Das Insolvenzverfahren der Profi-Fußballgesellschaft des TSV 1860 München ist seit Donnerstagnachmittag offiziell eröffnet. Das zuständige Amtsgericht München bestellte um 15.25 Uhr den Münchner Max Liebig zum vorläufigen Insolvenzverwalter und veröffentlichte den Vorgang auf der entsprechenden Internetseite. Er wird in den kommenden Tagen und Wochen die wirtschaftliche und rechtliche Lage prüfen und entscheiden, wie es weitergeht.Nach der Pleite der TSV München von 1860 GmbH & Co. Kommanditgesellschaft auf Aktien dürfte Liebig der Mann sein, bei dem nun die Fäden zusammenlaufen. Er wird der Geschäftsführung der „Schuldnerin“, wie die Sechziger-Gesellschaft in dem Verfahren heißt, ab sofort bei jeder Aktion auf die Finger schauen. Das Gericht hat in Amtsdeutsch dazu angeordnet, dass „Verfügungen der Schuldnerin nur mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters wirksam sind“.ExklusivTSV 1860 München:Frist abgelaufen: Löwen stellen InsolvenzantragMehr als sieben Millionen Euro fehlen: Welches Angebot Hasan Ismaik gemacht hat, warum der Verein es nicht annahm – und was der Insolvenzverwalter nun tun könnte, um die Profigesellschaft des TSV 1860 München doch noch am Leben zu halten.Der Verein hatte am Dienstag nach Ablauf einer Frist Insolvenz angemeldet. Den Profis der Löwen gingen nach der Kündigung von Darlehen durch Investor Hasan Ismaik 2,3 Millionen Euro ab, um weiter in der dritten Liga spielen zu können. Nach dem deswegen verordneten Zwangsabstieg sollen sogar etwa sieben Millionen Euro fehlen.Der Stammverein hat als Konsequenz das Spielrecht der ersten Mannschaft in der Regionalliga, der obersten Amateurliga, wieder zu sich zurückgeholt. Die Mitgliederversammlung hat dafür bereits der Gründung einer neuen Betriebsgesellschaft zugestimmt. Viele Anhänger zeigten sich erfreut über die Entwicklung, viele hoffen, dass damit die Zeit des Investors Ismaik endet. Doch für andere beginnt zumindest eine Zeit der Ungewissheit. Die Spieler des Profibereichs haben Verträge mit der nun insolventen Gesellschaft, genauso wie die Mitarbeiter der Geschäftsstelle. Auch Verträge mit Sponsoren sind hier anhängig.Die Münchner Kanzlei gilt als erfahrene InsolvenzverwalterinDie sportliche Zukunft wird der vorläufige Insolvenzverwalter Liebig nicht klären können. Doch er wird festlegen, wie es mit der zahlungsunfähigen Profigesellschaft und ihren Angestellten weitergeht. Seine Hauptaufgabe ist die „Sicherung des Schuldnervermögens vor nachteiligen Veränderungen“, also von sofort an möglichst viel Geld für die Gläubiger zu sichern und das gerecht zu verteilen. Grundsätzlich muss er darüber entscheiden, ob eine Perspektive vorhanden ist, eine angeschlagene Gesellschaft zu sanieren und fortzuführen, oder ob einfach alles versilbert wird, was noch da ist, um Schulden zu begleichen. Das bedeutet das Ende der Gesellschaft.Die Münchner Kanzlei Liebig, gegründet 2008 und nahe dem Marienplatz gelegen, gilt als erfahrene Insolvenzverwalterin. Und sie haben nicht zum ersten Mal mit einer Pleite im Profifußball zu tun. Sie wurde vom Amtsgericht schon 2022 bestellt, als Türkgücü im Frühjahr 2022 das Geld ausging.Liebig kann auf einige prominente Pleiten zurückblicken, die ihm das Amtsgericht übertragen hat. Dazu gehört die Insolvenz des Möbel-Unternehmens Who’s perfect, das bekannteste Verfahren dürfte aber das wirtschaftliche Fiasko des Spitzenkochs Alfons Schuhbeck sein, der für sein Verhalten zu einer Freiheitsstrafe von insgesamt vier Jahren und drei Monaten verurteilt worden ist.Daneben hat es Liebig auch geschafft, in sozial schwierigen Fällen eine konstruktive Lösung zu finden. Ein Beispiel dafür ist die Insolvenz eines katholischen Vereins in Haidhausen, der beinahe einer Krippe, einem Kindergarten und einem Hort sowie einer heilpädagogischen Tagesstätte und einem Kinder- und Jugendheim die Existenz gekostet hätte.Nun wird sich Liebig wieder in ein Vereinsleben mit großen Emotionen einarbeiten müssen, das allerdings noch deutlich komplexer und undurchschaubarer sein dürfte. Und dazu noch viel mehr im Fokus der Öffentlichkeit.