Der amerikanische Elektrowagenhersteller Tesla erhöht die Produktionsziele für sein Werk in Grünheide: Ab Oktober sollen am einzigen Produktionsstandort des Konzerns in Europa 7500 Fahrzeuge in der Woche vom Band laufen. Das teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Damit würde die Auslastung der Fabrik vor den Toren Berlins viereinhalb Jahre nach dem Produktionsstart zum ersten Mal an die von Tesla angegebene Kapazitätsgrenze heranreichen. Zuletzt waren in Grünheide Woche für Woche rund 5000 Autos vom Band gerollt.Die neuen Pläne entsprechen einer Produktionssteigerung um 20 Prozent gegenüber der bis Ende Juli angepeilten Wochenproduktion von 6200 Fahrzeugen, die das Unternehmen erst vor wenigen Monaten in Aussicht gestellt hatte. Zu der bereits angekündigten Einstellung von 1000 neuen Mitarbeitern kommen noch einmal 1000 Beschäftigte hinzu. Daneben sucht Tesla weitere 1500 Mitarbeiter für die Zellfertigung, die 2027 in Grünheide hochlaufen soll. Zuletzt waren in dem Werk knapp 11.000 Mitarbeiter beschäftigt.Die Pläne von Tesla an seinem europäischen Produktionsstandort spiegeln eine Erholung auf dem Absatzmarkt wider. Von Januar bis Mai wurden nach Angaben des europäischen Fahrzeugherstellerverbands ACEA rund 118.000 Elektrowagen der Marke Tesla in den 27 Ländern der Europäischen Union, in den vier Märkten der Europäischen Freihandelsassoziation und in Großbritannien neu zugelassen. Das waren 43.000 Fahrzeuge mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.Erholung auf den europäischen AbsatzmärktenMit einem Zuwachs von knapp 60 Prozent war Tesla in diesen 32 Ländern von Januar bis Mai unter Herstellern mit mindestens 100.000 neu zugelassenen Fahrzeugen die drittstärkste Marke. Besser entwickelten sich nur die chinesischen Konkurrenten Chery und BYD, die im bisherigen Jahresverlauf an Tesla vorbeigezogen sind. In Europa hat Tesla damit wieder das Niveau der ersten fünf Monate von 2024 erreicht. Im Rekordjahr 2023 wurden von Januar bis Mai noch 138.000 Tesla-Wagen in Europa zugelassen.In Deutschland, wo Tesla im vergangenen Jahr besonders zu kämpfen hatte, legte die Marke auch mit der Unterstützung eines neuen Förderprogramms der Bundesregierung für Elektrowagen im bisherigen Jahresverlauf ebenfalls ein Comeback hin. Die Neuzulassungen von Tesla-Fahrzeugen verdreifachten sich in den ersten fünf Monaten nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts auf gut 21.000 Fahrzeuge. In den ersten fünf Monaten 2023 wurden rund 28.000 Autos des amerikanischen Elektroherstellers in Deutschland zugelassen.Während sich die Absatzzahlen von Tesla in Europa erholen, lag das Werk in Grünheide schon bisher auf Kurs zu einem Produktionsrekord. Im ersten Quartal wurden hier nach Angaben von Tesla rund 61.000 Fahrzeuge vom Typ Model Y produziert. So viele Wagen waren hier noch in keinem Dreimonatsabschnitt zuvor vom Band gerollt. Bis Ende Juli soll die wöchentliche Produktion auf 6200 Fahrzeuge steigen. Das ist ein Niveau, das zuletzt Ende 2023 erreicht wurde. Die Kapazität der Fabrik in Grünheide gibt Tesla mit mehr als 375.000 oder gut 7500 Fahrzeugen je Woche an.Batteriezellenfertigung startet 2027Angelaufen war die Produktion in Grünheide im März 2022. Ein Jahr später rollten nach Angaben der Tesla Manufacturing Brandenburg jede Woche etwa 5000 Fahrzeuge vom Band. Zum Jahresende 2023, gemessen an den Absatzzahlen weltweit das bisher erfolgreichste Jahr von Tesla, erreichte die Produktion vor den Toren Berlins mehr als 6000 Fahrzeuge je Woche. Mit den rückläufigen Absatzzahlen in weiten Teilen von Europa ging aber auch die wöchentliche Produktion in Grünheide zurück. Im Februar 2025 wurde die Produktion auf eine neue Version des Model Y umgestellt und danach Schritt für Schritt wieder auf rund 5000 Fahrzeuge in der Woche hochgefahren.Nicht nur die Fahrzeugproduktion in Grünheide steigt, auch die Fertigungstiefe wird erhöht. Bis zum nächsten Jahr will Tesla hier die Voraussetzung für die Produktion von Batteriezellen für bis zu 4500 Fahrzeuge täglich schaffen. Das entspricht nach Angaben von Tesla einer Jahresproduktion von Zellen mit einer Kapazität von rund 18 Gigawattstunden. Dafür investiert Tesla noch einmal gut 200 Millionen Euro in den Standort, wie das Unternehmen Mitte Mai angekündigt hat. Es entstehen rund 1500 neue Arbeitsplätze.Eigentlich sollte die Zellfertigung in Grünheide schon parallel zum Start der Fahrzeugproduktion 2022 hochlaufen. Doch der von der US-Regierung im Sommer 2022 verabschiedete Inflation Reduction Act verbesserte die Standortbedingungen in den USA gegenüber Europa, weshalb Tesla sich auf den Ausbau der Zellfertigung in Austin, Texas, konzentrierte. Das Werk in Grünheide wurde zunächst mit Batteriezellen aus China versorgt und verbaut mittlerweile Zellen aus den USA. Für die Zukunft will Tesla die Abhängigkeiten in der Lieferkette reduzieren.Die Auseinandersetzungen zwischen Tesla und der IG Metall gehen in Grünheide ungeachtet der positiven Nachrichten rund um den Produktionsstandort weiter. Ende März hatte die Gewerkschaft angekündigt, das Ergebnis der Betriebsratswahl anzufechten. Die IG Metall hatte bei der Wahl Anfang März die Mehrheit und damit ihr erklärtes Wahlziel klar verfehlt und wirft der Werkleitung vor, mit der Einflussnahme auf die Wahl gegen das Betriebsverfassungsgesetz verstoßen zu haben. Ein Gütetermin vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt (Oder) endete in der vergangenen Woche ohne Ergebnis. Ein erster Anhörungstermin in dem Verfahren soll im April 2027 stattfinden.