohle Ego.Vorhang auf für The Weeknd, die kanadische Hit-Maschine, die derzeit die Krone der Liedermacherzunft trägt. Tatsächlich gibt es hier natürlich keinen Vorhang, der ganze rote Stoff wurde für die Kutten der etwa 40 Tänzer mit goldenen Masken benötigt, die sich auf der Hauptbühne vor einer bronzefarbenen Stadtruine versammeln. Unter der Goldmarie erscheint unter Flammenstößen in Rauch gehüllt The Weeknd. Er trägt schwarze Hosen, eine schwarze Militärweste und eine schwarze Maske mit rotglühenden Augen.Der Elektro-Bass fährt den 60 000 Fans sofort in die Knochen, der Falsettgesang von The Weeknd schneidet tief, es ist ein brutaler Sound zum Start des Konzerts. Er beginnt mit drei Songs aus seinem aktuellen Album „Hurry Up Tomorrow“: „Baptised in Fear“ geht wie auf Platte nahtlos in „Open Hearts“ über, die roten Kuttenträger umtanzen wie in einem Kult die goldene Statue. Danach lässt sich der Sänger erst mal ausgiebig bejubeln. Und bittet dann in „Wake Me Up“ aufgeweckt zu werden aus seiner Not, ein Song in den übrigens Schnispsel von Giorgio Moroders „Scarface“-Soundtrack und Michael Jacksons „Thriller“ versteckt sind.Dann fällt die Maske und aus dem Phantom wird einen Moment Abel TesfayeIn diesem düster-epischen Beginn rast er weiter durch Songs des vierten Albums, seines weltweiten Durchbruchs 2019, mit „After Hours“, und findet über sein altes Ego „Starboy“ zum Glauben: „Faith“. In das Stück baut er erstmals eine Reminiszenz an diesen Ort ein: Er fand seinen Glauben in München, singt er.Und dann fällt die Maske, aus dem Phantom The Weeknd wird einen Moment Abel Tesfaye. Die Menge bejubelt sein echtes Gesicht. Und der Musiker sagt, es sei viel zu lange her, dass er hier in München gewesen sei. „Auf keiner Welttour darf ich diese Stadt auslassen.“ Und hier und heute sei es ein besonders wichtiges Konzert, „denn heute setzt ihr den Ton für die ganze Tour in Deuschland“. Der Ton ist überaus euphorisch.Was läuft im Pop:Mit drei Konzerten von Nina Chuba startet der Münchner Pop-SommerIm Olympiapark gibt es außerdem viel Freiluft-Freude mit den „Toten Hosen“, dem „Sommernachtstraum“ und der zweiten Tollwood-Hälfte. Auch Muffatwerk und Import Export feiern mit sommerlichen Gefühlen.„Blinding Lights“ führt mit 5,4 Milliarden Klicks die Liste der meistgehörten Songs auf Spotify anDrei Tage hintereinander tritt The Weeknd in Münchens derzeit größter Konzert-Stätte auf. Es ist hier das größte Pop-Ereignis in einer nicht gerade ereignisarmen Saison – und doch ist es nur ein Rekord unter zahlreichen des kanadischen Superstars. Fast täglich wird auf Instagram ein neuer Streaming-Höchststand eines seiner vielen Hits verkündet, momentan sind es laut seiner eigenen Plattenfirma XO Records 27 Songs mit jeweils mehr als einer Milliarde Streams. An der Spitze steht „Blinding Lights“, das mit 5,4 Millarden Klicks die Liste der meistgehörten Songs auf Spotify anführt.Wenn man es nicht besser wüsste, man könnte meinen, Multi-Krösus Elon Musk würde sich auch noch hinter der Maske des erfolgreichsten Pop-Musikers dieser Ära verbergen. Aber der anfangs anonym agierende Musiker aus Toronto hat längst sein Gesicht gezeigt, sich als Abel Makkonen Tesfaye zu erkennen gegeben. Mittlerweile ist er auch Schauspieler, spielte in der Streaming-Serie „The Idol“ an der Seite von Johnny Depps Tochter einen großen Manipulator und im Film „Hurry Up Tomorrow“ sich selbst (rekordverdächtig oft nominiert für den Schmähpreis „Goldene Himbeere“).Der Film ist der cineastische Schlusspunkt seiner Album-Trilogie mit „After Hours“, „Dawn FM“ und „Hurry Up Tomorrow“ und soll letztendlich erklären, warum The Weeknd nach 15 Jahren sein Pseudonym zerstören und seine bisherige Karriere beenden will. Beim Konzert in Kopenhagen hat er angekündigt, er werde sich nun „ein paar Jahre lang zurückziehen“, um an „etwas Besonderem zu arbeiten“. Erst einmal macht er aber mit seiner „After Hours Till Dawn“-Stadion-Weltreise weiter, für die alleine 2026 schon drei Millionen Tickets verkauft wurden. Nach München geht es für weitere drei Konzerte nach Frankfurt, für fünf Shows ins Wembley-Stadion in London und im Herbst nach Asien, wo schon etliche Zusatzkonzerte angesetzt wurden. Auf zu neuen Rekorden.Der Artikel schildert die ersten Eindrücke vom laufenden Konzert von The Weeknd in München. Eine ausführliche Kritik finden Sie morgen auf www.sueddeutsche.de.
Deutschland-Auftakt: So überraschte The Weeknd bei erstem Konzert in München
Lang, länger, verlängertes Wochenende: Der kanadische Superstar The Weeknd bringt seine Show der Rekorde drei Tage hintereinander in die Allianz-Arena. So überrascht er die Fans in der ersten Nacht.







