Noch ist es ganz friedlich am neuen Wasserbecken der Fischkatzen. Aber das wird sich bald ändern. Dann wird dort etwas zu beobachten sein, was es im Tierpark Hellabrunn noch nie gab – und vielleicht nicht nur auf Verständnis stoßen wird.Zunächst aber ist friedlich ein eher unpassendes Adjektiv für das Gewusel am Donnerstagvormittag in der Dschungelwelt, die an diesem Tag feierlich eröffnet wird. Es strömen Dutzende Besucher und geladene Gäste durch die neu gestaltete Anlage und lassen sich von Zoo-Chef Rasem Baban die wichtigsten und interessantesten Themen erklären.Wiedereröffnung der Dschungelwelt nach vier Jahren und etwa elf Millionen Euro Umbaukosten, das bedeutet: Rednerpult, Buffet, Sonnenschirme, Gäste aus der Politik und ein Zoo-Direktor, der sich vorgenommen hat, seine Besucher zu unterhalten. Etwa mit der Erwähnung von 2-Acetyl-1-pyrrolin. Das könne man riechen, wenn man die Anlage betritt, landläufig umschreibt er diesen Geruch als eine Mischung aus Oktoberfest und Kino, also aus Essensduft und Popcorn-Geruch.Dafür verantwortlich sind die Ausdünstungen der neu eingezogenen Binturongs, Schleichkatzen mit langen Schwänzen, die nun dort residieren, wo einst die Löwen wohnten, als die 1995 erbaute Dschungelwelt noch die alte war. Die Kunst war es, sagt Baban, das Gebäude komplett zu erneuern, dabei aber die darin gewachsene Vegetation am Leben zu erhalten. Also unzählige Pflanzen, die im Regenwald von Indonesien beheimatet sind. Auch deshalb hat der Umbau länger gedauert als geplant, ursprünglich war die Wiedereröffnung für 2024 geplant.Es gibt nun eine komplett neue Belüftungs- und Benebelungsanlage, die an diesem Vormittag das Gebäude auf 25 Grad und 88 Prozent Luftfeuchtigkeit hält. Da fühlen sich in den insgesamt fünf neuen Gehegen etwa der Vogel Sumatra Häherling oder die Zwergotter wohl. Die sind mit den Binturongs vergesellschaftet, teilen sich also eine Anlage.Im unveränderten Innenraum hängen schwarze Flughunde von den Ästen der Bäume, von den 36 Arten, die hier demnächst wohnen sollen, sind 16 bereits eingezogen. Darunter auch Winkerfrösche, die so heißen, weil sie sich im Regenwald mit Beinbewegungen bemerkbar machen statt mit Geräuschen, was daran liegt, dass sie akustisch im lauten Umfeld schlicht nicht durchkämen.Auch Papua-Hornvögel leben in der neuen Dschungelwelt. Johannes SimonDas wiederum ändert sich gerade in Indonesien, wo der Tierpark eine Kooperation mit dem Chikananga Wildlife Zentrum auf Java unterhält. Das Ziel: die bedrohten Singvögel schützen, die als Ziervögel begehrt sind und gewildert werden. Der Dschungel wird dort deshalb immer stiller, was niemand will, außer vielleicht den Winkerfröschen. München hilft dabei mit, sogenannte Reserve-Populationen aufzubauen für manche Arten, etwa auch den Balistar, eine Art Wappentier der neuen Dschungelwelt.Der Vogel ist auf vielen Erklärtafeln zu sehen, die gemäß dem Bildungsansatz des Zoos zu Dutzenden aufgehängt sind rund um den kleinen Hügel, der bestehen bleibt samt einem kleinen Wanderweg darüber. Darunter findet sich nun allerdings keine Spinnen-Station mehr, sondern ein klimatisiertes Labor voller Mikroskope. Von dort kann man dann in wenigen Schritten zu den am Rand liegenden Gehegen gehen, etwa den beiden der Fischkatzen.Auch Kalong „Flying Fox“-Flughunde sind hier heimisch. Johannes SimonZwei deshalb, weil auch hier nachgezüchtet werden soll, der etwaige Nachwuchs allerdings vom männlichen Tier getrennt werden muss. Die scheuen Raubtiere, laut Baban neben Tigern die einzigen Raubkatzen, die freiwillig ins Wasser gehen, sind an diesem Vormittag nicht zu sehen, die neuen Wasserbecken liegen wellenlos da. Das ist eine sichtbare Veränderung der neuen Gehege: Mehr Wasser, in jeder einzelnen Anlage, die von ausnahmslos neu vom Zoo aufgenommenen Tieren bewohnt werden. Dafür wurden andere abgegeben (Python) oder umgezogen (Löwen und Manule).Zoo-Chef Baban zeigt den Honoratioren wie Bürgermeisterin Verena Dietl die Anlage, eine der vielleicht spannendsten Neuigkeiten kommt allerdings nicht vor: dass im Münchner Zoo bald auch live vor Zuschauern gestorben wird. Bislang verfüttern die Tierpfleger bereits lebende Insekten an Reptilien, aber sonst nur Tierkadaver an Fleischfresser. Die Fischkatzen werden nun die ersten sein, die auch lebende Fische fangen dürfen. Warum?Da komme das Schlagwort Enrichment ins Spiel, sagt Zoo-Sprecherin Lisa Reininger. Auf Deutsch Beschäftigung, genauer: artengerechte Beschäftigung, wozu das überlebenswichtige Fangen von Beute gehört. Bei der Entscheidung, lebende Tiere zu verfüttern, spiele natürlich auch der Tierschutz der Fische eine Rolle, sagt Reininger, da werde abgewogen und die Überlegungen von der Zoo-Wissenschaft begleitet. So eine Fütterung zu erleben, wird dann wohl ein weiteres besonderes Ereignis sein in der Dschungelwelt – für die Fische sogar ein einmaliges.
München: Tierpark Hellabrunn eröffnet neue Dschungelwelt - bald wird dort live gejagt
Der Tierpark Hellabrunn hat seine Dschungelwelt nach vier Jahren Umbauzeit wiedereröffnet. Neu eingezogen sind Binturongs, Fischkatzen und Winkerfrösche – und bald wird dort live gejagt.






