München schwitzt: 37 bis 38 Grad heiß könnte es nach Berechnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Samstag im Münchner Stadtgebiet werden, im Umland bis zu 36 Grad. Das wäre ein neuer Hitzerekord, nicht nur für den Monat Juni, sondern überhaupt. Die hohen Temperaturen können für die Menschen gefährlich werden, wenn sie sich nicht davor schützen. Einzelne Veranstalter lassen deshalb vorsichtshalber Feste ausfallen, etwa das Quartiersfest im Münchner Stadtteil Neufreimann. Der Bayerische Fußballverband (BFV) sagt sogar sämtliche Spiele ab. Dennoch ist in München am Wochenende viel los, unter anderem mit der Feier und Demo zum Christopher Street Day (CSD) sowie dem Tollwood-Festival. Die Veranstalter haben sich auf die Hitze eingestellt und kühlen ihre Besucher ab, so gut es geht.Der CSD findet Freitag bis Sonntag im Zentrum statt, das sich bei Hitze besonders aufheizt. Auf der Pride-Meile zwischen Odeonsplatz und Siegestor wollen die Veranstalter deshalb diverse Trinkwasserstellen und mehrere Wasser-Sprühstationen aufstellen, teilt Conrad Breyer vom CSD-Organisationsteam mit. Zudem habe man die Gastronomie gebeten, für ausreichend Wasservorrat zu sorgen und in den Biergärten Sonnenschirme aufzustellen. Um Teilnehmer und Besucher zu warnen, seien zudem regelmäßige Durchsagen an den Bühnen sowie Durchsagen auch im Livestream geplant. „Der Sanitätsdienst ist sensibilisiert und vorbereitet“, so Breyer.Mit bis zu 35 Sanitätskräften sowie Ärztinnen und Ärzten sind die Johanniter an den drei CSD-Tagen im Einsatz, während der Parade zusätzlich mit Einsatzmotorrädern und weiteren Fahrzeugen. Die Sanitäter raten vorab zu den üblichen Vorsichtsmaßnahmen. Dazu gehören viel trinken, am besten Wasser und keinen Alkohol, Kopfbedeckungen tragen, Sonnencreme mit hohem Schutzfaktor nutzen oder sich in den Schatten stellen, wenn die Hitze zu viel wird.Auch das Tollwood-Sommerfestival hat ein umfangreiches Hitzeschutz-Konzept ausgearbeitet und wegen der bevorstehenden Rekordhitze noch einmal erweitert, wie Tollwood-Sprecherin Stefanie Kneer mitteilt. Konkret bedeutet das: Besucher können sich an 14 Brunnen auf dem Gelände erfrischen, in der Ruheoase gibt es eine Wasserwand, am Haupteingang der Musikarena Sprühventilatoren. Zudem ist ein „Wassereinsatztrio“ unterwegs, das die Besucher auf dem Gelände und auch in den Konzerten in der Musik-Arena mit Wassernebel abkühlt. Im Löwengarten können die Besucher sogar in einem gekühlten Saunafass planschen. Neben dem Andechser-Zelt gibt es einen Trinkbrunnen, zudem stehen zusätzliche Sonnenschirme und Pflanzen auf dem Gelände.Das Tollwood-Sommerfestival hat sein Hitzeschutz-Konzept wegen der bevorstehenden Rekordhitze noch einmal erweitert. Johannes SimonDas „Wassereinsatztrio“ kühlt Besucher auf dem Gelände und auch in den Konzerten in der Musik-Arena mit Wassernebel. Ingmar Wein/TollwoodIn der Fröttmaninger Arena stellt der Veranstalter Live Nation während der Konzerte des Sängers The Weeknd am Freitag und Samstag bei Bedarf Rettungsdecken als Hitzeschutz zur Verfügung und verweist auf die kostenfreien Wasserstellen auf der Esplanade vor dem Stadion. Zudem, so teilt eine Sprecherin mit, habe auch das Wasser in den Toiletten Trinkwasserqualität und werde auch entsprechend gekennzeichnet. Während Besucher keine Plastik- und Glasflaschen mit ins Stadion nehmen dürfen, sind faltbare Tetrapack-Behälter bis 0,5 Liter erlaubt, auch, um die Wasserstellen nutzen zu können.Der Bayerische Fußballverband hat gleich 4400 Partien gestrichenDie Sportverbände ergreifen angesichts der anhaltenden Hitzewelle verschiedene Maßnahmen. Während der BFV am Wochenende bayernweit rund 4400 von ihm organisierte Partien gestrichen hat, dürfen die Vereine auf eigene Verantwortung trotzdem Freundschaftsspiele austragen. „Wir appellieren jedoch ausdrücklich an die Vernunft der Verantwortlichen und empfehlen, Spiele abzusagen oder – wenn überhaupt – dann in die kühleren Morgen- beziehungsweise Abendstunden zu verlegen“, teilt der BFV mit. Der Bayerische Landes-Sportverband (BLSV) erklärt, die Verantwortung liege bei den Vereinen, Trainern und dem Funktionspersonal, empfiehlt aber bei Sportveranstaltungen von Kindern und Jugendlichen zusätzliche Pausen, Schattenplätze und die Verlegung von Aktivitäten in kühlere Tageszeiten.Muss man sich auch künftig auf längere und häufigere Hitzewellen einstellen? Heiße Juni-Monate hat es laut Lothar Bock vom Münchner Klimabüro des DWD auch schon in der Vergangenheit gegeben. „Allerdings sieht man in den Zeitreihen zur Temperatur schon sehr deutlich, dass die gegenüber dem vieljährigen Mittel zu warmen Monate spätestens seit der Jahrtausendwende deutlich überwiegen und dass Wärmeextreme im Sinne von Anzahl oder Intensität von Hitzewellen zunehmen, während Kälteextreme seltener und weniger intensiv werden“, so Bock. Die aktuelle Hitzewelle werde in München eine Intensität erreichen, die es zuletzt im „Jahrhundertsommer“ 2003 gegeben habe, allerdings dort erst ab Ende Juli bis weit in den August hinein. Das sind die klimatologisch eigentlich wärmsten Tage des Jahres, die sogenannten Hundstage.Schon seit 1781 werden in München die Temperaturen aufgezeichnet, digitalisierte Werte gibt es ab 1879. Die bisher höchsten Juni-Werte stammen vom 18. Juni 2013 und vom 30. Juni 2019, als jeweils 35,2 Grad gemessen wurden. Werte um 35 Grad gab es zudem am 23. Juni 2003 sowie auch am 14. Juni 1980 mit 34,7 Grad oder am 30. Juni 1950 mit 34,6 Grad. Die bisher heißesten Tage überhaupt in München waren laut DWD der 27. Juli 1983 und der 13. August 2003 mit Spitzenwerten von je 37,5 Grad Grad.Der Juni dieses Jahres selbst war „zweigeteilt“, so Bock. Die Temperaturen zur Monatsmitte waren häufig durchschnittlich, tageweise auch kälter als im vieljährigen Mittel. „Dafür fiel die zweite Monatshälfte deutlich wärmer aus, zum Teil mit täglichen Abweichungen bis um acht Grad Celsius gegenüber dem vieljährigen Mittel.“ Mit den Prognosen bis zum Monatsende werde der Juni 2026 mit einer Monatsmitteltemperatur von etwa 21,0 oder 21,1 Grad abschließen und damit vermutlich etwas wärmer als der Juni in den Jahren 2025 (20,8 Grad) und 2019 (20,9 Grad). Er werde wohl aber nicht so warm wie der bisher wärmste Juni 2003 (22,1 Grad). Historisch belegt seien für München auch überdurchschnittlich warme Junis in den Jahren 1811 und 1822, mit einer Monatsmitteltemperatur von rund 19,5 Grad.
Party-Wochenende in München: Bis zu 38 Grad - München droht ein neuer Hitze-Rekord
Tausende Menschen werden bei CSD, Tollwood und Konzerten feiern. Wie sorgen die Veranstalter vor? Und kommen solche Hitzewellen häufiger?









