Wer schon mal eine Autofahrt über die amerikanische Plattform Uber bestellt hat, dem ist die Safe Driver Ennoo GmbH womöglich ein Begriff. Sie wickelt in Deutschland als Generalunternehmer alle Fahrten ab, die über Uber bestellt werden. Denn anders als in den Vereinigten Staaten ist es hierzulande rechtlich nicht möglich, dass Privatpersonen die Fahrten übernehmen. Uber leitet die Anfragen stattdessen an Ennoo weiter. Das Unternehmen verfügt über eine eigene Flotte, arbeitet aber auch mit kleineren Betrieben zusammen. Der Architekt dieser Sonderkonstruktion Ubers für den deutschen Markt ist Thomas Mohnke, der Geschäftsführer der hinter Ennoo stehenden Safe Driver Group.Mit der 1919 gegründeten Genossenschaft Taxi Frankfurt übernimmt jetzt ausgerechnet dieser wichtige Partner des großen Rivalen Uber eine der ältesten Taxizentralen Deutschlands. Den Abschluss der Transaktion kündigte Mohnke im Gespräch mit der F.A.Z. an. Mit mehr als 1400 angeschlossenen Fahrzeugen ist sie die größte Taxizentrale in Hessen. Die etwa 60 Anteilseigner der Genossenschaft haben der Übernahme zugestimmt, aus der Genossenschaft wird dadurch die Taxi First Mobility GmbH. Die bisherigen Vorstandsmitglieder Marten Clüver und Roman Marx werden das neue Unternehmen weiterleiten. Dem Vernehmen nach zahlt die Safe Driver Group für Taxi Frankfurt einen mittleren einstelligen Millionenbetrag. Ein signifikanter Teil der Summe soll aber auf eine Immobilie entfallen, die der Genossenschaft noch im Gallusviertel gehört.„Wir möchten den vermeintlichen Widerspruch von Taxi und Plattformen auflösen“„Wir möchten den vermeintlichen Widerspruch von Taxi und Plattformen auflösen und neue Wege gehen“, sagt Mohnke – und betont, dass er das Taxigeschäft nicht abwickeln wolle, sondern im Gegenteil Investitionen plane. „Wir werden die Angebote für die Taxikundschaft deutlich verbessern, die Bestellung zeitgemäß organisieren, das Fahrzeugangebot erneuern und erweitern sowie viele andere Zusatzdienstleistungen einführen.“Mohnke kennt die Branche seit Jahrzehnten, er betreibt mit seiner Safe Driver Group auch heute schon Taxis. Den Kauf der Taxizentrale Frankfurt sieht er als Beginn einer Konsolidierung der kriselnden Branche, bei der er selbst kräftig mitmischen möchte. Weitere Zukäufe kann er sich vorstellen. Für die stark fragmentierte und unabhängigkeitsliebende deutsche Taxibranche wäre der flächendeckende Aufkauf durch eine große Unternehmensgruppe ein Paradigmenwechsel.Schon heute werden die Fahrten in kleineren und mittelgroßen Städten vor allem zu Randzeiten nicht mehr selbst disponiert, sondern an die Zentralen in größeren Städten ausgelagert. Die neue Taxi First Mobility GmbH soll als eine Art Callcenter zum Dienstleister für Taxizentralen in ganz Deutschland werden. „Es wird weiter Kunden geben, die den persönlichen Kontakt mit Disponenten schätzen und keine App nutzen wollen“, sagt Mohnke. Die Branche zählt gut 700 Taxizentralen deutschlandweit, in den letzten Monaten ist es aber vermehrt zu Insolvenzen gekommen, etwa in Bochum, Leipzig, Braunschweig oder Ingolstadt.Streit um günstigere PreiseDie Taxibranche sieht die Schuld vor allem bei den großen Plattformen Uber und dem Konkurrenten Bolt. Diese arbeiten bislang hauptsächlich mit sogenannten Mietwagenunternehmen zusammen. Anders als Taxibetreiber, deren Kilometerpreise von den zuständigen Behörden festgelegt werden, können diese ihre Preise frei wählen. Dafür dürfen sie nicht spontan Passagiere aufsammeln, sondern nur, wenn sie bestellt wurden. Und sie zahlen mehr Umsatzsteuer.Taxibetriebe werfen Uber Preisdumping vor, auch wenn die Fahrpreise dort stark schwanken können. Während Mohnke und auch Uber eine Flexibilisierung des Taximarktes zu dessen Unterstützung fordern – also die Möglichkeit zu vorab festgelegten Preisen und flexiblen Preiskorridoren, um auf Angebot und Nachfrage zu reagieren –, verlangt die Taxibranche Mindesttarife für Mietwagen, um den aus ihrer Sicht „ruinösen Wettbewerb“ zu beenden. Zuletzt ist ein solcher Mindesttarif in Köln in Kraft getreten.„Wir sehen uns und das gesamte Taxigewerbe mit existenziellen Herausforderungen konfrontiert“, sagt zwar auch Taxi-Frankfurt-Vorstand Marten Clüver. Für den künftigen Erfolg der Dienstleistung Taxi brauche es aber moderne technische Lösungen und die passende Regulatorik, die beispielsweise eine flexiblere Preisgestaltung über deutlich breitere Tarifkorridore erlaube, sagt sein Kollege Roman Marx.„Die Robotertaxis tragen Ihnen nicht den Koffer“„Dieser Grabenkrieg zwischen Taxi und Mietwagen muss aufhören“, fordert Mohnke, der die beiden Geschäfte zum Teil als komplementär ansieht. „Die Plattformen können das Massengeschäft mit dem Transport von A nach B schlicht besser abbilden“, sagt er. Aber Taxis könnten Spezialgeschäfte übernehmen: Krankentransporte, Rezeptionsgeschäft, spezielle Fremdsprachenkenntnisse, Hilfestellungen. Das „Konkurrieren mit Aldi“ funktioniere nicht.Mohnke will sein neues Taxigeschäft mittelfristig um modular hinzubuchbare Dienstleistungen ergänzen, etwa das Tragen von Koffern oder das Begleiten ins Wartezimmer oder in den Zug. An den Einnahmen will er auch die Fahrer beteiligen. Zusätzlich stelle sich die Branche so zukunftsfest für autonom fahrende Robotertaxis auf. „Die tragen Ihnen nicht den Koffer“, sagt er und zieht einen Vergleich zum Fliegen: Wenn Uber Holzklasse biete, solle das Taxi zumindest die Businessclass darstellen. „Wenn sich die Taxibranche auf diese Zusatzdienste fokussiert, dann hat sie auch eine Zukunft“, sagt Mohnke.Kurzfristig will Mohnke für Taxi Frankfurt vor allem eine neue, modernere Software anschaffen. Von Uber will er nicht nur in Sachen Marketing lernen, die Taxifahrer der Genossenschaft sollen zudem Aufträge über Uber vermittelt und so mehr Geschäft bekommen. Seit gut zwei Jahren hat Uber seine App auch für Taxiunternehmer geöffnet und vermittelt ihnen auf Kundenwunsch Fahrten. Das macht bislang nur einen geringen Teil des Umsatzes aus, aber immerhin mehr als 10.000 Taxifahrer nutzen die Plattform laut Uber. Mohnke sagt, insbesondere internationale Kunden würden sich gern auch ein Taxi leisten, seien aber die Bestellung via App gewohnt.Er spricht von „vertrauensbildenden Maßnahmen“ für die Fahrer. Das Taxigewerbe lädt Mohnke zu Kooperationen ein: „Wir brauchen eine Koalition der Willigen.“
Taxizentrale Frankfurt: Uber-Partner Thomas Mohnke übernimmt
Die Taxibranche steht wirtschaftlich unter Druck. Jetzt kauft ausgerechnet der Generalunternehmer des Rivalen Uber die Taxizentrale Frankfurt – und hat große Pläne.






