Harvard Business manager: Frau Effertz, wann werden Sie an ein Theater oder zu einem Filmset gerufen?Julia Effertz: Wenn es um intime Szenen geht und darum, die persönlichen Grenzen der Schauspielenden zu schützen. Bei der Darstellung von Küssen, von Sex und besonders von sexualisierter Gewalt können diese Grenzen überschritten werden, wenn die Arbeit nicht professionell vorbereitet und begleitet wird.
Wie gehen Sie bei Ihrer Arbeit vor?Zuerst lese ich das Drehbuch, analysiere die Szenen auf mögliche Risiken und spreche mit der Regie, schließlich muss ich ihre künstlerischen Vorstellungen kennen. Dann gehe ich mit den Schauspielenden ins Gespräch: Wo liegen ihre Grenzen? Was brauchen sie, um gut arbeiten zu können? Aus diesen Absprachen entwickeln wir gemeinsam, Bild für Bild, eine stimmige Choreografie für die Szene, bei der alle Beteiligten wissen: Was erzählen wir emotional und körperlich? Wo werden zum Beispiel Hände platziert, welche Bewegungen braucht man, damit es auf der Kamera realistisch aussieht und unsere Geschichte erzählt? Ich vergleiche meinen Job gern mit dem einer Stuntkoordinatorin. Auch sie ist dafür zuständig, Gefahren zu minimieren.
Bei einem Stunt kann man abstürzen und sich alle Knochen brechen. Worin besteht das Risiko bei intimen Szenen?Die körperliche und sexuelle Selbstbestimmung kann verletzt werden. Das kann so weit gehen, dass Schauspielende bei der Arbeit sexualisierte Gewalt erleben oder frühere Traumata getriggert werden. Deswegen muss besonders sorgfältig auf Sicherheit geachtet werden.






