Schon vor dem abschließenden Gruppenspiel gegen Ecuador steht fest, dass die deutsche Fußball-Nationalmannschaft als Gruppensieger das WM-Sechzehntelfinale am Montag um 22.30 Uhr MEZ in Boston spielt. Aber wegen wen? Tja, gute Frage.Es ist kompliziert. Deutschland wird gegen einen der acht besten Gruppendritten spielen, genauer: gegen einen der Dritten aus den Gruppen A, B, C, D und F. Gegner aus hinteren Gruppen sind ausgeschlossen, weil die teilweise erst am Samstag ihr finales Vorrundenspiel spielen und nicht schon am Montag wieder spielen können. Welcher genau es wird, wird aber mit Sicherheit erst am europäischen Sonntagmorgen feststehen, weil es davon abhängt, welche acht Gruppendritten der insgesamt zwölf Gruppen sich genau qualifizieren. Die Fifa hat dazu sage und schreibe 495 verschiedene Kombinationsmöglichkeiten veröffentlicht.MeinungDeutschland bei der WM:Das Nationalteam kann gerade keinen Starfußball spielen – aber das muss kein Nachteil seinWeiß man also gar nichts? Doch. Das liegt zum Beispiel an Bosnien-Herzegowina. Die stehen als Dritter der Gruppe B mit vier Punkten bereits als einer der acht besten Gruppendritten fest. Dadurch fallen von 495 Kombinationen zum Beispiel alle Möglichkeiten raus, in denen sich der Dritte der Gruppe B nicht qualifiziert. Von den verbleibenden Möglichkeiten sehen alle – bis auf eine einzige – vor, dass Bosnien-Herzegowina im Sechzehntelfinale auf die USA trifft. Das Team um Edin Dzeko fällt damit als deutscher Gegner schon mal zu 99 Prozent weg.Bleiben die Gruppendritten A, C, D und F, genauer: Südkorea, Schottland, Paraguay, Australien, Niederlande, Schweden und Japan. Es gibt Simulatoren, die alle Parameter berücksichtigen und auch die möglichen Ergebnisse einkalkulieren. So können die Niederlande etwa in Gruppe F nur noch dann Dritte werden, wenn sie gegen Tunesien höher verlieren sollten als Japan gegen Schweden. Ein mögliches, aber unwahrscheinliches Szenario, weswegen auch die Niederlande als möglicher deutscher Gegner quasi ausgeschlossen ist.Der Sonntag wird sowohl für Analysten als auch für den reisenden Gegner ein stressiger TagWenn diese Simulatoren, etwa der der New York Times, alle Faktoren berechnen, landen sie bei zwei wahrscheinlichen deutschen Gegnern: Paraguay oder Australien. Für Paraguay errechnet die Maschine eine Wahrscheinlichkeit von 38 Prozent. Für Australien 35 Prozent. Schweden und Schottland haben mit zehn beziehungsweise sieben Prozent nur Außenseiterchancen. Australien und Paraguay spielen am Freitag um 4 Uhr deutscher Zeit gegeneinander um die Plätze zwei und drei ihrer Gruppe.Aber Obacht: Die Modelle arbeiten mit Gewinnwahrscheinlichkeiten, und kein Computer hielt etwa den 1:0-Sieg der Südafrikaner gegen Südkorea für besonders erwartbar. Nach dem Spiel passten die Modelle ihre Vorhersagen schnell an.Wenn es schlecht läuft, wird es für alle Beteiligten jedenfalls sehr stressig. Die Gruppenphase endet mit den Spielen Algerien gegen Österreich und Jordanien gegen Argentinien gegen 6 Uhr europäischer Zeit am Sonntag. Ab dann haben Julian Nagelsmann und sein Trainerteam mehr oder weniger nur 24 Stunden Zeit, um die Mannschaft auf den nächsten Gegner vorzubereiten. In der Realität dürfte es sich lohnen, vorab schon ein paar Spiele von Australien oder Paraguay geguckt zu haben.Noch stressiger wird es für den Gegner, der ja im schlechtesten Fall erst 40 Stunden vorher sicher weiß, dass er in Boston gegen Deutschland spielen wird. Das dürfte für Teams und vor allem für Fans ein anstrengender Reisetag werden. Aber vielleicht schütteln sich bis dahin die Wahrscheinlichkeiten zumindest so, dass man schon mal einen (stornierbaren) Flug buchen kann.